Die tapfere Schneiderin
Grimms Märchen standen Pate

Greven -

Die ambitionierte Schneiderin arbeitet nicht nur für Privatkunden, sondern auch für Großkunden.

Mittwoch, 02.09.2020, 10:45 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 10:24 Uhr
Das kreative Schneider-Team rund um „Die Tapfere Schneiderin“ Viktoria Rautenberg (m.): Anna Mamontov (li.) und Irina Wippler (re.).
Das kreative Schneider-Team rund um „Die Tapfere Schneiderin“ Viktoria Rautenberg (m.): Anna Mamontov (li.) und Irina Wippler (re.). Foto: Pia Weinekötter

Grimms Märchen standen Pate. Als Viktoria Rautenberg vor über zehn Jahren ein altes Schreibschriftbuch der Brüder Grimm mit dem Titel „Das tapfer Schneiderlein“ fand, wusste sie sofort: „Daraus kann ich einen passenden Namen für mein Schneider-Atelier machen – das ist dann was anderes als immer nur der Vor- und Nachname der Inhaberin.“

Ein geeignetes Ladenlokal hatte die ambitionierte Schneiderin bereits im Blick: Damals wohnte sie mit ihrer Familie noch in der Münsterstraße. Und jedes Mal, wenn sie mit ihren Kindern auf dem Weg zur Kita an dem Ladenlokal an der Alten Münsterstraße 26 vorbeikam, dachte sie: „Was für ein hübsches Lädchen, ideal für eine Schneiderei.“ Als der dort ansässige Frisör einen Nachmieter suchte, wurde Viktoria Rautenbergs persönliches Märchen wahr und „Die tapfere Schneiderin“ eröffnete im Februar 2010.

Das Schneidern ist der gebürtigen Ukrainerin quasi in die Wiege gelegt worden: „Ich bin mit Nadel und Faden aufgewachsen.“ Denn auch ihre Mutter ist Schneiderin. Als die Familie im Mai 2000 nach Deutschland kam, arbeitete Viktoria Rautenberg erst in Textilfabriken in Altenberge und Nordwalde. Parallel besuchte die gelernte Schneiderin und Betriebswirtin sowohl Deutsch- als auch Buchhaltungskurse. „Dann war erst die Familie dran“, erklärt die zweifache Mutter. Und mit Familienunterstützung startete sie auch in die Selbständigkeit: „Meine Mutter hat anfangs noch mitgearbeitet.“ Doch ohne Mitarbeiter schafft es auch eine tapfere Schneiderin nicht. Sie braucht zwar nicht „sieben auf einen Streich“, aber die viele Arbeit lässt sich ohne ihre Schwester Irina Wippler und ihre Aushilfe Anna Mamontov nicht schaffen, wenn sie ihre Schneiderei dienstags von 9 bis 18 Uhr und mittwochs bis freitags von 9 bis 15 Uhr öffnet.

Die Auftragslage war von Anfang an gut, denn vielen Kunden gefällt die technisch hochwertige und immer mit einem Schuss Kreativität gestaltete Arbeit, sodass Viktoria Rautenberg und ihr Team oft weiterempfohlen werden. So war denn auch die Änderungsschneiderei anfangs das Hauptgeschäft: Ist die Hose zu lang, der Rock zu eng, ein Loch in der Jacke, der Reißverschluss defekt, eine Naht aufgeplatzt oder auch nur ein Knopf abgerissen – die tapfere Schneiderin kann es richten. Maßanfertigung rückte da aus Zeitmangel schnell in den Hintergrund.

„Auch privat schaffe ich es momentan nicht mehr zu schneidern: gleich zwei Zuschnitte für mich warten bereits seit Weihnachten aufs Nähen“, erklärt die 44-Jährige mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn seit mehr als fünf Jahren arbeitet sie nicht nur für ihre Privatkundschaft, sondern mittlerweile machen auch drei Großkunden etwa die Hälfte ihres Umsatzes aus. Dafür hat sie im Laufe der Jahre auch ihre Werkstatt um so manche Spezial-Nähmaschine erweitert und aufgerüstet.

Die bunte Mischung mit den übers Jahr verteilten Großaufträgen macht für Viktoria Rautenberg den Reiz aus: „Ich arbeite gerne kreativ und freue mich immer, wenn meine Kunden zufrieden sind.“

Und damit erzählt die tapfere Schneiderin keine Märchen.

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