Eine Online-Konferenz mit den Vertretern von fünf Parteien und Wählergemeinschaften
Politik am Puls der Bürger

Greven -

Unsere Redakteure sprachen mit Vertretern der kleinen Gruppen, die viel zu sagen hatten.

Donnerstag, 03.09.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 23:54 Uhr
Wilfried Roth vertritt die FDP seit über 20 Jahren.
Wilfried Roth vertritt die FDP seit über 20 Jahren. Foto: Günter Benning

 Ihr Stimmanteil ist klein. Ihre Macht mitunter groß. FDP (4,1%), Linke (4,1%), Reckenfeld direkt (4,5%) und Freie Wähler (2,1%) sind im Rat oft das Zünglein an der Waage. Jetzt bewirbt sich mit „Unser Greven“ eine weitere Wählergemeinschaft um die Gunst der Bürger. In einer Online-Diskussion sprachen unsere Redakteure Oliver Hengst und Günter Benning mit Vertretern der kleinen Gruppen. Wer sind sie, was wollen sie? Zwei Stunden Diskussion – hier ein Ausschnitt.

Immobilienkaufmann Wilfried Roth (68) ist seit 20 Jahren bei der FDP in Greven. Sein Ziel: „So viel als möglich für die Stadt erreichen.“ Und zwischen Bürger und Verwaltung vermitteln. Aktuell wirbt seine Partei für Nachhaltigkeit und Umweltschutz: „Ein wichtiger Punkt, gerade mit Blick auf die Emsaue.“ Andere FDP-Ziele: Digitalisierung im Rathaus – vom Personalausweise bis zur Bauakte. Da gehe es um Angebote, die es dem Bürger einfacher machen.

„Und wenn manche Menschen nicht so gut ausgestattet sind?“, fragte Moderator Oliver Hengst. „Dann müssen wir zweigleisig fahren“, so Roth. Was Schulen angeht: „Jeder Schüler muss mit elektronischen Medien ausgestattet werden.“

Thomas Hudalla (39) ist über die Jusos zu den Linken gestoßen. Kommunalpolitik, sagt er, funktioniert ohne ideologische Grenzen: „Es gibt keinen rechten oder linken Bordstein.“ Er schreibt sich auf die Fahnen, dass Greven den ersten Armutsbericht bekommen habe. 1100 Kinder lebten in Greven in Armut, das könne keinen Politiker ruhig lassen. Konkret könne man den Betroffenen zum Beispiel in der Schule mit einem Programm zur digitalen Ausstattung helfen.

Ernst Reiling (78), Rentner, aktiv bei „Reckenfeld direkt“ findet, dass Reckenfeld „eine eigene Stimme“ brauche. Er ist der festen Überzeugung, dass Reckenfeld eine weiterführende Schule benötige. Der Ort gehe auf 9000 Einwohner zu, müsse weiterwachsen und eine Schule sei da „zwingend notwendig“. Er könne sich eine Dependance der Gesamtschule vorstellen. Interessant auch: Reiling setzt sich für den CDU-Kandidaten Aden ein. „Frischer Wind, gut vernetzt, Jurist, das brauchen wir“, sagt er, „es muss kein Paohlbürger sein.“

Olaf Wirl (53), Feuerwehrmann in Münster, macht es bei den Freien Wählern Spaß, „andere Sichtweisen in die Politik einzubringen.“ Eine davon ist, möglicherweise die Anne-Frank-Realschule nach Reckenfeld zu holen. Jene Schule, für die die Freien Wähler gekämpft hatten. „Warum nicht neu bauen?“, sagt er, „die sind immer nur umgezogen von einem Altbau in den anderen.“ Das vorhandene Gebäude könne man – wie Ernst Reiling es vorschlug – für die Gesamtschule nutzen. Einwurf: Auch der Liberale Roth sähe in Reckenfeld Bedarf für eine Schule: Aber sie sei derzeit nicht genehmigungsfähig.

Ulrich Stratmann (66), ehemaliger Polizeibeamter, hat die Wählergemeinschaft „Unser Greven“ gegründet. Seine Kritik: „Bürgeranträge werden in Greven vom Rat in Ausschüsse verschoben und nie wieder bearbeitet.“ Die Altparteien in Greven würden zusammenhocken – auch mit Unternehmern. Da käme es in geheimen Treffen zu Absprachen. Das müsse alles öffentlich gemacht werden. Sein Credo für die Politik: Weit im Voraus mit den Bürgern sprechen, zum Beispiel an der Mühlenstraße.

Zum Thema Wohnbaugesellschaft gab es unterschiedliche Meinung: „Warum kann nicht auch eine Firma Sahle hier bauen?“, frage der liberale Roth. Er trägt die Idee der Wohnbaugesellschaft mit, man müsse aber auch andere Lösungen betrachten. Für Thomas Hudalla von den Linken ist das Thema wichtig, der freie Markt schaffe es nicht. 60 öffentlich geförderte Wohnungen brauche die Stadt jährlich. Betroffen sei „die Mitte der Gesellschaft“. Olaf Wirl von den Freien Wählern hält dagegen die „möglicherweise sehr hohen Mittel“ für eine Wohnbaugesellschaft für nicht tragbar.

Was den FMO angeht, sind die Linken kritisch. Hudalla: „Die dicke Rechnung kommt nach der Kommunalwahl. „Das Geld, das wir in den FMO stecken, wollen wir für Nahverkehr und Radwege investieren. Das Land NRW soll am Flughafen einsteigen.“ Dagegen Wilfried Roth: „Man muss auch fragen, was bringt der FMO.“ Nämlich erheblich Steuerleistungen durch Unternehmen, die sich rund um den FMO angesiedelt hätten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7565071?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker