Spider World am Hallenbad
Wenn selbst die Spinne Abstand hält

Greven -

Für die einen sind sie eklig. Die anderen leben davon. Neben dem Hallenbad werden Spinnen und große Insekten präsentiert.

Samstag, 05.09.2020, 18:22 Uhr
Stephanie Riedesel mit einer Vogelspinne auf der Hand. Das Wesen im Schaukasten daneben ist übrigens nicht die „Leiche“ einer Spinne. Das ist die Häutung, die die Tiere regelmäßig durchleben.
Stephanie Riedesel mit einer Vogelspinne auf der Hand. Das Wesen im Schaukasten daneben ist übrigens nicht die „Leiche“ einer Spinne. Das ist die Häutung, die die Tiere regelmäßig durchleben. Foto: Peter Beckmann

Abstand halten! Das ist der Satz, der seit Beginn der Corona-Pandemie das A und O für alle Menschen bedeutet. Aber: Erstaunlicherweise gilt das auch für andere Wesen. Auch Spinnen und Insekten müssen sich daran halten. Ein Scherz? Nee, das ist wirklich so. Warum, das erklärt die Herrin der Spinnen.

Die heißt Stephanie Riedesel. Sie, ihr Mann, ihre vier Kinder und Schwager und Schwägerin sind mit der „Spider World“ zur Zeit zu Gast in Greven auf der Fläche am Hallenbad. Dort werden Insekten und Spinnen aus allen Kontinenten präsentiert. Deren Gemeinsamkeit: Sie alle sind groß, haben den Beinamen Goliath oder XXL.

Die zehn Leute, die die Spider-World betreiben, sind froh, dass sie das endlich wieder dürfen. Denn über drei Monate ging nichts mehr – wegen Corona natürlich. Gestrandet waren sie in Weiblingen in der Nähe von Stuttgart. Und natürlich kam kein Geld in die Kasse, da sie nicht öffnen durften. „Aber es war unglaublich, wie uns die Menschen geholfen haben“, erzählt Riedesel. Der Bürgermeister habe dafür gesorgt, dass sie weder Strom noch Wasser noch Standgebühren bezahlen mussten. „Viele Menschen haben uns mit Spenden und Lebensmitteln geholfen.“ Das sei eine unglaublich schöne Erfahrung gewesen. Und zum Glück seien auch die Tiere recht genügsam. „Wir müssen nur alle drei bis vier Wochen für etwa 50 Euro Grillen und Heimchen kaufen.“

Schließlich konnten sie nach über drei Monaten Zwangspause wieder ihr Zelt aufbauen – allerdings nicht in Baden-Württemberg, dafür mussten sie nach Hessen reisen – das Corona-Verfügungschaos lässt grüßen. Und nach drei weiteren Stationen sind sie jetzt in Greven gelandet.

An Bord, oder besser gesagt in den Terrarien, haben sie rund 300 Insekten und Spinnen dabei. „Zuhause haben wir noch 450 weitere Tiere“, erklärt Riedesel. Die dürften sie wegen der Abstandsregeln nicht präsentieren. Abstand bei Insekten und Spinnen? „Es geht darum, dass die Terrarien nicht zu dicht nebeneinander stehen sollen, damit die Leute, die sich die Tiere anschauen, ebenfalls Abstand halten können.“

Die Besucher können sich auf Vogelspinnen, Skorpione, Riesentausendfüßler, seltene Käfer, Gottesanbeterinnen, Wandelnde Blätter oder XXL-Gespenstheuschrecken freuen. Star ist die größte Goliath-Vogelspinne. All diese Tiere werden während der Live-Erklärungen, die regelmäßig stattfinden, auch aus den Terrarien heraus genommen. Und wer möchte, kann sie sogar auf die Hand nehmen.

Skorpion und Vogelspinne auf die Hand? Ist das nicht gefährlich? Riedesel lacht. „Natürlich sind all diese Tiere giftig. Aber nur so gering, dass ein Stich oder ein Biss sich höchstens anfühlt wie ein Mückenstich.“ Denn auch bei den Tieren gilt: Die mit der größten Klappe haben am wenigsten auf den Hacken. „Je größer die Scheren beim Skorpion, um so weniger giftig ist er.“ Fast wie bei den Menschen . . .

Die Tiere bekommen sie übrigens bei Züchtern, die sich auf eben solche Insekten und Spinnen spezialisiert haben. „Wir müssen immer einen Herkunftsnachweis vorweisen können.“

Bleibt die letzte Frage: Wie kommt man dazu, Insekten und Spinnen zu halten und damit auf Reisen zu gehen? „Das hat schon der Urgroßvater meines Mannes gemacht“, erzählt Riedesel. Der Vater ihres Mannes habe insgesamt 13 Kinder gehabt. „Die haben alle eigene unterschiedliche Betriebe“, erklärt sie und zählt Zirkus, Puppentheater, Reptilienshow, Hüpfburgen und, und, und auf. „Die konnten natürlich nicht alle von der Spider World leben.“

Wer jetzt immer noch „Igitt“ sagt, wenn er an Spinnen und Insekten denkt, der ist vielleicht sogar ganz gut aufgehoben in der Spinnenwelt. „Viele, die sich die Tiere anschauen und Informationen von uns bekommen, vergessen sogar die Angst oder den Ekel vor diesen Tieren“, ist sich Riedesel sicher.

Na dann mal ab zum Hallenbad, liebe Arachnophobiker. Hier wird einem geholfen . . .

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