Kabarettistin und Liedermacherin Lucy van Kuhl zum Gast in der Kulturschmiede
Über den liebeskranken „Samson“

Greven -

Ihre Lieder zeigten ein Kultpotenzial, ihrem Charme konnte man sich nicht entziehen.

Montag, 07.09.2020, 11:15 Uhr aktualisiert: 11.09.2020, 10:20 Uhr
Entführte das Publikum in fantastische Welten: Lucy van Kuhl alias Corinna Fuhrmann.
Entführte das Publikum in fantastische Welten: Lucy van Kuhl alias Corinna Fuhrmann. Foto: Axel Engels

Mit einem extra für Greven zusammengestellten Programm eroberte Lucy van Kuhl, mit bürgerlichem Namen Corinna Fuhrmann, am Freitagabend die Herzen der Besucher in der Kulturschmiede. Die Kulturinitiative hatte sich sehr viel Mühe gegeben, auch in Corona-Zeiten die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Kultur wieder live erlebbar wird.

Mit Lucy van Kuhl wurde eine Künstlerin eingeladen, die sich als exzellente Kabarettistin und Liedermacherin zeigte. Sie hat verdientermaßen 2019 in Passau das renommierte „Scharfrichterbeil“ verliehen bekommen, ihre anspruchsvollen Texte entführten in gar fantastische Welten.

Als Literaturwissenschaftlerin weiß sie ihren scharfsinnigen Blick hinter die Kulissen bestens in ein sprachliches Gewand zu kleiden. Als ausgebildete Pianistin wusste sie den Boston-Flügel mit feinster Anschlagskultur zu handhaben. In ihrer Spielweise erinnerte sie an den durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Hermann van Veen bekannten Erik van der Wurff. Sie ist mit einer ausdrucksstarken Stimme gesegnet, deren feines Timbre den Liedern eine ganz innige Farbe verlieh.

Passend zur augenblicklichen Situation begann sie mit einem Lied, in dem sie die Vorzüge sowie Nachteile des Abstands zum Mitmenschen pries. Ihre Reiseerlebnisse wusste sie in mitreißende Wortspielereien zu kleiden, wobei das nächtliche Hamm ihr wahre Albträume bereitete.

Die kleinen und großen Dinge des Alltags erhielten bei ihr ein lyrisch-poetisches Gewand. Im wirklichen Leben pendelt sie zwischen Marseille und Berlin, und so zeigte sich ihr persönliches Verhältnis zu Orten beim „Fernsehturm“ und „Viele Wege führen nach Rom“. Selten hat man so ergreifende Lieder gehört wie an diesem Abend, wobei sie im Stile des frühen Klaus Hoffman tiefe Emotionen wie bei „Küsse ohne Kaviar“ und „Liebe Omama“ ohne übertriebene Gefühlsduselei. Mit kleinen bitterbösen humoristischen Prisen würzte sie den Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff von Gertrud und Willi, der am Ende zu den Klängen von „Eine Seefahrt die ist lustig“ von seiner Gattin über die Reling ins offene Meer verfrachtet wird.

Immer dann, wenn sie mit charmanten Plaudereien ganz harmlos wirkte, hielt sie überraschende Satiren für das begeisterte Publikum bereit. Bei „Handy-Gott“ verzweifelte das Smartphone an seiner fast debilen Besitzerin Chantal, die zwischen eingeschränktem Wortschatz und nervigem Justin-Biber-Klingelton sich für sämtliche Belehrungsversuche resistent zeigte. Auf solche Ideen wie den liebeskranken Koffer „Samson“ muss man erst einmal kommen, zeigte sich die große Kreativität und Verspieltheit von Lucy van Kuhl.

Ihre Lieder zeigten ein Kultpotenzial, ihrem Charme konnte man sich nicht entziehen. „Der Moment, in dem es sticht“ und „Letzter Sommertag“ waren besonders inspirierendsten Momente des Abends. Die wunderbare Welt der Lucy van Kuhl konnte an diesem Abend ihre ganze Schönheit entfalten, konnte man Raum und Zeit vergessen.

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