Im St. Gertrudenstift und dem Haus Marienfried ist fast wieder alles normal
„Wir strahlen mehr mit den Augen“

Greven -

Ein Besuch im Gertrudenstift: Corona hat Spuren hinterlassen, aber Bewohner und Mitarbeiter versuchen, möglichst viel Normalität herzustellen.

Mittwoch, 09.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 11.09.2020, 10:21 Uhr
Kegeln im Foyer – das Programm für die Bewohner des Gertrudenstifts läuft normal weiter.
Kegeln im Foyer – das Programm für die Bewohner des Gertrudenstifts läuft normal weiter. Foto: Günter Benning

Die Kegelbahn ist gefragt. Bewohnerinnen des St. Gertrudenstifts sitzen im Kreis drum herum, ein junger Pfleger mit Mundschutz führt sie zum „Sport“. Kugeln rollen, Kegel fallen – fast normaler Alltag in dem Seniorenheim, das wegen der Corona-Pandemie wochenlang ausgebremst war. „Bewohner und Mitarbeiter“, sagt Dr. Susanne Sünderkamp, stellvertretende Geschäftsführerin, „sind enger zusammengewachsen.“

Vor zehn Monaten ist Sünderkamp in die Geschäftsführung der Häuser Gertrudenstift und Marienfried (Reckenfeld) gekommen. So viel steht für sie fest: „Corona hätte ich nicht gebraucht.“

Der Pandemie-Alarm hat die Arbeit in der Altenpflege umgekrempelt. Mitte März wurde die Tagespflege an der Alten Münsterstraße geschlossen. Eine Herausforderung für die Angehörigen. Sünderkamp: „Die hatten Verständnis und konnten es in einigen Fällen wegen eigener Kurzarbeit oder Homeoffice stemmen.“ Mittlerweile läuft das Angebot wieder. Aber mit nur zehn Plätzen statt der gewohnten 16.

In den beiden Häusern ist man um Kurzarbeit herumgekommen. Trotz geschlossener Tagespflege und Cafeteria. „Die Mitarbeiter“, so Sünderkamp, „konnten in anderen Bereichen eingesetzt werden.“ Man habe sogar in den Corona-Monaten neues Personal eingestellt.

Alle Mitarbeiter des Hauses hätten sich übrigens über die „Corona-Prämie“ vom Bund gefreut. 1000 Euro für Vollzeitkräfte, die vom Haus um 500 Euro aufgestockt wurde. „Eigentlich eine Prämie für Pflegekräfte“, so Sünderkamp, „aber bei uns haben sie alle Mitarbeiter bekommen.“

Kritisch wurde es, als eine Mitarbeiterin im Haus Marienfried positiv getestet worden ist. „Ich habe die Botschaft abends um 21 Uhr erfahren“, erinnert sich Sünderkamp. Sofort seien entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen worden. 19 Bewohner, die Kontakt mit de infizierten Frau hatten, kamen in Quarantäne. Angesteckt hat sich keiner. „Die Kollegin hat bei ihrer Arbeit immer Mundschutz getragen und die Hygienevorschriften befolgt“, lobt Sünderkamp.

Seit Beginn der Corona-Krise tragen in den beiden Seniorenheimen alle Mitarbeiter Mundschutz. Was für die direkte Kommunikation mit Senioren, die mitunter schlecht hören, nicht einfach ist. „Wir strahlen mehr mit den Augen“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin, „wir haben auch von Angehörigen gehört, man merke, dass die Mitarbeiter ein Lächeln auf den Lippen tragen.“

Der Besuchsstopp in den Häusern ist schon seit Anfang Juli weggefallen. Jeder Bewohner kann pro Tag vier bis acht Besucher empfangen. Dabei sind die Kontakte mit Ärzten, Therapeuten oder Fußpflegern nicht inbegriffen. Bei 80 Bewohnern rechne man täglich mit 40 bis 60 Besuchen, sagt Sünderkamp, „das ist schon viel.“

Außerdem können die Bewohner auch wieder die Einrichtungen verlassen. „Eine Bewohnerin“, sagt Sünderkamp, „hat bereits bei der Erstkommunion ihres Enkelkindes mitgefeiert.“

Eine Nebenerscheinung der Schutzmaßnahmen ist, dass es auch deutlich weniger „normale“ Infektionskrankheiten gibt. Denn ein Mundschutz hilft ja nicht nur gegen Corona-Viren, sondern wirkt auch präventiv gegen normale Grippeerreger. In den Häusern geht man davon aus, dass die Vorsichtsmaßnahmen noch bis zum Frühjahr nächsten Jahres dauern werden.

Seit Anfang September gilt eine neue Coronaschutzverordnung des Kreises. Die sieht vor, dass künftig Heimbewohner und Mitarbeiter regelmäßig getestet werden. Dadurch soll die Sicherheit erhöht werden. Derzeit werden grundsätzlich neue Bewohner getestet, auch nach einem Aufenthalt im Krankenhaus.

Sünderkamp blickt nach vorne: „Wir würden uns über Schüler freuen, die uns helfen könnten.“ Auch andere freiwillige Helfer seien gerngesehen. Manchmal führe ja so eine Tätigkeit dazu, dass man sich für eine Ausbildung in der Altenpflege entscheide. Sünderkamp: „Das ist ein guter Einstieg.“

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