Ein Tag vor der Kommunalwahl
Immer mehr Wähler wählen vorher

Greven -

Briefwahl boomt - auch in Greven. Bis Freitag hatten schon 6800 Wähler die Briefwahl genutzt.

Samstag, 12.09.2020, 17:05 Uhr aktualisiert: 12.09.2020, 17:10 Uhr
Martina Barndt (zweite von links) und die Damen vom Orga-Team Wahl stehen vor der Briefwahl-Urne.
Martina Barndt (zweite von links) und die Damen vom Orga-Team Wahl stehen vor der Briefwahl-Urne. Foto: Peter Beckmann

Stimmt es eigentlich, dass Knastbrüder Tüten kleben müssen? Keine Ahnung, aber wenn es morgen Abend keine klaren Ergebnisse bei der Bürgermeister- und der Landratswahl gibt, dann können sich die Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung, die für den reibungslosen Ablauf der Kommunalwahl zuständig sind, wie diese „Knastbrüder“ fühlen. Warum? Dazu später.

Erst einmal muss ja gewählt werden. Und auch bei der Kommunalwahl ist in diesem Corona-Jahr einiges anders. So war es diesmal extrem schwer, Wahlvorstände zu finden. „Wir haben bei der Vorbereitung bewusst auf Wahlvorstände über 65 Jahre verzichtet“, erklärt Martina Barndt vom Orga-Team Wahl – Stichwort Risikogruppe.

Diese Entscheidung fiel in den Hochzeiten der Corona-Pandemie. „Wir wussten ja nicht, wie sich das alles entwickelt“, erklärt Barndt.

Aber: Irgendwie haben sie es geschafft. Und deshalb werden am Sonntag 310 Wahlhelfer aktiv sein und in den 20 Stimmbezirken und fünf Briefwahlbezirken dafür sorgen, das alles seinen rechten Gang geht.

Eine gewisse Erleichterung haben die Mitglieder der Wahlvorstände schon. Denn sie müssen keine „Schnutenpullis“ tragen, die Wähler hingegen schon. „Und Wähler sollten möglichst einen eigenen Kugelschreiber mitbringen“, sagt Stefanie Buchholz, die für das städtische Melderegister zuständig ist. Zur Not seien aber auch Kugelschreiber vorhanden, die nach Benutzung desinfiziert werden. Und natürlich dürfen nicht zu viele Wähler im Wahllokal sein. „Darauf muss einer der Helfer des Wahlvorstandes sorgen.

Tja, und dann wird gewählt. Bei der Kommunalwahl gleich vier mal. Kreistag, Landrat, Stadtrat und Bürgermeister stehen zur Wahl. Und diese Zettel landen nach der Stimmabgabe alle in einer Wahlurne. Damit das beim Zählen nicht zum Chaos führt, unterscheiden sich die jeweiligen Stimmzettel durch ihre Farbe. „Die Stimmzettel für die Bürgermeisterwahl sind hellviolett, die für den Rat hellgrau“, erzählt Martina Barndt und versichert, dass die Farben keine Bedeutung (Rat = grau) haben. „Wir mussten nur Farben finden, die sich von den Kreiswahlscheinen unterscheiden.“

Um Punkt 18 Uhr geht es dann los, werden in den Wahllokalen Stimmen gezählt. Die dem Wahlbezirk entsprechenden Briefwahlumschläge werden in die einzelnen Wahllokal geliefert. Dort sorgend dann fleißige Extra-Helfer dafür, dass die Briefe geöffnet werden – professionelle Briefschlitzer sozusagen.

Jetzt die erstaunliche Zahl: Am Freitag hatten 6800 Wähler schon die Briefwahl genutzt, bis Sonntag rechnet Barndt mit über 7000 Briefwählern.

Ab 18 Uhr wird gezittert – bei den Politikern und beim Team rund um Martina Barndt, die damit rechnet, dass alle Ergebnisse nicht vor 22 Uhr vorliegen. „Es kommt immer darauf an, ob die Zahl der ausgezählten Stimmen mit der Zahl in der Wählerliste übereinstimmt. Wenn nicht, muss noch mal gezählt werden. Denn manchmal komme es vor, dass ein Wähler den Wahlschein in die Tasche stecke – warum auch immer.

Bei der Bürgermeisterwahl und der Landratswahl gilt: Nur wenn einer der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt, muss nicht in 14 Tagen eine Stichwahl stattfinden. Gibt es eine Bürgermeisterstichwahl (Blick in die Glaskugel: Es wird eine Stichwahl geben), dann haben Martina Barndt und ihr Team die berühmte A...-Karte gezogen und können sich wie die oben genannte Knastbrüder fühlen.

Denn dann wird am Montagmorgen sofort der Druckauftrag für die Stimmzettel zur Stichwahl gegeben. 7000 davon müssen die armen Mitglieder des Team per Hand eintüten und versandfertig machen – so schnell wie eben möglich, damit die Briefwähler genug Zeit haben, innerhalb der 14 Tage wieder ihre Stimme abzugeben.

Sind nicht zu beneiden, die fleißigen Eintüter. . .

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7578518?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker