Wegekreuz Philipp Bettmann
Typhus und tödliche Blitze

Greven -

Ein markantes Kreuz. Eine vergessene Geschichte. Wir haben nachgeforscht, was es mit dem Wegdenkmal in Schmedehausen auf sich hat.

Dienstag, 15.09.2020, 17:32 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 10:00 Uhr
Umgeben von drei knorrigen Akazien befindet sich dieses Wegkreuz am westlichen Glanering.
Umgeben von drei knorrigen Akazien befindet sich dieses Wegkreuz am westlichen Glanering. Foto: Günter Benning

Zwischen drei alten, dicht beieinanderstehenden Akazien findet man auf der westlichen Seite des Glanerings in Schmedehausen ein altes, sehr eindrucksvolles Wegekreuz. Es gehört zum Hof Philipp Bettmann. Und wie so oft: Um das Kreuz ranken sich sehr persönliche Geschichten um Krankheit und Tod.

Das recht kräftig gestaltete Kreuz mit kurzen Querbalken ist an seinen Balkenenden jeweils mit drei Halbkreisen ergänzt, so wie es die typische Brabanter Kreuzform zeigt.

Am oberen Standbalken ist ein „INRI“-Band angeheftet.

Auf die Enden der Kreuzbalken ist ein Dach gesetzt, das aus schräg aufgesetzten Brettern besteht.

So wie das „INRI“-Band ist auch der Korpus des Kreuzes weiß gestrichen. Christus hat im Tode sein mit einer Dornenkrone versehenes Haupt nach rechts geneigt. Daumen, Zeige- und Mittelfinger beider Hände sind segnend ausgestreckt, die beiden anderen Finger sind in die Handfläche gelegt.

Sein faltenreiches Lendentuch, das an seiner rechten Seite geknotet ist, reicht fast bis zu den Knien. Die Füße sind nebeneinander am Kreuzbalken befestigt.

Dieses Wegekreuz ist, dem Korpus nach zu urteilen, im 19. Jahrhundert aufgestellt worden. Leider kannte die Familie Philipp Bettmann bereits in den 1980er Jahren sein genaues Aufstellungsjahr, den Aufstellungsgrund und auch die Stifter dieses Kreuzes nicht mehr.

Die Veranlassung zur Aufstellung eines Bildstocks oder Wegekreuzes gab häufig ein positives oder negatives Ereignis in der den Hof bewirtschaftenden Familie.

Vielleicht war es auch hier so. Denn Wilhelm Schenkel führt in seinem Buch „Schmedehausen“ ein solches Familienereignis an, das dem Alter des Korpus und der Akazien wohl entspricht.

„1895 erkrankte die gesamte Familie plötzlich an Unterleibstyphus, an deren Folgen die schon lange kränkelnde Ehefrau Klara Gertrud Bettmann starb.“ Die übrigen Familienmitglieder, ihr Ehemann Bernhard Heinrich und ihre vier Kinder wurden wieder gesund.

Vielleicht wurde im Zusammenhang mit dieser lebensbedrohenden Erkrankung der gesamten Familie das Wegekreuz errichtet, vielleicht als Erfüllung eines Gelübdes, vielleicht aus Dankbarkeit für die Genesung der übrigen Familienmitglieder.

Es gibt noch eine andere Erklärung für die Errichtung des Kreuzes. Sie ist uns durch die 1965 von W. Kipp durchgeführte Untersuchung von Wegekreuzen in Stadt und Landkreis Münster, zu dem Greven damals gehörte, überliefert worden. Danach soll an dieser Stelle ein Blitzschlag mehrere Schafe getötet haben, wobei der Schäfer, der sie beaufsichtigte und in ihrer Nähe stand, wunderbarerweise unverletzt geblieben sein soll.

Aus Dankbarkeit dafür soll dann dieses Kreuz errichtet worden sein.

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