Dortmunder muss wegen Nötigung 2400 Euro zahlen
A 1: Gefährliches Autorennen über 50 Kilometer

Greven/Steinfurt -

Dramatische Szenen auf der Autobahn. Gefährliche Überholmanöver bei hoher Geschwindigkeit und Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer. Das alles wurde jetzt vor dem Steinfurt Amtsgericht verhandelt.

Donnerstag, 24.09.2020, 16:09 Uhr aktualisiert: 30.09.2020, 09:08 Uhr
Dortmunder muss wegen Nötigung 2400 Euro zahlen: A 1: Gefährliches Autorennen über 50 Kilometer

Alles begann an der A1-Anschlussstelle Greven.

Ein junges Ehepaar aus Dülmen bestätigte, dass es am 7. Juli vergangenen Jahres früh abends auf der A 1 in Richtung Dortmund fuhr.

In Höhe der Anschlussstelle Greven wurde ihr VW Passat von einem weißen SUV Mercedes GLE überholt. Etwa nur zehn bis 15 Meter dahinter fuhr der schwarze Mini des Angeklagten quasi in Kolonne. „Wir fuhren etwa 160 Stundenkilometer. Die beiden waren mit Sicherheit schneller als 200“, sagten zunächst die 25 Jahre alte Beifahrerin und anschließend ihr am Steuer sitzende 34 Jahre alter Ehemann aus.

Sowohl der SUV- als auch der Mini-Fahrer überholten drei bis vier Mal rechts. Der Mercedes schaffte es, den Abstand zum Angeklagten zu vergrößern. Der Fahrer des Minis versuchte sogar, auf der Fläche zwischen Leitplanke und linker Spur zu überholen. Danach wechselte auf die rechte Spur direkt vor einem Skoda Octavia, der in die Eisen steigen musste, um nicht auf den Mini aufzufahren.

Detaillierte Aussagen von vier Zeugen überführten den Angeklagten, einen 50 Jahre alter Mann aus Dortmund. Die Anklage: Nötigung und verbotenes Kraftfahrzeugrennens. Der aus Moldawien stammende Berufskraftfahrer wurde vom Amtsgericht Steinfurt zu einer Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro verurteilt. Außerdem erhält der wegen schweren Raubes vorbestrafte Täter seinen Führerschein erst nach sechs Monaten wieder und muss die gesamten Gerichtskosten inklusive seiner Anwaltskosten bezahlen.

„Mein Mandant macht aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands von seinem Schweigerecht Gebrauch“, erklärte der Verteidigern, nachdem die Staatsanwältin die Anklageschrift vorgelesen hatte. Denn sein Klient unterziehe sich einer Chemotherapie,  beziehe aufgrund dessen Krankengeld und dürfe auch die Schutzmaske aufbehalten. Somit musste sich das Gericht allein auf die Aussagen der Zeugen verlassen.

Die Zeugenaussagen hatten es in sich. Ein Skoda-Fahrer betätigte, der Angeklagte habe ihn mit Lichthupe irritiert und ihm die „Scheibenwischer-Geste“gezeigt. Anschließend wechselte der Mini-Fahrer plötzlich wieder auf linke Spur direkt vor einen Dülmenern, der ebenfalls bremsen mussten. „Ich habe das Bremspedal so stark treten müssen, dass das Antiblockiersystem anschlug“, schilderte der 34 Jahre alte Zeuge, der , früher Gokart gefahren hat.

Auch er betätigte daraufhin die Lichthupe und wurde ebenfalls mit „Scheibenwischer-Gesten“ beleidigt. Das brachte das Fass zum Überlaufen. „Solche Verkehrsteilnehmer, die andere gefährden, gehören nicht auf die Straße“, beschwerte sich der Zeuge. Seine Ehefrau rief per Handy die Polizei an. Sie und ihr Ehemann kommunizierten per Freisprechmodus gleichzeitig mit der Leitstelle in Münster und gaben das Kennzeichen sowie die Merkmale des Fahrzeuges an.

„Die Leitstelle sagte uns, wie wir uns zu verhalten haben und versuchen sollten, so lange wie möglich den Mini zu verfolgen, ohne uns selbst in Gefahr zu begeben“, erklärte die 25 Jahre alte Zeugin. Der SUV war bereits in der Zwischenzeit über alle Berge. „Wir haben nicht den Falschen angezeigt. Das würde ich auch unter Eid aussagen“, versicherte der Passat-Fahrer.

Zwei Polizeibeamte aus Münster wurden auf den Mini-Fahrer angesetzt. Es gelang ihnen jedoch erst kurz vor der Abfahrt Bockum-Hövel, den Täter einzuholen, ihn herauszuwinken und auf einen Parkplatz zu leiten. „Ich habe mich allerdings gefragt, wie kann man mit so einem Mini ein Rennen fahren?“, meinte der 49 Jahre hinter dem Steuer sitzende Polizist.

Der Verteidiger versuchte alles, um seinen Mandanten rauszuhauen. „Wieso können sie sich noch so genau an diesen Tag erinnern?“, fragte der Anwalt den Dülmener.

„Es war unser Hochzeitstag“, antwortete der.

Trotzdem hakte der Rechtsbeistand nach. So warf er den Zeugen beispielsweise vor, das weiße Dach und die folierten Scheiben des schwarzen Minis nicht erwähnt zu haben. Darüber hinaus sei der für die Tat eigentlich unwichtige SUV mal als schwarz, grau oder weiß bezeichnet worden.

Außerdem habe es nach seiner Überzeugung keine Verabredung zu einem Rennen gegeben. „Das sind für mich viel zu viele weiße Flecken für eine Verurteilung“, stellte sich der Verteidiger sogar einen Freispruch vor. Ohne Erfolg. „Für mich sind alle Zeugenaussagen glaubwürdig“, plädierte die Staatsanwältin für eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro und Verlängerung des Führerscheinentzugs. Die Richterin war etwas milder gestimmt und verlangte 600 Euro weniger.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7600450?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker