Triosence beendet im Ballenlager halbjährige Bühnen-Abstinenz
Mitreisen und Mitträumen

Greven -

Für das Triocence war es das erste Konzert in den letzten sechs Monaten. Im Ballenlager boten die Jazzer dafür ein umso intensiveres Hörerlebnis an.

Montag, 28.09.2020, 09:33 Uhr aktualisiert: 28.09.2020, 13:43 Uhr
Triosence auf der großen Bühne des Ballenlagers.
Triosence auf der großen Bühne des Ballenlagers. Foto: Axel Engels

Seit einem halben Jahr haben die drei Musiker von Triosence nicht mehr konzertiert. Auf Einladung der Kulturinitiative waren sie am Freitag ins Ballenlager gekommen und von einer Bühnenabstinenz merkte man an diesem Abend sicherlich nichts. In einem jederzeit stimmigen musikalischen Dialog zeigten der Pianist Bernhard Schüler, der Kontrabassist Omar Rodriguez Calvo und der Schlagzeuger Tobias Schulte, dass sie sich einfach bestens verstehen.

Sie haben sich längst eine ganz eigene, facettenreiche Ausdrucksweise erarbeitet und so es war ein Genuss, wie sie selbst auf kleinste Schattierungen im Spiel des jeweiligen Partners reagierten. Stilistische Grenzen schien es für dieses Trio nicht zu geben.

Natürlich spürte man die Wurzeln von Bernhard Schüler bei Keith Jarrett, Bill Evans und Joe Zawinul, aber er hat diese Einflüsse gekonnt aufgenommen und sich zu einem ganz versierten Jazzpianisten und Komponisten entwickelt.

Mit dem aus Kuba stammenden Kontrabassisten stand ihm ein Künstler zur Seite, der in Havanna ausgebildet schon im Tingvall Trio internationale Tourneen bestritten hat und auch als Studiomusiker sehr gefragt ist.

Seine kultivierte und kreative Spielweise passte perfekt zu den Klavierimprovisationen, mischte sich eine temperamentvolle Klangfarbe in die an frühe Jarrett-Passagen erinnernde Spielweise von Bernhard Schüler.

Für den rhythmischen Grund war dann Tobias Schulte zuständig, der gleichsam mit klangmalerischen Mitteln den Trioklang bereicherte. Schon beim ersten Song „Arabian Princess“ wusste man, dass man einen grandiosen Ausflug in die musikalische Gedankenwelt eines versierten Trios erleben würde.

Dabei überließen sich die Musiker immer wieder gegenseitig Freiräume, in denen sie ihre eigenen Ideen einbringen konnten. Es war wie bei „Cruise Control“ eine Mischung aus Jazz, Fusion und World Music, die das Publikum zum Mitreisen und Mitträumen animierte. Im Strom der lyrisch-poetischen Melodien konnte man Raum und Zeit vergessen, sich einfach treiben lassen und die Musik genießen.

Da wirkte nichts akademisch kopflastig, wie man es von so vielen Jazztrios kennt. Mit kleinen Moderationen führte Bernhard Schüler in die jeweiligen Songs ein, bot einen Einblick in deren Entstehungsgeschichte.

Aber für Songs wie „Blue Lupin“ oder „Needless to say“ brauchte man keine Einführung, diese Stücke wirkten auch so in ihrer Farbigkeit und malerischen Erzählweise. Der an der renommierten Musikhochschule in Köln ausgebildete Pianist Bernhard Schüler hat sich weder als Solist noch als Komponist auf seinen früheren Erfolgen ausgeruht, sucht immer neue Herausforderungen. Mit Omar Rodriguez Calvo und Tobias Schulte hat er dabei musikalische Weggefährten von gleichem Kaliber. Gegenseitige Inspiration und gemeinsame Spielfreude waren jederzeit spürbar.

Aber Bernhard Schüler stellte seine ganze Virtuosität und ausgereifte Anschlagskultur ganz in den Dienst der Musik und entlockte dem Boston-Flügel wohldifferenzierte Melodien und facettenreiche Harmonien. Bei rhythmisch sehr anspruchsvollen „3-4 Fun“ konnte Tobias Schulte seine ganzen Qualitäten einbringen, wusste mit seinem punktgenauen Spiel die vielschichtigen Rhythmenwechsel klar umzusetzen und riss das Publikum dadurch mit. Die Eigenkompositionen von Bernhard Schüler sind wie in Musik gesetzte Geschichten, denen man an diesem Abend gerne lauschte.

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