Aktion von Biologischer Station und Naturschutzstiftung: Pflegeeinsatz mit Freiwilligen
Die Brombeerwurzel muss mit raus

Greven -

Aus der jährlichen Aktion mit freiwilligen Helfern ist schon lange eine etablierte Veranstaltung geworden.

Montag, 26.10.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 10:35 Uhr
Zahlreiche Freiwillige versammelten sich am Samstagmorgen in den Wentruper Bergen, um die Fläche von Brombeerpflanzen zu befreien.
Zahlreiche Freiwillige versammelten sich am Samstagmorgen in den Wentruper Bergen, um die Fläche von Brombeerpflanzen zu befreien. Foto: Luca Pals

Er hat einen großen Spaten in der Hand, sie bringt die Handschuhe mit. Und auch der kleine Sohnemann hat seine Schaufel parat, dicke Gummistiefel halten die Füße der drei an diesem frühen diesigen Samstagmorgen trocken. Für Dr. Peter Schwartze von der Biologischen Station des Kreises Steinfurt ist es „das beste Wetter für diese Arbeiten.“ Und auch die Grevener Familie murrt nicht – ganz im Gegenteil: Ein fester Stich in den sandigen Boden löst die Wurzeln einer Brombeerpflanze. Mit Handschuhen wird an einem Strang gezogen, langsam und beschwerlich, aber stetig wird die Pflanze aus dem Boden gezogen. Ein letzter kräftiger Zug und sie ist aus dem Erdreich befreit. Schwartze lobt: „Genau richtig. Die Brombeeren müssen mit der Wurzel getrennt werden. Dann ist es am effektivsten.“

Es ist wie Unkraut ziehen im heimischen Garten. Die Biologische Station und die Naturschutzstiftung unter der Leitung von Udo Schneiders hatten dafür reichlich Helfer. Etwa 20 Frauen, Männer und Kinder aus Greven und Umgebung waren gekommen. „So viele Helfer hatten wir noch nie, das ist sehr schön zu sehen“, stellt Schwartze fest. Die Fläche, die beackert wurde, ist eine freiliegende Dünenlandschaft im Herzen der Wentruper Berge, unweit der alten Kläranlage. Jährlich laden die Verantwortlichen zum „Brombeerziehen“ ein. Schneiders: „Wir haben einige neue und junge Helfer bekommen. Ansonsten sind wir ein fester Stamm. Für das nächste Jahr sind natürlich wieder alle Interessierten herzlich eingeladen.“

Denn dann wird wieder gearbeitet, was das Zeug hält. Schwartze gibt zwar zu: „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.“ Sagt aber auch: „Wir sehen schon Erfolg.“ Grund für die Aktion ist der Schutz von seltenen bis bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Anfang der 2000er-Jahre hatte ein Sturm die Fläche frei gelegt, 2003 hatte sich die Naturschutzstiftung gegründet, ein Jahr später kaufte sie die Fläche, die durch ihre sandigen Böden und die eindeutige Dünenlandschaft perfekte Bedingungen für bedrohte Pflanzenarten bietet. 2006 wurden die ersten Maßnahmen getroffen. Schneiders erinnert sich: „Mit einigen Baggern hoben wir die Bäume heraus, mit einer großen Siebmaschine siebten wir den Boden durch und entfernten den Holzanteil. Das ganze hatte etwa zwei Wochen gedauert.“

Aus der jährlichen Aktion mit freiwilligen Helfern ist schon lange eine etablierte Veranstaltung geworden. Schwartze: „Wir wollen gleichzeitig natürlich aufklären und die Menschen für die Natur sensibilisieren.“

Auf der Fläche gibt es aktuell zehn Rote-Liste-Pflanzenarten, Schwartze spricht daher von „einem Hotspot der Artenvielfalt“. Mit dem Sandlaufkäfer und den Sandbienen, die besonders viel Sonne brauchen und diese durch die offene Waldfläche bekommen, spricht er zwei Erfolge an. Aber auch die Besenheide, die sich an trockenen Standorten wohlfühlt und das Silbergras, welches ebenfalls bedroht ist sowie die Sandsäge, die sich schnell an offenen Sandstellen ansiedelt sind hier wohl nur deshalb zu finden, weil in den vergangenen Jahren die Fläche behutsam bearbeitet wurde. Zwischen März und Juli, in der Brutzeit vieler Tierarten, würde die Aktion nicht stattfinden. „Jetzt im Herbst ist es einfach ideal“, so Schwartze.

Ebenfalls jährlich und mit Kosten in Höhe von 2500 Euro verbunden, findet eine Aktion der Naturschutzstiftung und des Kreises statt, bei der ein Bagger die Aussetzer der Brombeeren am Rande der Fläche entfernt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7648736?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker