Ahmadiyya – eine Glaubensgemeinschaft
Verfolgt wegen ihrer Religion

Greven -

„Wir sind dankbar für alles, was wir hier haben. Uns wurde sehr viel geholfen“.

Dienstag, 03.11.2020, 12:00 Uhr
Haben in Greven ihre neue Heimat gefunden: Die Familie Ahmed aus Pakistan. Angelika Feldmann begleitet zur Unterstützung die Familie schon seit einigen Jahren.
Haben in Greven ihre neue Heimat gefunden: Die Familie Ahmed aus Pakistan. Angelika Feldmann begleitet zur Unterstützung die Familie schon seit einigen Jahren. Foto: Luca Pals

Die Familie Ahmed gehört der muslimischen Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya an. Die islamische Gemeinschaft wurde in den 1880er Jahren in Britisch-Indien gegründet. Ihre Mitglieder haben es keineswegs einfach. „Etwa 50 000 Mitglieder gibt es alleine in Deutschland“, schätzt Ali Faizan, der einzige Sohn der Familie. „die meisten von ihnen sind hierher geflohen.“

So ist es auch bei den Ahmeds, die seit November 2014 in Deutschland leben. Ihre Heimat ist Pakistan, vor Krieg und Zerstörung sind sie nicht geflohen – aber vor religiöser Verfolgung, Gewalt und Bedrohung.

Diese, so berichtet es Ali Faizan, gingen sowohl von den Sunniten und den Schiiten im Land aus. Von der pakistanischen Regierung werde sie gebilligt.

„Das betrifft sehr viele Menschen in Pakistan. Unsere Glaubensgemeinschaft ist eine Minderheit im Land“, sagt Ali Faizan. Ein Teil der Familie lebe noch in der alten Heimat, auch sie würden unter den Zuständen vor Ort leiden.

Es gebe kaum große Unterschiede in der Auslegung des Glaubens, berichtet die älteste Tochter Uswa Ahmed. Körperliche Gewalt und verbalen Drohungen gegenüber ihrem Vaters waren die Gründe der Flucht. Vater Iftkhar floh bereits 2012, zwei Jahre später holte er seine Familie nach. Bei der Wohnungs- und Berufssuche sowie der Anmeldung zum Führerscheinkurs halfen ihm ehrenamtliche Helfer der Grevener Flüchtlingshilfe.

So brauchte der Rest der Familie, als sie in Deutschland ankamen, nur noch in die Wohnung miteinziehen. Der Start war fürs erste geschafft. Aber es gab Schwierigkeiten aufgrund fehlender Sprachkenntnisse.

Nabiha Ahmed (15) erinnert sich: „Wir drei Schwestern sind jede Woche zur Gruppe für Flüchtlingskinder gegangen und haben dort nicht nur gespielt und Freundschaften geschlossen, sondern gleichzeitig auch die deutsche Sprache gelernt.“ Ali Faizan ergänzt sie: „Ich konnte schon Englisch. Das hilft in Deutschland natürlich auch.“ Die Amtssprache in Pakistan ist übrigens Urdu.

Dass die deutsche Sprache nun – sechs Jahre später – keine Probleme mehr bereitet, ist während des Gespräches zu hören. Ali Faizan steht kurz vor dem Abitur am Berufskolleg in Steinfurt. Er möchte danach studieren. Nabiha besucht die achte Klasse des Gymnasiums, Minahil geht auf die Anne-Frank Realschule und Uswa will ihren Abschluss an der Nelson-Mandela-Gesamtschule machen.

Ambitionierte Ziele haben sie alle, Deutschland würde zahlreiche Möglichkeiten bieten: „Wir sind dankbar für alles, was wir hier haben. Uns wurde sehr viel geholfen“, sagt Uswa. Ihr Blick wandert dabei – nicht unbegründet – direkt zu Angelika Feldmann.

Die Grevenerin begleitet die Familie seit ihrem Start in Deutschland, kommt regelmäßig zu Besuch und sagt: „Als die Flüchtlingswelle 2015 großes Thema war und auch in Greven viele Menschen in eine neue Stadt kamen, war für mich klar: Ich will helfen.“

Sie ergänzt: „Und es hat sich ausgezahlt. Die Familie kommt sehr gut in Deutschland zurecht – über die Jahre sind zwischen uns auch gute Freundschaften entstanden.“

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