Heute ist der Welttag der Roma-Sprache
„Wir brauchen ein Lexikon“

Grevrn -

Ramiza Berisa setzt sich für die Kultur der Roma ein. Die Grevenerin weist auf den Welttag der Roma-Sprache hin. Der ist am 5. November.

Donnerstag, 05.11.2020, 06:00 Uhr
Ramiza Berisa mit einer Ausgabe des roma-kroatischen Lexikons, an dem sie mitgearbeitet hat.
Ramiza Berisa mit einer Ausgabe des roma-kroatischen Lexikons, an dem sie mitgearbeitet hat. Foto: Günter Benning

Ramiza Berisa hat ein dickes Buch mitgebracht. Ein Lexikon, an dem die Grevenerin selbst mitgearbeitet hat: Romanes – Kroatisch. „So etwas“, sagt sie, „brauchen wir auch für die deutsche Sprache.“ Heute, am 5. November, ist Welttag der Roma-Sprache. Für Berisa ein Kernthema: Sie ist Roma.

Vertreter des Projekts EmpoR (Empowerment for Roma) hatten unlängst in Düsseldorf eine Tagung unter dem Motto „1000 Jahre Migration“. Die Roma sind ein Volk, das laut Wikipedia seit mindestens 700 Jahren in Europa lebt und ursprünglich vom indischen Subkontinent stammt.

Überall, wo sie hinzogen, blieben Roma die Minderheit, oft lebten sie am Rande der Gesellschaft. Ihre Sprache ist das indoarische Romanes. „Wir können uns alle untereinander verstehen“, sagt Ramiza Berisa, „aber im Alltag werden viele Worte aus den regionalen Sprachen gebraucht.“

Berisa stammt aus Ex-Jugoslawien, hat dort Jura studiert und kam während der Bombardierung Serbiens in den 90er Jahren nach Greven. Heute leitet sie das Grevener Büro der Aktion „EmpoR“ in Greven, die mit Mitteln der Europäischen Union vor allem Roma-Jugendliche und -Frauen fördern will.

„Früher hatte die Roma wenig Geld und wenige besuchten die Schule“, erklärt Berisa, warum unter Roma Bildung ein wichtiges Aufhol-Thema ist.

Literatur hat sich unter diesen Bedingungen kaum entwickeln können. „Es gibt einige Schriften, die sich mit persönlichen Erinnerungen befassen“, sagt Davit Berisa, der Mann der Juristin, der in Ex-Jugoslawien journalistisch tätig war. Die Kunst der Roma hat sich eher in der Musik ausgedrückt, oder heute in der Fotografie.

Was es an Lexika im deutschsprachigen Bereich gibt, ist nicht viel. Historisch belegt sind „rom“ und „romni“ im deutschen Sprachraum erstmals 1726 im Waldheimer Lexikon der „rothwelschen“ und der „zigeunerischen Sprache“, heißt es bei Wiki. „Es gibt damals ein kleines Lexikon von einem Mönch“, sagt Berisa, „von 13 Seiten.“ Er hat davon eine Kopie.

Bei der Vorbereitung des Welttags der Roma-Sprache hat Ramiza Berisa die Idee eingebracht, eine Arbeitsgruppe zu gründen, um ein neues Wörterbuch zu erstellen, mithilfe von Linguisten beider Sprachen. Damit könne sichergestellt werden, dass die Sprache der Roma im deutschsprachigen Raum qualifiziert vermittelt werden könne.

Der Welttag der Roma-Sprache wird seit 2010 international begangen. Er verdankt sich der Initiative des kroatischen Verbandes der Roma-Vereine Kalisara und der Akademie der Künste. In Zagreb findet seither jedes Jahr ein wissenschaftliches Symposium mit Linguisten und Kulturwissenschaftlern statt.

Sprechen Jugendliche in Deutschland noch Romanes? „Ja“, sagt Ramiza Berisa, „sie sprechen zuhause Romanes und Deutsch.“ Im Kosovo musste früher jeder Serbisch und Albanisch lernen, sagt sie, neben der Romasprache: „Das war damals Pflicht, „daran sind wir gewöhnt.“

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