Jugendliche aus Greven verkleiden sich nicht nur an Halloween
Mit Theaterschminke und Kunstblut

Greven -

Cosplay bedeutet „Costum Play“ - also Kostümspiel - und ist ein eher unbekanntes Hobby.

Freitag, 06.11.2020, 10:30 Uhr
Die Cosplayer aus Greven und Warendorf bei einem Besuch in Münster: Mishell, Marie, Emmely, Lea und die Autorin dieses Berichts, Rebecca.
Die Cosplayer aus Greven und Warendorf bei einem Besuch in Münster: Mishell, Marie, Emmely, Lea und die Autorin dieses Berichts, Rebecca. Foto: Rebecca Tumbrink

Mishells Gesicht sieht gruselig aus. Lila Brandnarben am Kinn und unter den Augen. Auch die Arme der 15-Jährigen sind vermackelt. Zwei Stunden hat sie daran gearbeitet. Latex aufs Kinn, Bodypaintfarbe auf die Wangen – ein echtes Gesichtskunstwerk. Mit dem fuhr sie am Wochenende mit ihren Cosplay-Freunden nach Münster. Aber richtig schockieren konnte sie dort nicht: Die ganze Theaterschminke verschwand hinter ihrer Corona-Maske.

Mishell ist Cosplayerin aus Greven. Cosplay bedeutet „Costum Play“ – also Kostümspiel – und ist ein eher unbekanntes Hobby, deren Anhänger sich als Charakter aus Filmen, Serien oder Spielen verkleiden.

Am Wochenende haben die Grevener Cosplayer sich entschieden, als Charaktere aus dem japanischem Anime „Boku no hero academia“ aufzutreten.

So sitzt die Gruppe im Zug und wird von den Blicken fremder Leute gelöchert, denn die Cosplays – das sind die Kostüme – sind alles, außer gewöhnlich.

Die Zugreisenden tragen Perücken und Kleidung, die ihre Charaktere auch tragen würden. Lederjacken oder schwere Boots, aufwändiges Make-Up, das aus Latex, Kunstblut und Bodypaint besteht, eine Nasschminke, mit der man den ganzen Körper anmalen kann.

Teilweise haben sie farbige Kontaktlinsen in den Augen. Die Artikel werden größtenteils im Internet bestellt, um den ausgewählten Charakteren möglichst ähnlich zu sehen. So kommt es, dass Rebecca hell blaue Haare und mit Latex geschminkte Falten an Hals und Augen hat, um wie der Charakter Shigaraki auszusehen. Und Marie zieren knallrote Haare und rote Augen, so wie der Charakter Kirishima.

„Das Schöne am Cosplay ist“, findete Rebecca, „dass man seiner Fantasie freien Lauf lassen kann, ohne verurteilt zu werden.“ Das heißt, die Kostüme müssen nicht zwangsläufig originalgetreu aussehen, sondern so sein, wie man sie haben möchte. Akzeptanz wird groß geschrieben.

Am Bahnhof in Münster ist die Freude groß, als die Grevener ihre Cosplay-Freunde aus Warendorf entdecken.

Weil das Hobby vor allem auf Social Media Plattformen wie Instagram oder Tik Tok gepflegt wird, lernen Cosplayer viele Freunde über das Internet kennen, so wie die Mitglieder der Warendorfer Gruppe, die nicht „mal eben um die Ecke“ wohnen. Cosplayer besuchen sich gegenseitig. Wenn sie alle beisammen sind, werden vor allem Fotos und Videos für ihre Social Media Kanäle gemacht, denn sie wollen, dass ihre Kostüme auch gesehen werden und die ganze Mühe nicht umsonst war. Allein das Schminken dauert manchmal über zwei Stunden.

Oft sitzen die Freunde aber auch einfach nur auf einer Wiese, hören Musik und genießen die Zeit. Ein besonderes Highlight für Cosplayer ist es, wenn die Gruppe von Fremden angesprochen wird, weil ihre Kostüme erkannt wurden.

Der Abschied am Abend fällt schwer. Wegen Corona kann keiner sagen, wann die Cosplayer sich das nächste Mal wieder treffen können.

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