Musiker Oliver Asche über Beschränkungen durch die Corona-Krise
„Menschen gieren nach Kultur“

Greven -

Keine Kirmes, ergo kein Konzert der „Kick Band“. In diesem Jahr hatte Oliver Asche keinen Auftritt mit dieser Formation. Und mit „Caprice“ auch nur einen. Nun bringt der November-Lockdown die nächste Zwangspause. Asche fürchtet, dass es in der Kulturszene still wird.

Sonntag, 08.11.2020, 15:59 Uhr
Da war noch alles okay: Oliver Asche am Schlagzeug bei einem Auftritt
Da war noch alles okay: Oliver Asche am Schlagzeug bei einem Auftritt

Keine Kirmes, ergo kein Konzert der „Kick Band“. In diesem Jahr hatte Schlagzeuger Oliver Asche keinen einzigen Auftritt mit dieser Formation. Und mit „Caprice“ auch nur einen, im Sommer am Beach, mit Hygienekonzept.

Nun bringt der November-Lockdown die nächste Zwangspause. Musiker Oliver Asche fürchtet, dass es in der Kulturszene still wird. Nicht nur im November, sondern darüber hinaus. „Lokale könnten als Auftrittsmöglichkeiten wegfallen“, sagt er. Seine Sorge: dass manche Gastronomen die Krise nicht überleben. Und auch für Veranstaltungstechniker werde es immer enger. „Und wenn keiner für Beleuchtung und Sound sorgen kann, kann auch die Band nicht auftreten“, sagt Asche. In seinem Umfeld kennt er Bands, „die sich schon aufgelöst haben“. Und er kennt Profi-Musiker, die mangels Alternative als Paketbote oder als Küchenhilfe angeheuert haben. Manche behelfen sich, indem sie Online-Musikunterricht anbieten. Denn von Live-Auftritten leben kann man im Moment nur schwerlich.

Oliver Asche muss das zum Glück nicht, er ist „nur“ nebenberuflich Musiker. Aber auch ihm fehlen die Auftritte. „Mir persönlich fehlt das total: die Interaktion mit dem Publikum. Die Reaktionen, der Applaus – das fällt komplett weg.“ Als Künstler auf der Bühne zu stehen sei eine ganz besondere Erfahrung – eben das nun nicht zu dürfen, leider auch. Ähnliches gelte nach seiner Einschätzung auch für das Publikum. „Die Menschen gieren nach Musik, Kultur und Ablenkung.“ Er fürchte, dass die Einschränkungen, die hinter uns allen liegen, und die, die noch kommen, aufs Gemüt schlagen, dass die Zahl der Menschen, die mit Depressionen zu tun haben, steigen wird.

Auch wenn Teilzeit-Musiker Asche selbst nicht so hart getroffen ist, so kennt er doch die Szene, hat Kontakt zu Profis und kennt ihre Sorgen. Und er teilt die Einschätzung, dass die Probleme der Kulturbranche zu wenig Beachtung finden. Oliver Assche teilte daher bei Facebook ein Video von Trompeter Till Brönner, in dem dieser beklagte, den Konzernen würden „Milliarden in den Vorgarten gekippt“, während die Kulturbranche schlicht ignoriert werde. „Genau meine Meinung“, bekräftigt Asche. Seine Forderung an die Politik: mehr und vor allem unbürokratischere Hilfe für Veranstalter. Auch Technikern müsse unter die Arme gegriffen werden. „Viele Veranstaltungstechniker haben seit acht Monaten keine Einnahmen. Die haben auch Familien . . .“

Und für die Künstler wünscht er sich etwas mehr Freiraum. Das Caprice-Konzert am Beach habe unter strengen Auflagen stattgefunden, alles habe gut funktioniert. „Es hätte dieses Jahr durchaus mehr passieren können“, sagt der Schlagzeuger rückblickend. Die Veranstalter hätten gute Konzepte, die angemessen und praktikabel seien. „Das erschließt sich mir nicht, warum man jetzt alles herunterfährt.“ Damit meint er vor allem Kultureinrichtungen und die Gastronomie. Dass die Lokale nun wieder schließen müssten, halte er für „total übertrieben.“ Zumal andere Läden und Einrichtungen geöffnet bleiben. „Entweder alle oder keiner.“ Asche will nicht falsch verstanden werden, natürlich will auch er, dass Corona besiegt wird. Gerade er, der Dialyse-Patient, der zur Risikogruppe gehört, wünscht sich ein Ende der Pandemie. Er will schützen und geschützt werden. Masken zu nutzen und Abstand zu halten sei daher nötig und sinnvoll. Er wirbt daher dafür, vor allem auf diese Mittel zu setzen.

Oliver Asche macht seit über 35 Jahren Musik. Hauptsächlich spielt er Schlagzeug, aber auch Gitarre, Bass, Keyboard und natürlich Gesang sind ihm vertraut. Für ihn ist Musik ein bedeutender Teil des Lebens. Gerade in schwierigen Phasen. Nach Krankenhausaufenthalten etwa „war es mir immer wichtig, schnell wieder an die Musik zu kommen.“

Natürlich lässt er auch jetzt die Instrumente nicht einfach stehen. „Bei Caprice proben wir online. Alle Instrumente laufen über ein Pult. Das funktioniert ganz hervorragend.“ Allerdings werde dabei nur die reine Audio-Spur übertragen. „Es ist schon merkwürdig, die anderen nicht zu sehen. Das fühlt sich komisch an.“ Aber natürlich immer noch besser, als ganz auf die Proben verzichten zu müssen. Denn es gehe auch darum, „spielbereit“ zu sein, wenn die Musiker wieder auf die Bühnen dürfen. Asche hofft auf das Frühjahr . . .

 

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