Umgebaut vor 60 Jahren: Das Kaiserliche Postamt Greven
Amtsstube im Hochparterre

Greven -

Das ehemalige Postgebäude an der Alten Münsterstraße, in der aktuell der Heimatverein untergebracht ist, wurde 1905 fertig gestellt. Hier die Geschichte des Gebäudes.

Freitag, 27.11.2020, 18:02 Uhr aktualisiert: 27.11.2020, 18:10 Uhr
Diese Aufnahme aus den Anfangsjahren des Gebäudes zeigt das Kaiserliche Postamt mit seinen architektonischen Besonderheiten. In den Obergeschossen waren Wohnungen.
Diese Aufnahme aus den Anfangsjahren des Gebäudes zeigt das Kaiserliche Postamt mit seinen architektonischen Besonderheiten. In den Obergeschossen waren Wohnungen. Foto: Heimatverein Greven

Für den Bau des Kaiserlichen Postamtes (Münsterstraße 8) auf dem ursprünglichen Grund des Colon Frede wurde am 26. Februar 1904 die Baugenehmigung erteilt. Im Jahre 1905 konnte das Postgebäude fertig gestellt werden.

Der Eingang zum Gebäude befand sich auf seiner Südseite, zu betreten war es von der Münsterstraße aus. Es war eine eindrucksvolle Treppenanlage, über die man die öffentlichen Räume und die Wohnungen in den Obergeschossen erreichte. Auf der Südseite des kleinen Vorbaus gab es sogar ein großes Rundbogen-Fenster, darüber erhob sich ein eckiger Ziergiebel.

Das Postgebäude hatte zur Münsterstraße hin große Fenster mit Rundbögen. Nur im ersten Stockwerk waren eckige Fenster eingebaut. Darüber im Dachbereich, wo sich ebenfalls Wohnungen befanden, und im zur Münsterstraße gerichteten Ziergiebel, befanden sich Fenster mit Rundbögen.

Die Post-Schalter für das Publikum befanden sich im Hochparterre. Darüber wurde auf der linken Außenseite des Gebäudes mit großer Schrift auf die Aufgabe des Gebäudes hingewiesen: Kaiserliches Postamt.

In den Jahren 1959/60 wurde das Gebäude innen und außen für 650 000 Mark völlig umgebaut, es war danach oberhalb des Kellers beinahe ein Neubau. Ende März 1960 konnte die Neueröffnung des Postgebäudes gefeiert werden. Alle Fenster waren jetzt einheitlich rechteckig, das Gebäude entsprach in seinem Äußeren der damaligen Zeit. Die WN titelte am 26. März 1960: „Grevens Post ein Schmuckstück“.

Ende März wurde der Neubau seiner Bestimmung übergeben. Carl Schumacher schrieb, es sei „hier ein Bauwerk entstanden, das sowohl durch seine gediegene Ausführung als auch durch die Zweckmäßigkeit seiner Raumzuordnung gefällt.“

Der große Treppenaufgang samt Vorgebäude an der Südseite des Gebäudes war entfernt worden. Die Bewohner erreichten nun den Treppenaufgang zu ihren Wohnungen durch eine biedere Tür, über der viele Jahre anstelle des Schriftzuges „Kaiserliches Postamt“ ein stilisierter Adler hing.

Der Zugang der Kunden zur Post erfolgte jetzt von der Fredenstiege aus. Über dem neuen Eingang an der Nordwand war 1959 ein Sgrafitto („Kratzmalerei“: Linien und Flächen sind in verschiedenfarbigen Flächen übereinandergelegt) erstellt worden. Es zeigte Spinnerin und Schäfer – Bauernstand und Industrie – dazu eine Taube als Symbol der Nachrichtenübermittlung. Erstellt wurde es durch Carl Baumann (Hagen 1912-1996) im Rahmen der Aktion „Kunst am Bau“. Heute ist es wegen eines späteren Fenstereinbaus nur noch zum Teil zu erkennen.

Eine innen liegende Treppe führte damals zunächst in den Raum mit den Postfächern. Daneben links, zur Münsterstraße hin, befand sich der Postschalter-Raum. Hier gab es auch eine große Durchreiche zum Paket-Raum.

Westlich in Richtung des Gertrudenstifts war hinter dem Postamt ein zweigeschossiges Gebäude für die Paketanlieferung und das neue telefonische „Knotenamt“ gebaut worden. Nun gab es in Greven auch vierstellige Telefonnummern. Außerdem wurden in diesem Haus eine große Werkstatt und ein Lager der Post eingerichtet. Dieses Gebäude wird noch heute von der Post genutzt.

Ende der 1990er Jahre wurde das zentrale Postamt schließlich zugunsten kleiner Post-Abteilungen in bestehenden Geschäften der verschiedenen Stadtteile geopfert, um so „näher am Kunden“ zu sein. Deshalb wurde das Postgebäude im Jahre 1998 an Hubert und Winfried Hermsen verkauft.

Im ehemals öffentlichen Bereich wurde im Jahre 2000 durch den Verein „Museum an der Ems“ die Ausstellung „50 Jahre Stadt Greven“ gezeigt. Dazu hatte die Stadt die Räume von April bis Ende Dezember 2000 gemietet. Der Versuch des Vereins, hier auf Dauer ein Stadtmuseum einzurichten, misslang wegen des politischen Desinteresses.

Seit dem Januar 2013 verfügt hier der Heimatverein Greven über Arbeits-, Versammlungs- und Veranstaltungsräume für den Verein und seine Arbeitskreise.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7698105?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686824%2F
Nachrichten-Ticker