Für Outdoor-Reiseveranstalter aus Greven brachte Corona tiefe Einbußen
„Rucksack“ schließt seinen Laden

Greven -

Zum Jahresende gibt Rucksack-Reisen das Geschäft auf, in dem alles begann. Stephan Grimoni: „Wir haben schon seit dem Sommer keine neue Ware mehr bestellt.“

Sonntag, 06.12.2020, 08:02 Uhr aktualisiert: 06.12.2020, 08:10 Uhr
Stephan Grimoni, einer der Geschäftsführer von Rucksack
Stephan Grimoni, einer der Geschäftsführer von Rucksack Foto: Günter Benning

Der Laden hat Geschichte. 1985 gründete Hermann Mahlow an der Saerbecker Straße das Ausrüstungsgeschäft „Rucksack“. Der Outdoor-Fan, der zuvor jahrelang in der Industrie gearbeitet hatte, bot zunähst auf der Werse und der Ems die ersten geführten und ungeführten Kanu-Touren an. Zum Jahresende gibt Rucksack-Reisen jetzt das Geschäft auf, in dem alles begann.

Stephan Grimoni steht zwischen den Rucksäcken, Schweizer Messern, Wanderschuhen, Outdoorjacken: „Wir haben schon seit dem Sommer keine neue Ware mehr bestellt.“

Kanu-Experte Grimoni ist einer der drei Geschäftsführer des alternativen Reiseveranstalters. Hermann und Margaret Mahlow, beide weit über 70, firmieren noch als Seniorchefs und Eigentümer. Aber in diesem Corona-Jahr haben sie sich weitgehend aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen.

„Der Laden“, sagt Grimoni, „ist seit vielen Jahren nicht mehr das Standbein der Firma.“

Während des Sommers haben die Mitarbeiter von Rucksack hier bereits ihre Schreibtische aufgestellt. Hier saßen die Ansprechpartner für die lokalen Kanukunden.

Hinter den beiden Firmen Rucksack und Rucksack-Reisen liegen schwierige Jahre. 2018 machte ihnen die Trockenheit zu schaffen. Die Ems war schlecht zu befahren. In Schweden, wo die Grevener drei Kanustationen und Übernachtungsmöglichkeiten haben, durfte im Außenbereich nicht gezündelt werden. Essen vom Lagerfeuer – damit war Schluss.

2020 schlug Corona ins Kontor. „Ein sehr komisches Jahr“, sagt Stephan Grimoni, dem allerdings nicht zum Lachen ist. Zwar lief ab Mitte Mai das Geschäft mit den Kanufahrten aus Ems und Werse „ziemlich gut“. Es habe ein großes Interesse von Individualreisenden gegeben, die nicht in den gewohnten Urlaub gefahren seien.

Auf der anderen Seite brach das wichtige Geschäft mit Gruppen weg: Keine Schulklassen, keine Betriebsausflüge. „Komplett weg.“

Weil bis August auch für Schweden eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes galt, schwankte auch das Schwedengeschäft. Pauschalreisen dorthin ließen sich nicht verkaufen, denn im Krankheitsfall wäre keine Versicherung eingesprungen. „Ein bisschen haben wir das aufgefangen, indem wir schwedische Gäste aufgenommen haben“, sagt Grimoni. Aber erstens gebe es nicht so viele Schweden. Und zweitens „geht der Schweden vor die Tür, wenn er in den Wald will.“

Und um das Elend rund zu machen, ist auch die traditionelle Wintersaison gestrichen. Die beliebten Outdoor--Touren auf Ski und mit Hundeschlitten finden nicht statt. „Die Krachertermine waren immer Weihnachten und Silvester“, sagt der Geschäftsführer.

Für die 19 festen Mitarbeiter von Rucksackreisen, deren Büros sich in Münster an der Sudmühle befinden, hat das in diesem Jahr Kurzarbeit bedeutet.

Auch in Greven wurde umstrukturiert. So hat Rucksack-Reisen das Kanulager und seine Büros an der Schöneflieth aufgegeben und ist mit dem kompletten Material auf den ehemaligen Fiege-Hof an der Hüttruper Straße gezogen. „Dort gibt es mehr Platz im Außenbereich“, erklärt Grimoni.

Wie es weitergeht? „Ich persönlich gehe davon aus, dass im Verlauf der nächsten Monate eine Lösung gefunden wird. Viele Verbände und Lobbyorganisationen arbeiten daran“, ist Grimoni überzeugt. Man müsse ein System mit Coronatests einführen, „dann braucht man europaweit eine Lösung.“

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