Blockade des Aldi-Zentrallagers
Ziel erreicht – aber Skepsis bleibt

Greven -

Die ganze Nacht lang haben protestierende Landwirte die Zufahrt zum Zentrallager von Aldi in Greven blockiert. Am Morgen wurde die Blockade aufgelöst.

Dienstag, 08.12.2020, 11:32 Uhr aktualisiert: 08.12.2020, 12:34 Uhr
Nach zähen Stunden lösten die Landwirte die Blockade wieder auf, die wartenden Lkw-Fahrer konnten Aldi wieder ansteuern und das Gelände auch wieder verlassen.
Nach zähen Stunden lösten die Landwirte die Blockade wieder auf, die wartenden Lkw-Fahrer konnten Aldi wieder ansteuern und das Gelände auch wieder verlassen. Foto: Oliver Hengst

Gegen 9.30 Uhr am Morgen stellte sich endlich ein wenig Entspannung ein, nach einer langen, kalten Nacht. Die Landwirte hatten ihr Minimalziel erreicht, lösten die Blockade auf und machten somit die Zufahrt zum Aldi-Zentrallager am Up‘n Nien Esch wieder frei. Lkw-Fahrer, die rein wollten, hatten am Straßenrand, auf dem Raiffeisen-Areal und an der Tankstelle auf diesen Moment gewartet. Zeitweise ging nichts in der Straße, die Polizei flankierte die Aktion mit einigen Einsatzwagen.

Bis zu 250 Landwirte hatten seit Montagabend vor Aldi ausgeharrt, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen . 50 weitere standen als Ablösung bereit, mussten aber letztlich nicht losfahren. Denn am Dienstagmorgen sicherte Aldi den Landwirten schriftlich zu, sich an Gesprächsrunden am Donnerstag und Freitag dieser Woche zu beteiligen. Die Landwirte waren damit erstmal zufrieden. „Das hat lange gedauert“, sagte Jürgen Beselbecke aus Damme.

Die Skepsis aber ist weiter groß. Man erwarte nun am Runden Tisch konkrete Zugeständnisse. „Sonst kommen wir wieder“, betonte Daniel Elling aus Vreden.

Die Landwirte hatten sich mit ihren Treckern aus dem ganzen Münsterland und aus dem Osnabrücker Land auf den Weg nach Greven gemacht, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. „Wir wollen eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Wir sind am Ende“, betonte Beselbecke. Den Landwirten setze nicht nur die Corona-Krise zu (unter anderem durch eine nachlassende Lebensmittel-Nachfrage der Gastronomie), sondern auch die afrikanische Schweinegrippe und eine komplizierte Weltmarkt-Lage. „Wir brauchen eine langfristige Lösung“, sagte Beselbecke, der sich genau wie seine Berufskollegen nicht mehr mit Lippenbekenntnissen zufrieden geben mag. Auch die Politik sei gefordert. Neben einer faireren Bezahlung brauche es ein „vernünftiges Nachhaltigkeitskonzept“.

Es geht nicht nur, aber natürlich auch um Geld. „Was mich stört: Man hat den Eindruck, dass Lebensmittel regelrecht verramscht werden“, ärgert sich ein Landwirt, der aus Rheine angereist war. Von daher setze man sich dafür ein, dass die Landwirte eine faire Bezahlung bekommen – weil sie sonst schlicht nicht von den Erlösen leben könnten. Und auch, weil es letztlich um die Wertschätzung der Arbeit gehe, die in der Landwirtschaft geleistet werde. Viele Bauen, daran ließen sie an diesem Morgen keinen Zweifel, stehen mit dem Rücken zur Wand, sind gar akut in ihrer Existenz bedroht.

Das sind Bedingungen, die ein nachhaltiges Wirtschaften nicht möglich machen, betont Daniel Elling. „Über 20, 30 Jahre hat man die Preisschraube immer weiter angezogen.“ Zugleich würden die Landwirte mit Forderungen überzogen, wie sie ihre Arbeit zu machen hätten. Die ausufernde Bürokratie komme hinzu. Der Wunsch vieler Verbraucher, Top-Qualität in Bio-Qualität zum Discounter-Preis zu bekommen, lasse sich so nur schwer erfüllen.

Dass die Landwirte Aldi in Greven ansteuerten, hat einen einfachen Grund, wie Jürgen Beselbecke erläutert: Die anderen Großen der Branche hätten sich bewegt, Aldi dagegen habe sich lange gesperrt.

In den nun zugesagten Gesprächen sollte es nach seiner Einschätzung auch um ein Label gehen, das Lebensmittel aus deutscher Produktion kennzeichne. Dafür, davon ist er überzeugt, würden Verbraucher dann auch etwas mehr zahlen. Man könne nicht immer Qualität fordern, aber dann billigen Waren aus dem Ausland den Vorzug gebe, wo es „weniger hohe Standards“ gebe.

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