Evangelische Gemeinde spielt auf dem Kirchplatz
Die andere Weihnachtsgeschichte

Kein Weihnachten ohne die Weihnachtsgeschichte. In der evangelischen Gemeinde werden an Heiligabend und den Weihnachtstagen keine Gottesdienste stattfinden. Rund um die Reckenfelder Erlöserkirche sollte es stattdessen einen Gang zu den Stationen der Krippengeschichte geben. Da auch dies derzeit nicht möglich ist, haben Mitglieder der Kirchengemeinde die Geschichte in Bildern nachgestellt und mit ihren eigenen Worten neu erzählt.

Donnerstag, 24.12.2020, 11:58 Uhr
Hirten
Hirten Foto: Gesine Schauerte

 

 

 

Unterwegs

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

 

Es begab sich aber, dass eine Pandemie über die Welt kam, und diese Pandemie namens Corona erwies sich als eine Zerreißprobe für alle Teile der Gesellschaft. Und der Riss zog sich mitten durch die Herzen der Menschen.

Und als alle Versuche gescheitert waren, dem Virus durch möglichst moderate Einschränkungen Einhalt zu gebieten, ging von den Regierenden das Gebot eines „Lockdowns“ aus. Und jedermann solle zuhause bleiben, eine jegliche in ihren vier Wänden. Und Weihnachten fand ganz anders statt.

 

 

 

Wege suchen

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Da machten sich auf einige Mitarbeitende der evangelischen Kirchengemeinde Greven-Reckenfeld, um Weihnachtsfreude zu wecken bei den Menschen, die nicht zu ihren Familien reisen und in diesem Jahr Weihnachten nicht in der Kirche feiern können.

 

 

Verschlossene Türen

Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe. Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

 

Verschlossene Türen sind wohl ein Inbegriff schmerzhafter Erfahrungen. Stell dir vor, es ist Weihnachten, und wir dürfen nicht hin! Da gibt es nicht wenige Menschen, die tief enttäuscht sind von ihrer Kirche, weil die Gottesdienste abgesagt wurden.

Muss Kirche nicht gerade in Krisenzeiten Licht, Trost und Segen spenden, Frieden und Weihnachtsfreude verkünden? Wann, wenn nicht jetzt wäre das wichtig?

Andere sagen: Dem Virus ist doch egal, was dir am wichtigsten ist! Das nutzt einfach jedes Türchen, das sich bietet. Auch das Kirchentürchen.

Noch nie war es klug, Wissenschaft gegen Religion auszuspielen: Religion, die Lückenbüßer für (noch) nicht Erklärbares ist, wäre bloß überflüssiger Aberglaube. Ebenso Aberglaube wäre es aber, zu meinen, dass Gott nur in die Kirche kommt, dass er nur an diesen einen Ort gebunden wäre oder nur an diese eine Weise, Weihnachten zu feiern!

Die Weihnachtsgeschichte erzählt es immer wieder: Gott kommt gerade an die Orte und in die Situationen, in denen wir Ihn am Allerwenigsten erwarten. Zum Beispiel zu den Hirten auf dem Feld.

 

 

 

Hirten sind da

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

 

Hier stehen Mitarbeitende aus der Kirchengemeinde. So richtig glücklich sehen sie nicht aus, da am Feuer, das nicht wärmen will. Denn ihnen allen fehlt das Allerwichtigste zu Weihnachten: Sie! Die Menschen, die Weihnachten etwas von Gott, seinem Sohn und seiner Kirche für ihr Leben erhoffen!

 

 

 

Furcht und Hoffnung

Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie: Und sie fürchteten sich sehr.

 

Keine und keiner von ihnen hat sich die schmerzhafte Entscheidung leicht gemacht, auf Gottesdienste zu verzichten in dieser von Enttäuschung, Erschöpfung, Sorgen und Trauer verdunkelten Zeit, in der sich Menschen nach Klarheit und innerem Frieden sehnen.

Und der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Weil Gott in die Welt und zu den Menschen kommt, wird es Weihnachten – auch in diesem Jahr! Diese zeitlose Botschaft mag anachronistisch wirken, vielleicht sogar ignorant für Menschen, die jetzt am Limit der systemischen und persönlichen Ressourcen „keine Zeit für sowas“ haben. Trotzdem hat Gott Zeit für uns. In den letzten 2000 Jahren hat Er immer wieder, immer neu seinen Sohn in unsere Weihnachtskrippen gelegt. Hat sich selbst klein und und verletzlich gemacht, um in unsere Herzen Frieden zu bringen. In diesen 2000 Jahren haben Menschen auch zu Weihnachten Katastrophen und Seuchen, Gefahren und Kriege erlebt.

Gottes Zusage aber gilt über all diese Zeiten hinweg: In dieser Krippe, die Er uns bereitet, haben alle unsere Sorgen und Zweifel ihren Raum. Weil Gott sich verletzlich macht und uns näherkommt, als wir selbst uns je nahe sein können, können wir Frieden und Halt finden in der Botschaft von Weihnachten, auch – und gerade! – in diesem Jahr.

 

 

Engelszungen

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

 

Gott ist da. Mitten unter uns. Und lädt uns ein, diese Tür zu durchschreiten. Nicht vor dem Stall stehenzubleiben, sondern einzutreten, die große Freude, die allem Volk widerfahren ist, mitzuerleben, und sich dann – wie die Hirten – auf den Weg zu machen. Und dann das Leben mit anderen Augen sehen. Mit den Augen des Friedens, mit den Augen der Liebe.

 

Mitwirkende

An dieser Geschichte haben mitgewirkt: Hans-Jürgen und Viktoria Bläsius, Gudrun Bamberg und Uwe Völkel, Ingrid Erling, Ines und Tim Wellenbrock, Gesine Schauerte, Magdalena Schauerte

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