Langjähriger Ratsherr Theo Große-Wöstmann
Kommunikativ und fußballverrückt

Gimbte -

Theo Große-Wöstmann ist jetzt zweiter ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Greven. „Und das ist für mich wirklich eine ehrenvolle Aufgabe“, sagt der 73-Jährige. Der Ratsherr ist fasziniert von Lokalpolitik – weil die Ergebnisse sichtbar sind und weil man etwas bewegen kann.

Montag, 11.01.2021, 08:48 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 09:49 Uhr
Theo Große-Wöstmann ist ein geselliger Typ und leibt den Fußballverein Blau-Gelb Gimbte, den er zusammen mit Conny Lanfer gegründet hatte über alles.
Theo Große-Wöstmann ist ein geselliger Typ und leibt den Fußballverein Blau-Gelb Gimbte, den er zusammen mit Conny Lanfer gegründet hatte über alles. Foto: Ulrich Schaper

In Gimbte – da kennt ihn jeder. Theo Große-Wöstmann ist dort bekannt wie der berühmte bunte Hund. Und das, obwohl er ja eigentlich kein Gebürtiger ist. Denn aufgewachsen ist er auf einem Bauernhof in Rinkerode. Und eigentlich sollte er sogar Priester werden. Aber: Daraus wurde nichts. Dafür ist etwas anderes wahr geworden. Theo Große-Wöstmann ist jetzt zweiter ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Greven. „Und das ist für mich wirklich eine ehrenvolle Aufgabe“, sagt der 73-Jährige.

Doch zurück nach Rinkerode. Theo lebte mit den Eltern und den zwei Geschwistern dort auf einem Bauernhof. „Und eines der Kinder musste nun mal für die Kirche da sein, das war früher so.“ Die Mutter hatte Theo ausgeguckt, fortan besuchte er ein altsprachliches Gymnasium. „Aber da fühlte ich mich überhaupt nicht wohl, das war zu streng, zu autoritär“, erinnert sich Große-Wöstmann. Und so brach er die Schullaufbahn vorerst ab.

Nach dem frühen Tod der Mutter wurde der Fußballverein in Rinkerode seine Ersatzfamilie. „Fußball war und ist mein größtes Hobby.“ Die Eltern seiner Mitspieler kümmerten sich auch um Theo und überredeten ihn sein Abitur nachzumachen. Er besuchte erfolgreich das Abendgymnasium und studierte anschließend in Münster Geschichte, Deutsch und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Dort lernte er dann auch seinen Freund Conny Lanfer kennen – und der kam aus Gimbte.

Theo Große-Wöstmann gründete zusammen mit ihm den Fußballverein Blau-Gelb Gimbte, spielte selbst zwölf Jahre als Torwart in der ersten Mannschaft, trainierte die Jugend und war 17 Jahre lang zusammen mit Siggi Siemon als Vorsitzenden dessen Stellvertreter. „Damals habe ich gelernt, dass man auch mit Menschen, die eine andere politische Überzeugung haben, freundschaftlich verbunden sein kann“, erinnert er sich an die Zeit.

Währenddessen wurde Theo Große-Wöstmann Lehrer bei der Kreishandwerkerschaft und war für die berufliche Ausbildung zuständig. Und da unterrichtete er auch junge Menschen, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens aufwachsen. „Es ist mir sehr wichtig mit Menschen, auch eben mit solchen Menschen zu tun zu haben“, sagt er und versichert: „Das war ein sehr befriedigender Beruf.“

Mit Lanfer zusammen übernahm er einen Bauernhof in Spuckweite zum Fußballplatz. Dort lebt er mit seiner Frau, seinem Sohn und seiner Pflegetochter und zwei weiteren Familien immer noch.

Der Sportverein ist und bleibt seine Herzensangelegenheit. Aber: 1990 wurde auch die Politik ein wichtiger Bestandteil in seinem Leben. Da gründete er mit anderen Mitstreitern zusammen den SPD-Ortsverein Gimbte. „Dass es die SPD wird, war klar, schließlich waren Willy Brandt und im Lokalen Hubert Binder meine Vorbilder“, erklärt er. Letzterer habe ihm schwer imponiert. „Hubert Binder war ein Bürgermeister wie ich ihn mir immer vorgestellt habe.“ Der habe mit jedem geredet ohne Ansehen der Person, andersherum kannte ihn auch jeder. „Das war mir sehr wesensnah.“

Schließlich zog er auch in den Rat ein, wann genau weiß er schon gar nicht mehr. „Ratsherr bin ich jedenfalls schon sehr lange.“ Und es ist die Lokalpolitik, die in fasziniert. „In der Lokalpolitik kann man Ergebnisse sehen, da kann man was bewegen. Ein weiterer Grund: „Parteizugehörigkeit spielt in der Lokalpolitik nicht die übergeordnete Rolle, es geht mehr um gute Ideen, die dann gemeinsam umgesetzt werden.“

Und dann ist da jetzt das neue Ehrenamt. „Das ist für mich ein großer Vertrauensbeweis und eine ehrenvolle Aufgabe“, sagt er und freut sich schon jetzt auf die vielen Gespräche mit Jubilaren, Vereinsvertretern und den vielen anderen. „Ich unterhalte mich einfach gerne mit Menschen.“

Zeit für die fünf Enkel, die Nordsee, wo die Familie einen festen Platz auf einem Campingplatz hat, und die plattdeutsche Sprache bleibt da ja auch noch. Wie gut er die beherrscht, kann jeder in den Samstagsausgaben dieser Zeitung lesen. Und so mancher Jubilar wird sich in der Nach-Corona-Zeit sicherlich freuen, das ein oder andere plattdeutsche Wort mit dem Theo wechseln zu können.

Gut, dass der Mann stellvertretender Bürgermeister, und nicht Priester geworden ist . . .

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