Dennis Wubs hat das Stadtgeläute von Greven festgehalten
Süßer die Glocken nie klingen

Greven -

So schön klingen Grevens Glocken, wenn man sie zusammen hört: Dennis Wubs, niederländischer Glockensachverständiger hat ein rund 20-minütiges Stadtgeläut als Video auf seine Youtube-Seite gestellt.

Donnerstag, 28.01.2021, 10:30 Uhr
Das Video über
Das Video über Foto: Youtube

Wer mit Dennis Wubs spricht, muss sich nicht wundern. Zwischendurch wummert da mal eine schwere Kirchenglocke in den Telefonhörer. Oder man hört eine entfernte Kuckucksuhr. Der Niederländer Wubs (35) sammelt Klänge. Zum Beispiel den Klang des Grevener Stadtgeläuts.

Zu sehen und hören ist das auf Wubs‘ Youtube-Kanal. Die mächtigen Glocken der St.-Martinus-Kirche schwingen oben im Turm. Auch der Klang von St. Mariä Himmelfahrt ist rein gemischt. „Sehr schön“, sagt der Glockenliebhaber Wubs, „vor allem die sechs Glocken in St. Martinus sind sehr gut gegossen. Ein gutes Ensemble.“

Wubs ist Organist aus der Provinz Groningen: „Anders als in Deutschland ist man da nicht fest angestellt.“ Er spielt in bis zu 20 Kirchengemeinden in den Niederlanden und Deutschland.

„Normale Leute sagen, es klingt, als wenn auf Mülleimern geschlagen wird.“ sagt Wubs über historische Glocken.

Außerdem ist er immer gefragt, wenn Glocken renoviert oder neu angeschafft werden sollen. „Ich bin in den den Niederlanden Glockensachverständiger“, sagt er. Er berät Kirchengemeinden dabei, gemeinsam mit dem Denkmalschutz, ihre historischen Glocken zu sanieren.

2000 Kirchtürme mit ihren klingenden Glocken hat er bereits als Tondokument und Video aufgenommen. Seine Videos im Internet dauern gerne mal 20 Minuten – und lassen es ordentlich wummern. Ein Film vom Läuten des münsterischen Doms hat es mittlerweile auf 980 000 Zuschauer gebracht. Und auch ein Video von der Grevener St. Martinuskirche aus dem Jahr 2015 wurde 44 000 Mal gesehen.

„Das ist extrem populär“, sagt der Orgelexperte, „wieso das so ist, kann ich eigentlich nicht erklären.“ Was er aber an seiner Statistik sehen kann: Am 24. Dezember, wenn es dämmert, dann wird sein Glockengeläute besonders intensiv nachgefragt. „Dann feiern die Leute Weihnachten mit Glocken.“

Dabei sind die Trumms der Kirchturme längst nicht nur schön anzuhören. Als im 12. und 13. Jahrhundert die ersten Glocken gegossen wurden, war der musikalische Genuss bescheiden. „Normale Leute, die das hören, sagen, das klingt, als wenn auf Mülleimern geschlagen wird“, sagt Wubs.

Immerhin sollten Glocken in der Frühzeit nicht unbedingt nur zum besinnlichen Gottesdienst einladen. Sie warnten vor gegnerischen Kriegsscharen, Feuer und halfen den Landleuten, böse Geister zu vertreiben.

Melodischer wurde es später. Zum Beispiel mit dem niederländischen Glockengießermeister Gerhard van Wou, der für den Erfurter Dom eine Glocke goss, die auf den Namen „Gloriosa“ hört.

Doch selbst, wenn eine Glocke gut klingt, muss das nicht heißen, dass auch das Stadtgeläut harmonisch ist. Also das Zusammenspiel der Glocken einer Kommune.

„Vor dem zweiten Weltkrieg hat man da gar nicht drauf geachtet“, sagt Dennis Wubs. Ein dröhnendes Beispiel ist für ihn Osnabrück. Da sind Dom, Marien- und St. Katharinenkirche nicht aufeinander abgestimmt: „So entstehen viele Halbtöne und Disharmonien“, sagt Wubs, „wenn man das von weitem hört, kann man sich vorstellen, dass da böse Geister verjagt werden sollen.“

Die Glocken seiner Heimatprovinz hat er bereits komplett erfasst: „2005 bin ich damit angefangen“, sagt Wubs. Danach zog er weiter nach Friesland, ins Emsland und ins Münsterland. Von Anfang an begeisterten seine Videos im Netz die Fans. „Viele Leute hören Glocken gern und finden es schön, wenn man die auch sehen kann.“ Durch Youtube hat Wubs viele andere Glockenfreunde aus der ganzen Welt kennengelernt. Es gibt rund 50 weitere Kanäle, auf denen Videos von Glocken hochgeladen würden, weiß er.

Wenn er mit Aufnahmegerät und Videokamera in den Kirchengemeinden auftaucht, wird er immer freundlich empfangen: „Die Leute sind sehr hilfsbereit“, lobt er Pfarrer und Küster.

Und auch wenn eigentlich kein Festtagsläuten auf dem Plan steht, schmeißen die Glockenherren schon mal das ganz große Orchester an, damit ihre Instrumente im Netz groß herauskommen.

„An so vielen Orten, wo ich war, waren die Leute immer nett“, sagt Wubs. Dann wird der Sonntag zumindest akustisch einfach etwas vorverlegt. Die Glocken von Greven hat er sich gerne angehört: „Ein schönes Geläut für eine Stadt dieser Größe. Das klingt alles sehr harmonisch.“

 

https://www.youtube.com/user/DennisWubs (oder QR-Code einlesen)

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