Auch Familien mit mehreren Kinder betroffen
Fast 100 Grevener obdachlos

Greven -

94 Menschen galten Ende des Jahres 2020 in Greven als obdachlos. Darunter sind zehn Familien, die aus insgesamt 50 Personen, darunter 33 Kinder, bestehen.

Montag, 15.02.2021, 16:32 Uhr aktualisiert: 16.02.2021, 09:35 Uhr
Insbesondere die Zahl
Insbesondere die Zahl Foto: Stadt Greven

Wie das zu deuten ist, steht für Beate Tenhaken außer Frage: „Daran sieht man, dass große Familien kaum eine Chance haben, eine Wohnung in Greven zu finden“, sagte die städtische Fachbereichsleiterin kürzlich in der digitalen Sozialausschusssitzung.

Immerhin: Niemand muss in Greven auf der Straße leben. Allen Betroffenen wird ein Platz in einer städtischen Unterkunft angeboten. Davon gibt es einige, und durch den deutlichen Rückgang der Asylsuchenenden, die in die Stadt kommen, ist in den meisten Unterkünften derzeit auch genug „Luft nach oben“, um den Hilfesuchenden ein angemessenes, vorübergehendes Zuhause anbieten zu können.

Zu den Obdachlosen zählen neben den besagten Familien auch 34 alleinstehende Männer und zehn alleinstehende Frauen. Im Jahr 2020 gab es im Stadtgebiet insgesamt 16 Räumungsklagen, im Vergleich zum Vorjahr zehn weniger. Warum diese Zahl so schwankt, dazu liegen der Stadt keine Erkenntnisse vor.

Um die eigene Obdachlosigkeit abzuwenden, haben zuletzt mehr Grevener Familien Wohngeld beantragt. Im Jahr 2018 gingen 1083 dieser Anträge bei der Stadt ein, im Jahr 2020 waren es immerhin 1321, wie Katrin Schenk ausführte. Sie ist seit Monatsanfang als neue Fachdienstleiterin „Arbeit und Soziales“ im Rathaus tätig. „Viele Familien in Kurzarbeit beantragen Miet- oder Lastenausgleich“, erläutert sie. Ersteres greift Mietern unter die Arme, Letztes hilft Hausbesitzern, ihre vorübergehende Notlage abzufedern.

Schenk legte auch Daten zur Entwicklung der Zahl der Bedarfsgemeinschaften vor – also Einzelpersonen, Paare oder Familien, die Arbeitslosenhilfe 2 beziehen (umgangssprachlich Hartz IV). Die Zahl der Menschen, die auf diese Weise ihren Lebensunterhalt bestreiten, ist durch die Corona-Pandemie nicht nachhaltig angestiegen. Die Kurve zeigte im April 2020 lediglich einen kleinen Ausschlag nach oben, um danach aber wieder zu sinken. Sarah Waltermann (Grüne) wertet das als gutes Zeichen. „Das ist positiv, dass die Zahlen coronabedingt nicht deutlich gestiegen sind.“

Auf längere Sicht sind sie sogar spürbar gesunken, was laut Schenk an einem guten örtlichen Arbeitsangebot und guter Vermittlung liegt. Zudem nehmen insbesondere Familien zunehmend alternative Sozialleistungen in Anspruch – etwa Kinderzuschlag durch die Familienkasse oder das erwähnte Wohngeld. Speziell bei Familien mit Kindern ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften dadurch stetig gesunken. Insgesamt fiel die Zahl der Personen, die von Hartz IV leben, in Greven zwischen August 2018 und August 2020 von etwa 2300 auf 2000.

Damit liegt Greven auf einem Niveau, das auch andere Städte dieser Größe aufweisen, wie Schenk im Vergleich mit Emsdetten deutlich machte. „Es gibt da keine gravierenden Unterschiede oder Besonderheiten.“

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