Diese 2CV Kastenente feiert ihren 50. Geburtstag
Wüstentauglich mit 38 PS

Schmedehausen -

Der 2CV hat 38 PS. Aber er ist absolut safaritauglich. Ein Treffen mit Enten-Herrn und Schrauber Ralf Hoppe am Kanal in Schmedehausen.

Dienstag, 09.03.2021, 06:00 Uhr
Reserverad auf der Haube, Überrollbügel und jede Menge Reiseandenken – Ralf Hoppes 2CV am Kanal in Schmedehausen
Reserverad auf der Haube, Überrollbügel und jede Menge Reiseandenken – Ralf Hoppes 2CV am Kanal in Schmedehausen Foto: Günter Benning

Da sitzen sie, die Kumpels Ralf Hoppe und Harald Rudolf. Auf Campinghockern, dazwischen die Kaffeemaschine. Picknick am Schmedehausener Hafen. Aber Ruhe haben sie hier nicht. Weil jeder anhält, der vorbeikommt: „Was ist das? Und wie alt ist das?“

Ein halbes Jahrhundert

„Genau 50 Jahre“, sagt dann Ralf Hoppe. Der Ex-Kumpel aus Ibbenbüren, der in Hagen am Teutoburger Wald wohnt, weiß alles über seine Ente. 2CV, die französische Antwort auf den VW-Käfer. Ein Auto mit Anspruch, zitiert Hoppe den einstigen Citroën-Direktor Pierre-Jules Boulanger: „Es muss ausgesprochen gut gefedert sein, sodass ein Korb voll mit Eiern eine Fahrt über holprige Feldwege unbeschadet übersteht.“

Aber die Ente des Schraubers und Weltenbummlers Hoppe ist schon eine eigene Marke. Der Überrollbügel mit Sisal ummantelt, ein Pilsdosenhalter neben dem Fahrerspiegel. Ein Elefantenrüssel als Kühlergriff und eine Solaranlage auf dem Dach: „Damit man den Sekt kühlen kann“, grinst Hoppe, „oder lieber das Bier.“

38 Pferdestärken hat der Kastenwagen, mehr brauchten Enten nie. „Die ersten, die 1949 gebaut wurden“, sagt der Mann im Campingstuhl, „hatten sogar nur neun PS.“ Dafür gibt es drinnen auch keine Kopfstütze und keinen Gurt.

Hoppes 2CV ist Afrika-tauglich

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  • Ralf Hoppe (r.) und Harald Rudolf mit dem 2CV

    Foto: Günter Benning
  • Typisches Kennzeichen CV

    Foto: Günter Benning
  • Ralf Hoppe (r.) und Harald Rudolf mit dem 2CV

    Foto: Günter Benning
  • Dosenhalter am Seitenspiegel

    Foto: Günter Benning
  • Über den Sinn des Lebens.

    Foto: Günter Benning
  • Kotflügelfigur.

    Foto: Günter Benning
  • Das Innere hat Platz für zwei Reisende. Notfalls schläft einer auf dem Dach.,

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  • Sicher vor Steinfschlag

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  • Das Innere hat Platz für zwei Reisende. Notfalls schläft einer auf dem Dach.,

    Foto: Günter Benning
  • 2CV mit Überrollbügel -- auch für harte Touren.

    Foto: Günter Benning
  • Erinnerungen an weiter Reisen.

    Foto: Günter Benning
  • 2CV mit Überrollbügel -- auch für harte Touren.

    Foto: Günter Benning
  • Erinnerungen an weiter Reisen.

    Foto: Günter Benning
  • Erinnerungen an weiter Reisen.

    Foto: Günter Benning
  • 2CV mit Überrollbügel -- auch für harte Touren.

    Foto: Günter Benning

Das ist das Privileg von Oldtimern. Wer eine 2CV hat, muss sowieso defensiv fahren. Immer als erster in Schlange.

Allradantrieb

Ralf Hoppe hat seinen Wagen safaritauglich gemacht. Allradantrieb, zweiter Tank, Schutzkappen vor den Scheinwerfern, innendrin zwei Liegeflächen. Notfalls kann auch einer auf dem Dach schlafen.

„Manchmal kommt meine Frau mit“, sagt er, „der Kopf stöß dann ans Steuer.“

Innendrin sieht es hippiemäßig bunt aus. Alles ist bemalt, die Bezüge sind knatschbunt, die Wasserflasche trägt ein Indianergesicht. Seine Tochter ist für die kreative Gestaltung zuständig. Für sie hat er auch eine Ente restauriert. Noch älter als seine eigene – und noch etwas hipper bemalt.

Durch ganz Europa sind die Hoppes mit ihrem Kastenwagen gefahren und natürlich zu den Ententreffen, die nicht in Entenhausen stattfinden, sondern in Frankreich. Und da gibt es Autos, sagt Hoppe, „die sind viel schriller als meiner.“

Durch Afrika

2005 reiste Hoppe mit seinem Bruder durch Westafrika: Ghana, Burkina Faso, Mali, Senegal, Mauretanien, Marokko, Spanien, Frankreich und schließlich wieder Deutschland. Die 2CV hatte man mit dem Schiff nach Ghana vorgeschickt. Und dort konnten sie die Karre kaum aus dem Hafen loseisen. Jeder glaubte, sie wollten die Ente loswerden – aber doch nicht damit fahren...

Die Reise war ein Schrauber-Test: Mal war der Anlasser im Eimer, dann hatte die Ente einen Plattfuß. Nach einem Schlagloch war das ganze Getriebe aus der Verankerung gerissen und nach einer Flussüberquerung mithilfe engagierter Muskelkräfte orgelte der Motor lange, bevor es weiterging.

„Aber der Wagen hat uns nie verlassen“, sagt Hoppe. Wer mal Untertage gearbeitet hat und später in der Grubenwarte, der kann eben alles. Auch Enten schüssig machen. Die übliche Problemlösung in der lesenswerten Reisebeschreibung aus Afrika: „Mit ein paar groben Hammerschlägen konnten wir das wieder richten.“

10.000 Kilometer

Viereinhalb Wochen, 10 .000 Kilometer, Anstieg auf 2100 Meter im Atlasgebirge. Die dünne Luft bekam der Ente nicht, „sie lief sehr schlecht.“ Aber das sind so Reisen, die lehren, was echtes Abenteuer ist. Die Botschaft steht auf dem Kotflügel: „Diese Auto lehrt, worauf es im Leben wirklich ankommt. Genug ist immer besser als zuviel.“

Jetzt sitzt Ralf Hoppe mit seinem Kumpel Harald Rudolf aus Münster am Kanal: „Wir waren zusammen auf der Zechen und seither treffen wir uns immer mal wieder.“

Nach Albanien

Und dann gehen sie natürlich auch mal auf Tour. Mit dem Motorrad. „Das letzte Mal, wo man noch fahren konnte“, erzählt Rudolf, „sind wir durch Albanien und Rumänien gefahren.“ Traumhafte Landschaften, vor allem, wenn man die Routen so aussucht, wie Ralf Hoppe. Am liebsten da, wo keine Straßen mehr auf der Karte eingezeichnet sind. „Das mach ich schon ewig so“, sagt er. Seine BMW hat 35 Jahre auf dem Buckel. Oldtimer bleiben seine Leidenschaft.

Citroën 2CV

Der Citroën 2CV (französisch Deux chevaux „zwei Pferdestärken“), in Deutschland und Österreich üblicherweise Ente und in der Schweiz Döschwo genannt, war ein populäres Modell des Automobilherstellers Citroën mit einem luftgekühlten Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor und Frontantrieb, heißt es bei Wikipedia.Zwischen Sommer 1949 und Mitte 1990 wurden 3,9 Millionen viertürige Limousinen und 1,2 Millionen Lieferwagen („Kastenente“) hergestellt. Von 1960 bis 1968 (und 1971) wurden 694 Stück der Sahara-Ausführung „4×4“ mit zwei Motoren und Allradantrieb gebaut, die 1958 vorgestellt worden war und auch „Bimoteur“ genannt wurde.Von der Fachpresse anfangs belächelt, wurde der 2CV in den folgenden Jahrzehnten zu einem der bekanntesten Automodelle in Frankreich. Der 2CV war die Basis für die späteren Citroën-Modelle Dyane, Ami und Méhari.

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