Langeweile-Killer: Netflix-Serie „Das Damengambit“
Das Drama offenbart sich auch ohne Regelkenntnisse

Greven -

Schach? Da langweilen sich Unkundige, wenn sie es nur hören. Oliver Hengst ist begeistert von einer Netflix-Serie, in der es um - fast - nichts anderes geht.

Sonntag, 04.04.2021, 10:00 Uhr
Anya Taylor-Joy verkörpert die junge Schauspielerin Beth, die das königliche Spiel im Waisenhaus kennenlernt, schnell als Wunderkind gilt und sich in die Weltspitze vorarbeitet.
Anya Taylor-Joy verkörpert die junge Schauspielerin Beth, die das königliche Spiel im Waisenhaus kennenlernt, schnell als Wunderkind gilt und sich in die Weltspitze vorarbeitet. Foto: Netflix

Man muss sich nicht zwingend mit Schachregeln auskennen oder das Spiel mögen, um dieser Serie zu verfallen. Auch ohne Regelkenntnisse kann man der Geschichte mühelos folgen. Die Dramatik bestimmter Spielstellungen und Wendungen vermittelt sich auch Nicht-Schachkundigen bestens. Und doch schadet es natürlich nicht, zumindest ein wenig darüber zu wissen, was Bauern und Springer sind und welche Züge Türmen und Läufern erlaubt sind.

Die Serie „Das Damengambit“ erzählt die Geschichte des Waisenkindes Beth, die als junges Mädchen in den 50er Jahren die Faszination diese königlichen Spiels für sich entdeckt (und schnell auch ihre außerordentliche Begabung). Man sieht sie aufwachsen, reifen, in den 60er Jahren erwachsen werden. Mode, Musik, Autos, Weltbilder jener Zeit – eine unterhaltsame und dennoch akkurate Zeitreise.

Im „Making off“ heißt es treffend, dass es in der Serie eigentlich nicht um Schach geht, sondern ums Leben, um die große Frage, wie man seinen Weg findet. Dass die Hauptfigur Beth, glänzend verkörpert von Anya Taylor-Joy, dabei auch vom Weg abkommt, Süchten verfällt und die Kontrolle verliert, macht ihr, die sie das so kontrollierte Spiel Schach liebt, zu schaffen. Die so kühl erscheinende Beth wird dann menschlich. Letztlich, so erfährt sie, geht es im Leben und beim Schach um ähnliche Fragen: Muss man für alles einen Plan haben oder führt Improvisation auch zum Ziel? Wie agiert man unter Druck? Mit Verteidigungshaltung oder Gegenangriff?

Übrigens: Den Begriff „Gambit“ musste ich erstmal googeln (es ist eine bestimmte Eröffnungsvariante). So viel zu meinen Schachkenntnissen . . .

„Das Damengambit“, Miniserie, 7 Folgen, Netflix.

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