So sieht der Alltag der Feuerwehr in der Pandemie aus
„Die Cola nach dem Einsatz fehlt“

Greven -

Ob die Fälle, in denen die Feuerwehr auf Grevener Gebiet und in Nachbargemeinden ausrücken musste, seit Beginn der Corona-Pandemie und dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens weniger geworden sind, kann der Leiter Sebastian Greufe nicht genau sagen. Gefühlt sei es ruhiger. „Im ersten Lockdown war kaum etwas los.“

Dienstag, 06.04.2021, 09:08 Uhr aktualisiert: 06.04.2021, 09:10 Uhr
Sind auch in der aktuellen Corona-Pandemie auf den Ernstfall vorbereitet (von links): Stefan Bömer (stellvertretender Leiter der Feuerwehr, Olaf Weiß (Löschzug Reckenfeld) und Sebastian Greufe (Leiter).
Sind auch in der aktuellen Corona-Pandemie auf den Ernstfall vorbereitet (von links): Stefan Bömer (stellvertretender Leiter der Feuerwehr, Olaf Weiß (Löschzug Reckenfeld) und Sebastian Greufe (Leiter). Foto: Luca Pals

Es war der Dienstag, der 1. Dezember im vergangenen Jahr: Großbrand in Greven. Zwei Lagerhallen auf dem Raiffeisen-Gelände stehen in Flammen. Schnell und in Windeseile sind die Kräfte von Polizei und Feuerwehr vor Ort und beweisen, dass sie auch in der aktuellen Lage leistungsfähig und bereit sind, wenn der Ernstfall eintritt. Für Sebastian Greufe, ehrenamtlicher Leiter der Grevener Feuerwehr, ist genau das ein Beweis dafür, dass man trotz vieler Veränderungen sicher sein kann: Die Feuerwehr ist da, wenn es brennt.

Ob die Fälle, in denen die Blauröcke auf Grevener Gebiet und in Nachbargemeinden ausrücken mussten, seit Beginn der Corona-Pandemie und dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens weniger geworden sind, können Greufe, Olaf Weiß vom Löschzug Reckenfeld und Stefan Bömer, stellvertretender Leiter, nicht genau sagen. Gefühlt sei es ruhiger. Greufe: „Im ersten Lockdown war kaum etwas los.“ Der Raiffeisen-Brand und das Schnee-Chaos hätten aber gezeigt, dass man natürlich nach wie vor gefragt ist.

Leistungsfähig sein, obwohl Leistungsnachweise und Dienstabende ausfallen? Greufe gibt zu: „Das beißt sich ein bisschen.“ Aber: „Einiges ist wie Autofahren. Auch, wenn man lange nicht mehr hinter dem Steuer gesessen hat, kann man es immer noch.“ Der Unterschied: „Man fühlt sich nur eben sicherer, wenn man einige Dinge immer wieder auffrischt.“ Beispiel: Den Atemschutzgeräteträgern, etwa 75 Prozent der Kameraden im Löschzug, fehlt aktuell der regelmäßige Umgang mit dem Atemschutzgeräten. „Wenn man das vorher übt, ist man routinierter für die Einsätze.“

Dass vieles nicht stattfinden könne, sei daher natürlich ein großes Problem. Da sind zum einen die großen jährlichen Grundlehrgänge, Prüfungen für LKW-Führerschein und zahlreiche weitere notwendige Übungen. Olaf Weiß sagt: „Von Corona werden wir noch Jahre später etwas haben. Viele Beförderungen können zum Beispiel aktuell auch nicht durchgeführt werden.“

Nach großen oder spezielleren Einsätzen gibt es meist eine Nachbesprechung auf dem Gelände der Feuerwehr am Hansaring. Dann wird die Cola oder das ein oder andere Kaltgetränk ausgegeben und gequatscht. Greufe: „Auch so etwas ist einfach wichtig. Natürlich, um zu wissen, was sie das nächste Mal besser machen könnten. Aber auch, um den Zusammenhalt in der Gruppe zu fördern.“ Daher: „Die Cola nach dem Einsatz fehlt schon.“ Er betont auch, dass die Feuerwehr natürlich auch vom Vereinsleben lebt. Sprich: Von der Gemeinschaft in regelmäßigen Zusammenkünften. Weiß sagt: „Das steht still. Da halten wir unsere Kameraden aktuell sehr bei der Stange.“

Für diese kann er nur ein großes Lob aussprechen: „Sie verhalten sich super und sind da, wenn sie gebraucht werden.“ Ein weiterer Aspekt, den alle berücksichtigen: „Wer sich krank fühlt, meldet sich bei uns und kommt nicht zu den Einsätzen mit. Eine Corona-Ansteckung innerhalb der Löschzüge können wir nicht gebrauchen. Dann sind wir nicht leistungsfähig.“ Die Sicherheit vor Ort steht daher an erster Stelle: „Die Löschzüge vermischen sich auch bei großen Einsätzen nicht, wir tragen Masken und halten Abstand.“

Auch im Gebäude am Hansaring sind Feuerwehr und Rettungskräfte separat aufgeteilt. Alle drei klopfen unisono auf Holz: „Bis jetzt hatten wir noch keinen Fall. Da sind alle sehr diszipliniert.“ Freundschaft, Teamgeist und Zusammenhalt – Werte, die aktuell nicht ausgelebt werden können. Besonders im Jugendbereich und im neu gegründeten, aber noch nicht offiziell abgesegneten Bereich der Kinderfeuerwehr sei es oft „50 Prozent Feuerwehr, 50 Prozent Spaß“. Bömer sagt: „Bei uns lernen junge Menschen natürlich noch viel mehr als die Ausbildungen zum Feuerwehrmann. Wir vermitteln nebenbei auch viele wichtige Werte.“ Daher habe er die Sorge: „Wenn der eine oder andere jetzt merkt, dass es zuhause auch gemütlich ist, bleibt er vielleicht auch in Zukunft dort. Wir brauchen aber dringend neue Leute.“ Diese anzuwerben ist aktuell durch fehlendes öffentliches Auftreten kaum möglich: „Wir haben ein paar Interessierte, die auch schon eingetreten sind, aber da fehlt natürlich einiges.“

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