Mo., 15.05.2017

Jubiläum Ist Singen reine Mädchensache?

Am Wochenende begleitete der zum Projektchor erweiterte Kinder- und Jugendchor mit Ehemaligen den Festgottesdienst zum 30-jährigen Bestehen. 

Am Wochenende begleitete der zum Projektchor erweiterte Kinder- und Jugendchor mit Ehemaligen den Festgottesdienst zum 30-jährigen Bestehen.  Foto: Nix

Horstmar - 

Seinen 30. Geburtstag feierte jetzt der Kinder- und Jugendchor St. Gertrudis, der Ende 1986 vom damaligen Pfarrdechanten Franz Josef Bisping und ehemaligen Küster, Organisten und Chorleiter Werner Storp gegründet wurde.

Von Rainer Nix

Er singt bei Familiengottesdiensten, auf den Horstmarer und Leerer Pfarrfesten, zur Erstkommunion, er ist beim Weihnachtskonzert des Kirchenchores mit dabei und mehr: Der Kinder- und Jugendchor St. Gertrudis wurde jetzt 30 Jahre alt. Kurzzeitig zum Projektchor erweitert, begleitete er gemeinsam mit Ehemaligen die feierliche Messe, die Pfarrdechant Johannes Büll zelebrierte. Anschließend ging es zur gemütlichen Feier in den Borchorster Hof.

„Ohne Musik wäre mein Leben nicht vorstellbar“, betont Rafael D. Marihart, der den Chor seit einem halben Jahr leitet. Pfarrer Büll forderte ihn im Vorfeld auf, zu beschreiben, warum er sich der Musik verschrieben hat. Auf jeden Fall springt der Funke auf die Kinder- und Jugend-Chorgemeinschaft über, die mittlerweile seit drei Jahrzehnten in wechselnder Besetzung aktiv ist. Heute singen 14 Mädchen, Jungen lassen sich schwer motivieren. Doch das war schon immer so.

„Ich denke, Singen oder auch Tanzen empfinden Jungen als uncool“, vermutet Marihart. Schade eigentlich. Die Lieder sind zum großen Teil religiös geprägt. Die jungen Damen, zwischen sechs und 15 Jahren alt, dürfen auch Wünsche äußern. „Es gibt Zeiten, da sind Helene-Fischer-Lieder gefragt, dann wieder Songs von Unheilig oder das Hallelujah von Leonard Cohen“, sagt die Erste Vorsitzende Anna Blaszczyk. „Natürlich versuchen wir auch mal, poppigere Lieder in einen Gottesdienst einzubauen“, fügt sie hinzu. Für Marihart ist das gar kein Problem. Er wählt gern mal schwungvolle Arrangements, bei denen die Mädchen begeistert mitmachen. „Sie sind generell mit viel Spaß bei der Sache und mehr kann man schließlich nicht verlangen“, so der musikalische Leiter. Er wird wie bereits sein Vorgänger Werner Storp auch in Kindergärten und Grundschulen dafür werben, sich im Chor zu engagieren.

Dechant Franz Josef Bisping und Storp gründeten den Chor Ende 1986, verrät die Chronik. Den ersten öffentlichen Auftritt erlebten die Horstmarer am Tag der Erstkommunion 1987. Storp war insgesamt 44 Jahre lang Küster, Leiter von Chören und Organist in St. Gertrudis. „Wir haben den Kinder- und Jugendchor Schritt für Schritt aufgebaut“, erinnert sich Storp und berichtet, dass es anfangs bis zu 40 Mitglieder gab. Jungen zeigten stets nur vereinzelt Interesse.

Heute ist der Chor geschrumpft, woran Schulunterricht am Nachmittag und das gegenüber damals wesentlich breiter gefächerte Freizeitangebot sicherlich ihren Teil beitragen.

„Früher spielten Instrumente eine größere Rolle, wir haben zeitweise mit Orffschen Instrumenten wie Triangel und Xylophon gearbeitet“, sagt der ehemalige Chorleiter. Auftritte gab es fast nur in Gottesdiensten oder hin- und wieder bei Geburtstagen und Jubiläen, das Spektrum wurde mittlerweile stark erweitert.

Auch Aktivitäten wie Zeltlager außerhalb des Chorgeschehens erfreuten sich großer Beliebtheit. „Damals haben wir noch viele Instrumente gespielt“, bestätigt die Zweite Vorsitzende, Stefanie Brunstering, die früher auch im Chor mitgesungen hat. Den Vorstand komplettiert Silvia Brunner als Kassenführerin. „Ich habe bereits im Alter von fünf Jahren mit der Blockflöte begonnen und mit zwölf Jahren war auch das Singen interessant“, erinnert sich Brunstering. Als der Chor gegründet wurde, trat sie gleich ein. „Ich war lange Mitglied“, blickt sie zurück. Erst mit 18 Jahren verabschiedete sie sich, um in einer Band mitzumachen. Später unterstützte sie ihren Vater, Werner Storp, zeitweise bei der Chorleitung, die er erst im vergangenen Jahr aufgegeben hat.

Eines funktionierte leider nie so richtig. Kaum einer betrachtete den Kinder- und Jugendchor als Sprungbrett für die spätere Mitgliedschaft im Kirchenchor. Doch das kann ja noch werden.



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