Noch einige Rätsel
Als die Burg Sommerresidenz war

Horstmar -

Beim „Ortstermin Horstmar“ blickte Heinz Herdt auf die spannende Geschichte der Stadt.

Sonntag, 10.09.2017, 18:00 Uhr aktualisiert: 12.09.2017, 11:46 Uhr
Dr. Barbara Herrmann, Direktorin des KulturForums Steinfurt, und Hubertus Brunstering (l.), Geschäftsführer von Horstmar Erleben, überreichten Stadtführer Heinz Herdt zum Dank für den faszinierenden Vortrag ein Präsent.
Dr. Barbara Herrmann, Direktorin des KulturForums Steinfurt, und Hubertus Brunstering (l.), Geschäftsführer von Horstmar Erleben, überreichten Stadtführer Heinz Herdt zum Dank für den faszinierenden Vortrag ein Präsent. Foto: Regina Schmidt

Gab es in früheren Jahrhunderten ein Netz von Gängen unter der Burgmannsstadt? Waren die Burgmannshöfe durch Tunnel mit dem Burggelände verbunden? Sind die alten Überlieferungen wahr? Dem „Mythos unterirdische Gänge“ spürten Stadtführer Heinz Herdt und Hubertus Brunstering, Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins, am Freitagabend im Rittersaal des Münsterhofes nach. Das Interesse an Horstmars „Unterwelt“ war groß, die Veranstaltung von Horstmar ­Erleben und Kulturforum Steinfurt im Rahmen der Reihe „Ortstermin“ ausgebucht.

Heinz Herdt schilderte zunächst anschaulich die Entwicklung Horstmars zur „Burgmannstadt“. Die Burg, um das Jahr 800 errichtet, spielte dabei eine zentrale Rolle. Die Edlen von Horstmar verloren Burg und Herrschaft 1269 an den Fürstbischof von Münster. „Mit diesem gravierenden Wandel setzte eine Blütezeit in der Geschichte Horstmars ein“, betonte Heinz Herdt. Die Burg wurde Verwaltungssitz und Mittelpunkt des fürstbischöflichen Amtes Horstmar mit 34 zugehörigen Pfarreien. Außerdem erkoren die Münsteraner Bischöfe die Horstmarer Burg zu ihrer Sommerresidenz.

Ein faszinierendes Rätsel ist bis heute auch das Aussehen der 1635 zerstörten Burg. Lediglich eine kleine Skizze aus dem Jahr 1661 hat die Zeiten überdauert. Hubertus Brunstering präsentierte ein Luftbild und modernes Infrarotbild, worauf Grundriss der Burg erkennbar ist. Anhand von Plänen vergleichbarer Burganlagen und etwas Fantasie entwarf er eine Rekonstruktion des Horstmarer Burggeländes.

Im Jahr 1270 verlieh Bischof Gerhard Horstmar die Stadtrechte. Und er ließ eine Festungsanlage errichten. „Der quadratische Grundriss ist einzigartig in Westfalen. Es gibt einen Binnenwall, einen Butenwall, dazwischen einen Wassergraben und die Burg liegt außerhalb der Festung“, schilderte Heinz Herdt die Besonderheiten der Anlage. Zum Schutz von Burg und Stadt wurden acht Burgmannshöfe auf dem Festungsquadrat angelegt. Vier Stadttore mit Zugbrücken sicherten die Eingänge und des Nachts bewachten bis zu 30 Mann aus der Bürgerwehr die Wälle.

Die Stadt war also ganz auf Verteidigung ausgelegt. Hätten dann nicht auch unterirdische Wehrgänge als Verbindung zwischen den Burgmannshöfen untereinander und als Fluchtweg zur Burg außerhalb der Stadt Sinn gemacht? Geschichten über Geheimgänge wurden über die Jahrhunderte tradiert. Fakten gibt es wenige, aber einige Hinweise auf deren Existenz. „Ältere Mitbürger berichteten übereinstimmend, dass sie als Kinder in den damals noch offenen, mannshohen Gängen gespielt haben“, so Heinz Herdt. Man konnte bis etwa 30 Meter in die Gänge hineingehen. Belegt ist, dass beim Entfernen einer Linde am Münsterhof ein Gang eingebrochen ist. Auch bei Schachtarbeiten in der Gossenstraße stieß man auf Spuren eines Ganges. In mehreren Burgmannshöfen finden sich zugemauerte Türen. Gelangte man durch sie in das unterirdische Gangsystem? Die Öffnungen wurden Zeitzeugen zufolge nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen. Schriftlich erwähnt wird nur der Wehrgang im Sendenhof, der nach dem Brand des Gebäudes 1765 überbaut wurde. Bisher gibt es also keine endgültigen Beweise für unterirdische Gänge – sie bleiben ein spannender Mythos.

Im Anschluss an den Vortrag machten sich die Gäste auf zum Rundgang durch die Altstadt, dem Ortsverlauf der alten Wälle folgend.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5138921?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686831%2F
Nachrichten-Ticker