Interessant und Informativ
Alle Beteiligten sind gefordert

Horstmar -

In einem kurzen Überblick stellte Dr. Peter Schwartze von der Biologischen Station des Kreises Steinfurt die Hauptaufgaben des Vereins, die fachliche Betreuung besonders geschützter Teile von Natur und Landschaft, sowie die fachliche und praktische Betreuung von Bewirtschaftern und Flächen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes vor. Er war Referent eines Vortrags- und Gesprächsabendes, zu dem der Nabu und die Grünen ins „Holskenbänd“ eingeladen hatten.

Montag, 19.11.2018, 07:42 Uhr aktualisiert: 21.11.2018, 15:20 Uhr
Informativ und interessant gestaltete sich der Vortrags- und Gesprächsabend, zu dem der Nabu und die Grünen in die Gaststätte Holskenbänd eingeladen hatten.
Informativ und interessant gestaltete sich der Vortrags- und Gesprächsabend, zu dem der Nabu und die Grünen in die Gaststätte Holskenbänd eingeladen hatten.

Einen überaus interessanten und informativen Abend erlebten die zahlreichen Besucher der Veranstaltung des Naturschutzbundes und des Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen Horstmar zum Thema Artenvielfalt und Biodiversität im „Holskenbänd“, Mit dem Referenten Dr. Peter Schwartze von der Biologischen Station des Kreises Steinfurt hatten die Initiatoren einen kompetenten Referenten eingeladen.

In einem kurzen Überblick stellte dieser die Hauptaufgaben des Vereins, die fachliche Betreuung besonders geschützter Teile von Natur und Landschaft, sowie die fachliche und praktische Betreuung von Bewirtschaftern und Flächen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes vor. Dabei werden die Umsetzung der Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in diesen Gebieten begleitet.

Träger des Vereins sind neben der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land der Kreisverband des Nabu, der westfälisch-Lippische Landschaftsverband, die Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe sowie der Kreis Steinfurt. Damit wurde gleich zu Beginn deutlich, wie der Erhalt und die Verbesserung des Naturschutzes im Kreis Steinfurt erreicht werden soll: nämlich mit allen Beteiligten, also auch der sonst so viel gescholtenen Landwirtschaft. Dass das nicht immer leicht ist, wurde schnell klar, heißt es in einer Pressemitteilung der Veranstalter. Aber die Gründe für den Rückzug der Natur und der damit verbundene Rückgang der Artenvielfalt und dem leider an vielen Stellen immer kleiner werden Bestand seltener Tier- und Pflanzenarten habe viele Gründe, erläuterte der Referent. So ist auch der ungestillte Flächenbedarf für neue Wohngebiete (obwohl die Bevölkerungszahl nahezu konstant bleibt), Gewerbeflächen und Straßen ein großer Faktor. Auch das Konsumverhalten der Menschen trage dazu bei. Stichworte wie beispielsweise Fleischkonsum, Individualverkehr seien hier genannt.

Ein weiterer Faktor ist die „Vermaisung“ der Landschaft. Hier seien im Zuge der Förderung der Biogasanlagen, zusammen mit der Aufgabe der bis dahin bestehenden Brachflächen, viele Flächen für die Natur praktisch verloren gegangen. Aber natürlich sei die modere Landwirtschaft auch ein entscheidender Faktor. So seien zum Beispiel die Ausgleichszahlungen der EU für Flächen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes in der Vergangenheit zum Teil gesunken. Daneben gäbe es Gesetze, das Ackerlandflächen, die zum Beispiel als Grünlandflächen genutzt werden, spätestens nach fünf Jahren wieder Ackerland werden müssten, um den Status Ackerland nicht zu verlieren. Hier ständen die Landwirte dann unter einem wirtschaftlichen und finanziellen Druck, der nur von höherer Stelle abgemildert werden könne.

Aber auch das ungesetzliche Überackern von öffentlichen Flächen am Rande der Äcker sei ein Faktor, der der Natur Entfaltungsraum entziehe, gab der Experte zu bedenken. Diese Flächen sollten in artenreiche Blühstreifen, möglichst zusammen mit Randstreifen auf privaten landwirtschaftlichen Flächen, umgewandelt werden. Dafür gäbe es viele Fördermittel.

Nach Meinung des Referenten sollen diese Streifen aber in der Sonne liegen und nicht am Nordrand im Schatten von Wäldern. Er könnte sich auch vorstellen, diese Streifen mitten durch die Äcker zu führen. Am Ende erreiche man mehr Naturschutz in diesem Bereich nur über den Faktor Geld.

Zum Thema Blühstreifen und Wildblumenwiesen erhielten die Besucher noch weitere Informationen. So ist es wichtig, diese Flächen ein- bis zwei mal im Jahr zu mähen (das erste Mal um den 15. Juni herum) und das zweite Mal im Herbst. Unablässig ist, dass die Mahd abgeräumt wird. „Die Flächen müssen offen in den Winter gehen“, erklärte der Referent. Und dass man auch Geduld haben muss, da viele Pflanzen mehrjährig sind und zum Teil erst im zweiten Jahr zur Blüte kommen. Ohne Pflege funktionieren diese Flächen nicht.

Auch zum Thema Hecken hatte Dr. Schwartze noch einige Anmerkungen. So sollen diese regelmäßig auf den Stock gesetzt werden, aber das möglichst nicht über die gesamte Länge der Hecke im gleichen Jahr, sondern in Abschnitten mit einigen Jahren Abstand. Auch dabei sei es wichtig, das gesamte Schnittgut abzufahren, auch das dünne Topholz. Wenn dieses liegen bliebe, oder sogar in die Hecke gepresst würde, sei das für die Heckenentwicklung schädlich.

Auf vielfältige Nachfragen der Zuhörer gab es auch noch Anregungen zum Thema Gartengestaltung. So sind die vielerorts jetzt zu sehenden „modernen“ Kies- oder Schottervorgärten auch dem Referenten ein Dorn im Auge. Hier kann jeder Hausbesitzer durch Pflanzen und Säen heimischer Arten viel für den Erhalt der Natur tun.

Dieser Vortrag mit Dr. Schwartze bildete den Auftakt zu der von Nabu und den Grünen in Horstmar geplanten Veranstaltung „Horstmar – natürlich, bunt und grün am 19. Mai im Nabu-Garten im Drostenkämpchen. Dort soll dieses Thema unter dem Aspekt „Was kann ich in meinem Garten tun?“ wieder aufgegriffen werden.

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