Massenschlägerei beim Jugendball / Vier Verletzte / Bewährungs- und Geldstrafen
„Stephanus steinigen“ artete aus

Horstmar-Leer/Rheine -

Zu einem „Schlägereimassaker, so der Staatsanwalt, artete der Jugendball der Freiwilligen Feuerwehr zum „Stephanus steinigen“ am 26. Dezember 2017 in einer Gaststätte in Horstmar-Leer aus. Jetzt mussten sich fünf junge Männer wegen gefährlicher Körperverletzung beim Jugendschöffengericht in Rheine verantworten.

Dienstag, 02.04.2019, 17:00 Uhr
Justitia 
Justitia  Foto: dpa

Zu einem „Schlägereimassaker, so der Staatsanwalt, artete der Jugendball der Freiwilligen Feuerwehr zum „Stephanus steinigen“ am 26. Dezember 2017 in einer Gaststätte in Horstmar-Leer aus. Am vergangenen Montag mussten sich fünf junge Männer aus Steinfurt wegen gefährlicher Körperverletzung an jungen Erwachsenen aus Horstmar und Laer beim Jugendschöffengericht in Rheine verantworten.

Die Angeklagten waren bei der Tat zwischen 17 und 21 Jahren alt. Der Staatsanwalt warf ihnen Gewalttaten hinter der Kirche, an der Wendeltreppe neben dem Dorfladen und vor einem Taxi vor.

Nach Anhörung von 15 Zeugen wurde ein 21-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen nach Erwachsenenstrafrecht zu einem Jahr mit Bewährung verurteilt. Zur Auflage machte das Gericht ihm, einem 23-jährigen, schwer verletzten Studenten aus Horstmar 1000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz zahlen.

Zwei 17-Jährige verurteilte das Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Anti-Aggressions-Training. Das Verfahren gegen den dritten 17-Jährigen wurde gegen ein Schmerzensgeld von 200 Euro wegen eines heftigen Faustschlags in das Gesicht seines Kontrahenten eingestellt. Hintergrund: Er verbüßt bereits seit acht Monaten eine einjährige Jugendstrafe wegen Drogendelikten und wurde aus der Haft vorgeführt. Sein zorniger Fußtritt gegen die Tür des Lokals beim Verlassen des Lokals morgens um vier Uhr, war der Auslöser der Schlägerei. Deswegen hatte ein 18-Jähriger aus Laer ihn zur Rede gestellt und bekam postwendend die Faust ins Gesicht. Der Angeklagte gestand beide Taten.

Ein 19-jähriger Angeklagter wurde aus Mangel an Beweisen frei gesprochen.

Es gab mindestens vier Verletzte, darunter ein Polizeibeamter. Bei dem Versuch, die jungen Wilden auseinanderzubringen, wurde er durch einen Stoß zu Fall gebracht und brach sich den Unterhandknochen.

„Das war eine Aktion, die von vornherein auf Krawall gebürstet war“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung und fügte hinzu: „Am Ende muss jeder froh sein, dass nicht einer auf der Straße liegen geblieben ist.“

Der Student aus Horstmar beobachtete beim Verlassen des Lokals eine Schlägerei vor einem Taxi und sah, dass jemand reglos am Boden lag. Weil er dem Verletzten helfen wollte, geriet er selbst unter die Fäuste und Tritte der aggressiven Männer, von denen nicht alle gefasst werden konnten. Er erlitt eine Gehirnerschütterung, sowie schwere Gesichtsprellungen und Blutergüsse. Das Gericht hielt seine Zeugenaussage hinsichtlich von zwei Angeklagten für absolut glaubhaft und nachvollziehbar. Ihm wurden 1000 Euro Schmerzensgeld und etwa 500 Euro Schadenersatz mit dem Urteil zugesprochen.

Der Freund des 18-jährigen Opfers, der den Angeklagten wegen der Türtritte zur Rede gestellt hatte, wollte Hilfe holen, „aber wahrscheinlich bei den falschen Leuten“, wie er sagte. Er habe über die Wendeltreppe flüchten wollen, als die Meute sich auf ihn gestürzt hätte. Es gelang ihm aber nicht, sie holten ihn hinunter und hätten wild auf ihn eingeschlagen und getreten.

Der Zeuge wirkte bei seiner Aussage erheblich eingeschüchtert. Bei ihm hatte sich die Nasenscheidewand von der Schleimhaut gelöst. Er musste deswegen unter Vollnarkose operiert werden. Allerdings konnten seine Schläger bis auf einen Faustschlag des 17-jährigen Angeklagten nicht identifiziert werden.

Der 38-jährige Brandmeister, Organisator der Feuerwehrparty, sagte als Zeuge: „Wir hatten Bauchschmerzen bei der Jugendgruppe, weil die Stimmung von Anfang an aufgeheizt war. Als sie um vier Uhr die Party beendet hätten, sei ein Kollege ihnen gefolgt und habe bei den Tumulten draußen die Polizei gerufen.“

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