Kaminabend des Konzertförderkreises St. Gertrudis
Pater Theo ist unvergessen

Horstmar -

Einen spannenden Gesprächsabend erlebten die Besucher im Borchorster Hof: Dort ging es um das Thema „Mauern einreißen“.

Sonntag, 17.11.2019, 12:30 Uhr
Zum Thema „Mauern einreißen“ sprachen am Freitagabend unter anderem die Grundschulleiterin Claudia Geldermann und Diakon Franz-Josef Reuver.
Zum Thema „Mauern einreißen“ sprachen am Freitagabend unter anderem die Grundschulleiterin Claudia Geldermann und Diakon Franz-Josef Reuver. Foto: nix

Heute ist viel von „Mauern in den Köpfen“ die Rede. Sie verhindern ein harmonisches Miteinander. Doch Mauern, die Menschen trennen, sind leider auch real. Eine davon wurde auch nach ihrem Fall zum Symbol der langjährigen Trennung von Ost- und Westdeutschland.

Am Freitagabend prasselte im Kaminzimmer des Borchorster Hofes ein gemütliches Feuer, bei einem Gläschen Wein lauschte das Publikum Erzählungen zum Thema „Mauern einreißen“. Diakon Franz-Josef Reuver, Grundschulleiterin Claudia Geldermann und Professor Dr. Michael Beintker hatten dazu ganz unterschiedliche Inhalte im Gepäck. Raphael D. Marihart saß in den Pausen am Flügel und spielte unterhaltsame Musik. Eingeladen hatte wie bereits im vergangenen Jahr der Konzertförderkreis St. Gertrudis Horstmar.

Reuver brachte Aufzeichnungen mit, die das Leben von Theo Koening beleuchteten, der 1926 in Horstmar zur Welt kam. Gegen Ende der 70er Jahre engagierte er sich als Pater Theo aus dem Hiltruper Kloster außerordentlich stark für die Menschen in der DDR. Er schickte unzählige Päckchen und betrieb mit insgesamt rund 700 DDR-Bürgern rege Briefkorrespondenz. Das gefiel der Staatssicherheit, „Stasi“, gar nicht. Sie stufte ihn als „Feindzentrale“ ein. Seine Freunde im Osten, für deren Nöte er stets ein offenes Ohr hatte, nannten den Pater liebevoll Onkel Theo.

„Die Päckchen finanzierte er von seinem Taschengeld als Pater, Bruder Koening engagierte sich ausschließlich in der Freizeit für seine Freunde“, erzählte Reuver. Seit 1972 arbeitete der Pater als Sekretär am Kardinal-von-Galen Gymnasium. Mögliche Gefahren für die eigene Person interessierten ihn nicht. Er wurde sogar gewarnt, nicht in den Ostblock zu fahren, weil er dort hätte verhaftet werden können. Den Stasi-Spitzeln blieb nichts verborgen, sie legten eine Akte an, die stetig wuchs. „Onkel Theo riss die Mauer nicht ein, aber er schaffte es, etwas an ihr zu kratzen“, so Reuver. Als Onkel Theo das Bundesverdienstkreuz verliehen werden sollte, schlug er vor, es einer Mutter von vier Kindern zu geben. Er habe doch nur ein wenig Freizeit geopfert.

Geldermann stellte unter anderem ein italienisches Bilderbuch vor, die Parabel mit dem Titel „Mauer“. Darin beklagt sich ein König über die seiner Ansicht nach viel zu bunte Bevölkerung und lässt eine Mauer errichten. Aber nur so lange bis er begreift, dass einer den anderen braucht.

Beintker, einstmals Theologiedozent an der Theologischen Fakultät der Uni Halle, wusste aus eigener Anschauung von der Endphase der DDR zu erzählen. Er las auch aus dem Buch „Schritte zur Freiheit – die Friedliche Revolution 1989/’90 in Halle/Saale“. Lebendig schilderte er, wie Ende 1989 friedliche Demonstranten niedergeknüppelt wurden, doch das Ende der Deutschen Demokratischen Republik war besiegelt. Den Ausspruch eines Demonstranten erinnert er noch heute: „Revolution ist, wenn die Unten nicht mehr wollen und die Oben nicht mehr können.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7071003?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686831%2F
Nachrichten-Ticker