Interview mit den Aufsichtsratsmitgliedern Klaus Rüße und Helmut Gerdener des Dorfladens in Leer
„Sie haben uns wunderbar unterstützt“

Horstmar-Leer -

Mit Interesse hat der Aufsichtsrat des Dorfladens ins Leer registriert, dass „Unser Laden“ aus Welbergen als „Dorfladen des Jahres 2020“ ausgezeichnet worden ist. Seine Verantwortlichen haben die Kollegen seinerzeit hilfreich unterstützt, als sie das Geschäft auf Genossenschaftsbasis vor Ort aufgebaut haben. Dafür zeigten sich Klaus Rüße und Helmut Gerdener in einem Interview mit dieser Zeitung dankbar.

Mittwoch, 05.02.2020, 18:00 Uhr
Die Aufsichtsratsmitglieder Klaus Rüße (r.) und Helmut Gerdener sind zuversichtlich, dass es mit dem Dorfladen in Leer und seinem Café erfolgreich weitergeht.
Die Aufsichtsratsmitglieder Klaus Rüße (r.) und Helmut Gerdener sind zuversichtlich, dass es mit dem Dorfladen in Leer und seinem Café erfolgreich weitergeht.

„Unser Laden“ aus Welbergen, der vor zehn Jahren eröffnet hat, ist auf der Grünen Woche in Berlin als „Dorfladen des Jahres 2020“ ausgezeichnet worden. Der Bundesverband hat ihm diese Auszeichnung in der Kategorie „Kleine Dörfer“ verliehen. Was sagen die Kollegen des Dorfladens, den es erst seit sechs Jahren in Leer gibt, dazu. Das und vieles mehr wollten die Westfälischen Nachrichten von den Aufsichtsratsmitgliedern Klaus Rüße und Helmut Gerdener wissen. Letzterer verstärkt seit kurzem dem Vorstand, hat aber schon lange vorher aktiv im Laden mitgearbeitet. Ihm seien die Alarmanlage, die Spiegel zur besseren Übersicht, die Wartung aller Geräte, die irgendwie mit Strom zu tun hätten und die neue Bestuhlung des Cafés zu verdanken, zählt Rüße die Aktionen seines Kollegens auf.

Was haben Sie gedacht, als sie von der Auszeichnung erfahren haben?

Rüße: Herzlichen Glückwunsch an unsere Kollegen in Welbergen, und – in aller Bescheidenheit – auch Glückwünsche an uns selbst. Welbergen war für uns eine Art Blaupause. Sie haben uns wunderbar unterstützt, als 2012 / 2013 hier im Dorf die Idee aufkam, nach Weggang von Steiner wieder für einen Lebensmittelladen in Eigenregie zu sorgen. Auf jede Frage haben wir Antworten bekommen.

Gerdener: Ich war damals zwar nur am Rande dabei. Nach der ersten Phase der „Viererbande“ mit Ralf Hölscheid, Ralf Arning, Sabine Heidler und eben Klaus Rüße wurden so nach und nach weitere Mitstreitergewonnen, unter anderem auch meine Frau, und deswegen kann ich das nur bestätigen.

Könnte der Dorfladen in Leer in 2023 auch zum Dorfladen des Jahres gekürt werden?

Rüße: Der Bundesverband könnte uns diese Auszeichnung nicht verleihen, weil wir dort nicht Mitglied sind. Aber für Welbergen wie auch für uns sind ganz andere Dinge als solch eine Auszeichnung entscheidend. Die tägliche Abstimmung mit den Füßen, der Einkauf des täglichen Bedarfs durch unsere Kunden, das ist es, was zählt. Ohne unsere Kunden können wir den Laden dicht machen. Als Kiosk für das, was woanders beim Einkauf vergessen wurde, haben wir keine Überlebenschance. Das wissen unsere Kunden mittlerweile, aber – viel wichtiger –, das beherzigen sie offenbar auch mehr und mehr.

Sah es in 2019 für den Dorfladen gut aus?

Rüße: Wir haben noch keine endgültigen Zahlen für 2019. Aber es sieht gut aus.

Gerdener: Nach allem, was bis November ausgewertet wurde und nach allem, was im Dezember umgesetzt wurde, bin ich auch sehr zuversichtlich, dass 2019 dazu beitragen wird, die aufgelaufenen Verluste aus den Vorjahren deutlich abtragen zu können. Wir hoffen auf einen kleinen fünfstelligen Gewinn. Zur Erinnerung: 2017 stand es für Unseren Dorfladen „fünf vor zwölf“. Davon konnte schon 2018 nicht mehr gesprochen werden. Aber das bedeutet trotzdem nicht, wieder in den alten Trott verfallen zu können und den täglichen Bedarf nicht im Dorf einzukaufen. Noch bleibt unterm Strich ein „Minus“.

Wie lange wird es den Aufsichtsratsvorsitzenden Rüße und den Vorstand Gerdener geben?

Rüße: Helmut wurde 2019 für drei Jahre bestellt. Wie ich ihn kenne, tritt er nicht zurück. Und so, wie er arbeitet, empfiehlt er sich selbst für eine weitere Bestellung zum Vorstand. Der Aufsichtsrat tritt nach jeder Neuwahl immer wieder „bei Null“ zusammen. Also ganz sicher wird es den Aufsichtsratsvorsitzenden Rüße noch bis zur ersten Sitzung des Aufsichtsrates nach der diesjährigen Mitgliederversammlung geben. So wie es jetzt läuft, insgesamt, im Team, im Vorstand, beim Umsatz und beim Gewinn, macht es auch mit 66 noch richtig Spaß. Wenn die Mitglieder das auch so sehen und wenn auch Kollegen im Aufsichtsrat das so sehen, dann soll es nicht an mir liegen, auch noch 2021 zur Mitgliederversammlung einzuladen und diese zu eröffnen.

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