Heinz-Peter Hochhäuser beim Landwirtschaftlichen Ortsverein zu Gast
Ohne Erholung droht den Bäumen der Kollaps

Horstmar/Leer -

Die Auswirkungen des Klimawandels sind zu spüren: unberechenbareres Wetter, wärmere Temperaturen, unregelmäßigere Niederschläge und Waldbrandgefahr. Heinz-Peter Hochhäuser vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW sprach bei der Mitgliederversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverein Horstmar/Leer darüber, ob die Wälder noch zu retten sind.

Sonntag, 01.03.2020, 15:58 Uhr
Gut besucht war die Mitgliederversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Horstmar/Leer bei Meis-Gratz.
Gut besucht war die Mitgliederversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Horstmar/Leer bei Meis-Gratz. Foto: Neugebauer

„Bedrohte Idylle – sind unsere Wälder noch zu retten?“ Zu dieser Frage referierte Heinz-Peter Hochhäuser vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW und Leiter des Regionalforstamts Münsterland während der Mitgliederversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverein Horstmar/Leer. Diese fand in der Gaststätte Meis Gratz statt.

Unberechenbareres Wetter, wärmere Temperaturen, unregelmäßigere Niederschläge und Waldbrandgefahr: „Das sind die Auswirkungen des Klimawandels“, erklärte der Referent. Starkniederschläge und Stürme würden sich ebenso häufen. Dabei betonte er, wie eng Klima und Vegetation zusammenhängen.

„Wir leben hier oben“, sagte Hochhäuser mit Verweis auf die Karte. „Das ist die Schokoladenseite der Welt, der Speckgürtel. Da haben wir viel Glück.“ Was der ein oder andere der Zuhörer vielleicht nicht wusste: Der Niederrhein gehört zu den Dürreregionen Deutschlands. Diese nähmen dort nämlich zu, so der Experte.

Wie sehr sich das Klima durch den Einfluss der Menschen verändert, zeigte ein besorgniserregender Vergleich: Ein Jahrhundertsommer wie 2018 wäre zwischen 1880 und 1910 alle 245 Jahre vorgekommen. In der jetzigen Situation komme so ein Sommer im Schnitt alle acht Jahre vor. Bis 2050, wenn es um 1,6 Grad wärmer würde, schon alle zwei Jahre. „Das sind rasend schnelle Veränderungen, auf die wir uns einstellen müssen“, warnte der Fachmann.

Veränderungen, die auch den Wald und den Umgang mit ihm beträfen. Die Belaubung sei ein Faktor, an dem der Gesundheitszustand gemessen würde. Wenn die Bäume kein Wasser bekämen, müssten sie Blätter abwerfen. Dann finde keine Photosynthese statt und damit auch kein Holzaufbau. Aber Wassertransport findet in den äußeren Jahrringen statt. Wenn die nicht ausgeprägt sind, brauchen die Bäume längere Erholungsphasen von zwei, drei Jahren, damit der Wasserfluss und damit die Produktion wieder losgehen kann. „Wenn man diese Erholungsphasen nicht mehr hat, dann kommt es zum Kollaps“, erklärte Hochhäuser. Der Anteil der stark geschädigten Bäume nähme zu. Und dafür seien Stürme, Insekten, Wild, Pilze oder auch Dürre verantwortlich.

Der Borkenkäfer, als Beispiel für einen Schädling, gehe nicht an totes Holz, sondern an kränkelnde Bäume. Eine gesunde Fichte könne mit 2000 Käfern fertig werden. „180 000 Käfer schafft sie nicht“, betonte der Referent. Vielfalt im Wald sei das A und O. Vielfalt ist beim Aufforsten unabdinglich. „Sie können nicht in zwei Jahren den gemischten Wald aufbauen“, meinte Hochhäuser zu den Waldbauern. Das dauere 120 oder 150 Jahre.

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