Schwester Marie-Pasquale (Barbara Reuver) will im Sommer 2021 die Ewige Profess ablegen
„Genial und sinnvoll“

Horstmar -

Ihr Heimaturlaub neigt sich dem Ende zu. Bevor es aber wieder ins Kloster ins oberschwäbische Bad Saulgau geht, predigt Schwester Marie-Pasquale, die vielen Burgmannstädtern besser als Barbara Reuver bekannt ist, während des heutigen Gottesdienstes in der Gertrudiskirche.

Freitag, 16.10.2020, 17:29 Uhr aktualisiert: 18.10.2020, 11:18 Uhr
In diesem Haus neben dem Borchorster Hof ist Schwester Marie-Pasquale als Barbara Reuver aufgewachsen.
In diesem Haus neben dem Borchorster Hof ist Schwester Marie-Pasquale als Barbara Reuver aufgewachsen.

Ihre Mutter Ingrid hat sich schnell an „Marie-Pasquale“ gewöhnt. Für Vater Franz-Josef Reuver bleibt sie die Barbara, obwohl seine älteste Tochter seit 2014 im Kloster lebt. Dort hat die heute 36-Jährige ihren bisherigen Familiennamen gegen den neuen eingetauscht, der ihr mittlerweile sehr gut gefällt. „Der Name zeigt sich im Gebet“, erklärt die Schwester, die seit sechs Jahren im oberschwäbischen Bad Saulgau lebt.

Im Juli 2016 hat die gebürtige Horstmarerin das erste Ordensgelübde bei den Franziskanerinnen von Sießen abgelegt. Mit der Erstprofess begann für Barbara Reuver die fünfjährige Vorbereitungszeit, die im Sommer 2021 endet. „Dann werde ich die Ewige Profess ablegen“, erklärt die Burgmannstädterin, die ihre Entscheidung, ins Kloster zu gehen, bis heute nicht bereut hat und auch auf Dauer bereit ist, ihr Leben in Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam zu verbringen.

Zurzeit ist die Ordensschwester auf Heimaturlaub, den sie bei ihren Eltern im Häuschen am Borchorster Hof verbringt. Dort ist die studierte Theologin und gelernte Pastoralreferentin gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Andrea aufgewachsen. Die beiden Töchter haben es bei ihrem Vater hautnah miterlebt, was es heißt, für die Kirche zu arbeiten. So war Franz-Josef Reuver zunächst als Pastoralreferent und später als Diakon über 36 Jahre in der Pfarrgemeinde St. Gertrudis im Einsatz. Die nicht gerade familienfreundlichen Arbeitszeiten hätten eindeutig zu den Schattenseiten seines Berufs gehört, erinnert sich die Tochter. Das hinderte sie allerdings nicht daran, nach dem Theologiestudium in Münster ebenfalls eine Ausbildung zur Pastoralreferentin in Cloppenburg zu absolvieren.

Während ihr die Kirche als Kind oft zu „eng und scheinheilig“ vorgekommen sei, habe sie schon immer das Evangelium fasziniert. „Die Worte Jesu sind genial und sinnvoll. Es sind Worte, die in meinem Leben Relevanz haben“, betont die Ordensfrau, die ihr Klosterleben ein wenig mit dem in einer Familie vergleicht. „Dort nimmt man ja auch aufein­ander Rücksicht und spricht sich ab“, erinnert sich die Nonne an die Zeit zu viert in Horstmar. Heute lebt sie in einer 65-köpfigen Hausgemeinschaft, die Konvent genannt wird. Allerdings gibt es noch eine kleinere altersgemischte Beziehungsgruppe, in der drei Generationen an einem Tisch sitzen. Dort ist die 36-Jährige das „Nesthäkchen“. Schwer fällt diesem nach wie vor das frühe Aufstehen zur Laudes, die werktags bereits um 6 Uhr beginnt. Neben dem gemeinsamen Beten gibt es noch die persönliche Zeit mit Gott. Das Frühstück wird schweigend eingenommen, was dem erklärten „Morgenmuffel“ sehr entgegenkommt. Meistens schaffe sie es sogar vor ihrer Arbeit, die erst später beginnt und dafür abends länger dauert, spazieren zu gehen.

Mit 80 Prozent ist die Pastoralreferentin in zwei psychosomatischen Kliniken und einem Krankenhaus eingesetzt und mit 20 Prozent in einer Gemeinde. „Man sucht sich die Stelle nicht aus“, erklärt die Ordensschwester, dass die Leitung entscheidet, was die Situation auch ein wenig entspanne, da es die Frage erübrige, ob man sich richtig entschieden habe.

Gerne denkt die Nonne an ihren Berufsanfang als Pastoralreferentin zurück. So habe sie es sehr genossen, Geld zu verdienen und es auch auszugeben. Viel sei damals für Klamotten und Schuhe drauf gegangen, bekennt die jetzt stets in Schwarz und Grau Gewandete, die früher Pink, Lila und Rosa getragen hat und diese Farben immer noch liebt, was sich in der Einrichtung ihres Zimmers niederschlage.

„Ich hatte an die 100 Paar Schuhe“, erinnert sich die Ordensschwester an ihr anderes Leben. Auf das Shoppen muss sie aber nicht ganz verzichten. So kaufen sich die Klosterfrauen ihre Schuhe, Jacken, Schals und Brillen, die möglichst grau und schwarz sein sollten, selbst, während die übrige Ordenskluft gestellt wird. Als Einkaufsberaterin sei sie sehr beliebt, bestätigt eine der Freundinnen von früher.

Ihr Gehalt geht aufs Gemeinschaftskonto, nur etwas Taschengeld bleibt und mit diesen 150 Euro kommt die 36-Jährige fünf Wochen aus. Dafür betankt sie den Dienstwagen oder leistet sich unterwegs mal einen Kaffee.

Am morgigen Sonntag macht sich Marie-Pasquale wieder zurück auf den Weg ins Kloster. Wer sie predigen hören möchte, sollte am heutigen Samstag (17. Oktober) um 17 Uhr zur Vorabendmesse in die Gertrudiskirche kommen. Dort wird die Ordensfrau zum Sonntagsevangelium sprechen, was „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“, heißt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7637260?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686831%2F
Nachrichten-Ticker