Gefährliche Körperverletzung
Kieferbruch bei Geburtstagsfeier

Laer/Altenberge/Borghorst -

Wegen gefährlicher Körperverletzung hat das Amtsgericht Steinfurt einen 20-jährigen Mann aus Altenberge zu 90 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die er binnen drei Monaten abgeleistet haben muss, verurteilt. Dieser hatte auf einer Geburtstagsfeier in Laer zugeschlagen und dabei sein Opfer schwer verletzt.

Mittwoch, 17.05.2017, 08:55 Uhr aktualisiert: 18.05.2017, 15:15 Uhr

Wenn es unter Cliquen zu einer Straftat kommt, kann es mitunter schwierig werden, den Vorfall restlos aufzuklären. Das Amtsgericht Steinfurt benötigte deswegen auch zwei Prozesstage, um letztendlich den Drahtzieher einer Schlägerei in Laer zu verurteilen. Der 20-jährige Altenbergener hatte mehrere Zeugen dazu gebracht, für ihn auszusagen. Doch das ging für den Täter und einige Mitglieder seiner Clique in die Hose.

Bereits am 25. April stand der einschlägig vorbestrafte 20-Jährige vor Gericht. Mehr als zehn junge Frauen und Männer wurden vor drei Wochen als Zeugen vernommen. Vier von ihnen verstrickten sich während ihrer Aussagen in Widersprüche. Allesamt Freunde des Angeklagten. Sie müssen sich bald wegen uneidlicher Falschaussage vor Gericht verantworten. Obwohl sie dem Richter jetzt mitteilten, ihre Aussagen zurücknehmen zu wollen. „Zu spät“, sagte der Richter.

Im Oktober vergangenen Jahres feierten eine Laerer Mutter und ihre Tochter gemeinsam Geburtstag an der Pohlstraße. Die Mutter im Haus, die Tochter in einem Zelt. Vor dem Festzelt“ kam es zwischen dem Angeklagten und einem 19-jährigen Geburtstagsgast aus Borghorst zu einer Auseinandersetzung. Der Borghorster war die neue Liebe der Ex-Freundin des Beschuldigten aus Altenberge. Der Angeklagte schlug sofort zu. Dabei wurde das Opfer zunächst leicht verletzt. Danach fuhr der 20-Jährige mit seinen Kumpels von dannen.

Allerdings kehrte die Clique mit ihm nach einiger Zeit zurück und stellte das Opfer auf der Pohlstraße erneut. Diesmal aber waren die Schläge so heftig, dass der 19-Jährige aus Borghorst einen komplizierten Bruch des Unterkiefers davontrug. Zweimal wurde das Opfer bereits operiert. Ein drittes Mal steht ihm noch bevor.

Während der Verhandlung belasteten zwei 20- und 18-jährige Zeugen aus Steinfurt den Angeklagten schwer. „Ich war vier Jahre mit meiner Ex-Freundin zusammen. Das Opfer hat mich provoziert“, versuchte der Beklagte vergebens, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Der Jugendgerichtshelfer bestätigte seinem Klienten eine gute Sozialprognose und schlug eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht vor.

Die Staatsanwältin sah den Beschuldigten als Täter überführt an und beantragte vier Wochen Dauerarrest. Der Verteidiger holte weit aus und beschuldigte das Opfer, bei der ersten Schlägerei seinem Mandanten aufgelauert zu haben. „Mein Klient wurde genötigt“, forderte er Freispruch.

Die zweite handfeste Begegnung bezeichnete der Rechtsanwalt als zufällig und als einfache Körperverletzung. Außerdem kreidete er dem Gericht noch einen Formfehler an. Darüber hinaus beschwerte sich sein Mandant bei seinem „Letzten Wort“ noch beim Richter: „Die Zeugen und ich haben eine zweite Chance verdient.“ Doch dieser Satz stieß auf taube Ohren. Ohne lange zu überlegen, verurteilte das Gericht den 20-Jährigen aus Altenberge wegen gefährlicher Körperverletzung zu 90 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die er binnen drei Monaten abgeleistet haben muss.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4849798?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686834%2F
Nachrichten-Ticker