Außergewöhnliches Akustik-Konzert
Eine völlig neue Erfahrung

Laer -

Beste Unterhaltung in fast familiärer Atmosphäre bot Alexandre Zindel am Freitagabend im Rahmen des Laerer Kulturprogramms. Mag sein, dass der Barde mit seiner 36-saitigen Volkszither nicht überall auftreten und so überzeugen kann, im Alten Speicher jedoch begeisterte der Künstler sein Publikum, dass mit „Oohs“ und „Aahs“ und viel Applaus reagierte.

Montag, 15.01.2018, 09:14 Uhr aktualisiert: 16.01.2018, 15:50 Uhr
Alexandre Zindel bot im Rahmen des Laerer Kulturprogramms beste Unterhaltung in fast familiärer Atmosphäre für sein Publikum im Alten Speicher.
Alexandre Zindel bot im Rahmen des Laerer Kulturprogramms beste Unterhaltung in fast familiärer Atmosphäre für sein Publikum im Alten Speicher. Foto: Martin Fahlbusch

Wenn man ehrlich ist, war das am Freitagabend im Alten Speicher in Laer mindestens in zweierlei Hinsicht etwas Besonders. Einerseits war es so etwas wie die wunderbare Rehabilitation des Troubadix. Genau; eben jenes Künstlers, der in den bunten Abenteuern von Asterix und Obelix und seinen gallischen Mitstreitern so schmählich mit verklebtem Mund und seinem eingewickelten und harfenartigen Instrument bei den regelmäßigen Siegesfeiern nach den Kämpfen mit den vermeintlich übermächtigen Römern immer in die Baumkrone hinaufgezogenen wurde, damit er das Fest nicht stören konnte.

Der Barde von Freitagabend, Alexandre Zindel, bewies nämlich behutsam und überzeugend, was Barden eigentlich wirklich so alles draufhaben – wenn man sie nur lässt: Beste Unterhaltung in fast familiärer Atmosphäre nämlich. Und dieser sympathische Troubadour hielt ein Instrument im Arm, das, da waren sich spätestens nach den ersten beiden Liedern ohne Abstimmung beinahe alle Zuhörer einig, völlig zu Unrecht so wenig bekannt ist und kaum gespielt wird.

Mag sein, dass Alexandre Zindel mit seiner 36-saitigen Volkszither nicht überall auftreten und so überzeugen kann. Das mittlerweile meist Autoharp genannte Instrument wurde in Deutschland in den 1880er Jahren von dem Zitherbauer Karl August Gütter ersonnen. Unter dem Einsatz einer bestimmter Dämpfmechanik und mit den Fingern der linken Hand dafür gedrückten kleinen Knopftastatur beschert es der „Ur-Zither“ neue Klangfarben. Und dieser flirrende, zum Teil gläserne oder Glöckchen ähnliche Klang verband sich am Freitag im Alten Speicher vollkommen folgerichtig mit der schlichten, aber exzellent geführten und mitunter vorsichtig phrasierenden und herrlich klaren Stimme von Alexandre Zündel.

Dumm für den Erfinder Güter, dass der aus Deutschland in die Vereinigten Statten 1982 auswandernde Carl Zimmermann, diese Volkszitheridee stibitzte und sie jenseits des großen Teiches als Autonarr einführte, die bald in der Volks-, der Country- an Western und der Blue gras-Musik einen wichtigen Stellenwert errang.

Prima hingegen für all die Zuhörer von Alexandre Zindel, der mittlerweile als „Autoharpsinger“ oder besser als „Volkszithersänger“ in knapp sieben Jahren schon drei CD in dieser hörenswerten Stimm-Instrument-Kombination vorgelegt hat und nicht zuletzt durch sein charmant moderiertes Konzert ohne große Berührungsängste deutsche und internationale Volkslieder, französische Chansons von Edith Piaf und vor allen Dingen Charles Trenet, schottische und irische Volksweisen mit Country Hits des Ehepaars Johnny Cash und June Carter, die von ihrer Mutter, „Mother Maybell Carter, die Autoharp sozusagen in die Wiege gelegt bekommen hatte, zu einer unterhaltsamen Werkfolge verwoben hatte.

Und da dieses Liedgut mit seinen ganz unterschiedlichen Facetten, völlig interessante Hörerlebnisse durch die Art und Weise wie Alexandre Zindel dieses feingewirkte Programm zurückgenommen zelebrierte, fühlte sich auch Franz Schuberts „Forelle“ (mit einer leichten Prise Country) in dieser tönenden Gesellschaft pudelwohl. Apropos. So wohl war es großen Teilen dem Publikum, dass es nicht nur mit „Oohs“ und „Aahs“ sparte, sondern angeregt durch den Künstler mit seinen vier ganz unterschiedlich klingenden Autoharps (eine war sogar bluestauglich gestimmt und bearbeitet worden) mitsummte und leise mitsang.

Viel Beifall und höchst entspannte Begeisterung für Alexandre Zindel, seine Autoharps, seinen anrührenden Gesang und sein pfiffig präsentiertes Musikprogramm, das ihn als würdigen Troubadour auswies und dem zuzuhören, erwähntem Troubadix völlig neue Karriereperspektiven hätte eröffnen können. . .  

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