Eine ganz besondere Lehrerin
„Du was un büs mi en guett Vörbeld“

Laer -

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ist Reinhildis Ueding am Samstag auf dem Friedhof in Holthausen beerdigt worden. Die Seniorin war am 8. Januar im Alter von 87 Jahren verstorben. Sie engagierte sich nicht nur im Heimatverein und in der Caritas, sondern auch in der CDU Laer und Holthausen. Um seine engagierte frühere Kollegin trauert aber auch das Kollegium der Werner-Rolevinck-Schule und einige Schülergenerationen. Ihre Lehrerin nie vergessen, wird die ehemalige Schülerin Angelika Weide, die sich sehr gerne an die ganz besondere Lehrerin erinnert und ihr diesen Nachruf widmet.

Mittwoch, 17.01.2018, 19:00 Uhr
Im Alter von 87 Jahren ist Reinhildis Ueding am 8. Januar gestorben.
Im Alter von 87 Jahren ist Reinhildis Ueding am 8. Januar gestorben.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ist Reinhildis Ueding am Samstag auf dem Friedhof in Holthausen beerdigt worden. Die Freundin des Münsterländer Platt war am 8. Januar im Alter von 87 Jahren verstorben. Die Seniorin engagierte sich nicht nur im Heimatverein und in der Caritas, sondern auch in der CDU Laer und Holthausen. Um seine engagierte frühere Kollegin trauert aber auch das Kollegium der Werner-Rolevinck-Schule.

Angelika Weide ist einer ihrer ehemaligen Schülerinnen. Im folgenden Bericht erinnert sie sich an Reinhildis Ueding: „Zauberkreide? Das kannten wir Kinder nicht. Sie putzte die Tafel, benetzte die Kreide, sie schrieb etwas an und dann? Dann geschah nichts. Wie gebannt schauten wir Kinder auf die grüne Fläche, und staunten nicht schlecht, als so nach und nach ein Buchstabe nach dem anderen kreideweiß zum Vorschein kam. Da war er wieder, dieser heimliche Lehrplan, den man erst viel später begriff. Natürlich geschah etwas, die Klasse war still, die Aufmerksamkeit gebündelt, die Neugier geweckt. Wohl jeder Schüler, der von Frau Ueding unterrichtet wurde, kennt diese Anekdote, eine Parabel für eine ganz eigene, pädagogische Handschrift, die es nun zu würdigen gilt.

Da war ein Ziel für jede Klasse, eine Sitzordnung mit Konzept und ein Ideal, das nach einer Harmonie von Ganzheitlichkeit und Individualität strebte. Ihr ist es gelungen. Reinhildis Ueding – die war gerecht –, wie viele haben mir das in den letzten Tagen gesagt.

Frau Ueding, wie wir Schüler sie nannten, das war Profession mit Prinzip, ihr Beruf war Berufung, Disziplin ihre Haltung, Liebe und Achtung dem Kind sein Recht. Wir Kinder spürten das, denn sie nahm jeden ernst und alle mit. . . in die Baumberge, per Matrize mit Lückentext im Sachkundeunterricht.

Reinhildis Ueding bildete den ganzen Menschen, Sport war daher keine Nebensache, Bildung ohne Bewegung – für sie undenkbar. Die schlanke, zierliche Gestalt – keineswegs war sie unsportlich, im Gegenteil. Zum einen war es ihr eine Selbstverständlichkeit, aktiv am Turnunterricht teilzunehmen, zum anderen war es für uns flinke Kinderbeine eine große Not, sie beim Völkerball zum Gegner zu haben.

Ihre Wurftechnik war genial, ihr Reaktionsvermögen unschlagbar, und herje, was für ein Dilemma, hatte man sie rausgekickt, oh dieses mulmige Gefühl. . . Hier schließt sich der Kreis, Fairness war geboten, Revanche gefordert, was für ein Spaß.

Dann die tollen Schulausflüge. Billerbeck, Essen-Werden, das Bergbaumuseum in Bochum, das Schiffshebewerk in Henrichenburg, der Wochenmarkt in Münster, der Friedenssaal und Dom, durchweg gelungene Fahrten, die für ein Heimatgefühl sensibilisierten und im Nachgang auch erreichbar blieben für uns und unsere Familie. Erst jüngst wurde im Gespräch mit ihr deutlich, diese Orte haben biografische Bezüge. Das Ruhrgebiet und das Münsterland lagen ihr sehr am Herzen.

Viele ehemalige Schüler und Eltern aus Holthausen und Laer werden Reinhildis Ueding als eine bedeutende Grundschullehrerin in sehr guter Erinnerung behalten, sie hat auch meine Grundbildung aktiv geformt. Sie hat eine christlich-ethische Haltung in gesellschaftlicher Verantwortung gelebt, auch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Schuldienst. Ihr war es Selbstverständnis und Pflicht, bis ins hohe Alter das gesellschaftliche Miteinander in Laer und Holthausen in Politik und Caritas zu prägen und zu pflegen.

Ich verneige mich, sage Danke schön; Dank Di vör dien Dagwiärk, Du was un büs mi en guett Vörbeld.“

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