Mo., 13.08.2018

Von Italien nach Laer „Ich war der erste Italiener“

Salvatore Giantedeschi hat am 1. Mai 1980 seine Eisdiele in Laer eröffnet. Anfangs hatte der Italiener nur zwei Fenster, die sich zur Theke hin öffnen ließen. Heute können die Kunden drinnen und draußen sitzen.

Salvatore Giantedeschi hat am 1. Mai 1980 seine Eisdiele in Laer eröffnet. Anfangs hatte der Italiener nur zwei Fenster, die sich zur Theke hin öffnen ließen. Heute können die Kunden drinnen und draußen sitzen.

Laer - 

Dort, wo 15 Wirte existieren können, könnte mir auch eine Eisdiele gelingen. Das dachte sich Salvatore Giantedeschi, der vor fast 40 Jahren nach Laer gekommen ist und seine Eisdiele im Ewaldidorf eröffnete. Anfangs hatte der Italiener nur zwei Fenster, die sich zur Theke öffnen ließen. Doch als er merkte, dass der Laden brummte, wurde es mehr. Inzwischen ist Salvatore Laerer geworden.

Von Angelika Weide

„Ich war der erste Italiener“, Salvatore lächelt, „in Laer, nicht in Italien“, schiebt er spitzbübisch hinterher, eine geistreiche Pointe. Diese Verdichtung hat Potenzial, doch würde der bescheidene Eiscafé-Besitzer es selbst öffentlich nie aussprechen. Salvatore Giantedeschi war nämlich nicht nur der erste Italiener vor Ort, sondern auch der erste professionelle Eismacher, der couragiert die Laerer Außengastronomie eröffnete und zu guter letzt 2016 zum besten Eishersteller in ganz Deutschland gewählt wurde.

Also vier Mal Daumen hoch, der Kampanier winkt dezent ab. „Ich habe immer nur das gemacht, was ich gut kann und biete nur das, was auch mir schmeckt“. Und wieder funkelt es in seinen Augen. „Das sind Sahne, Milch, Eier und Zucker“, erklärt der Italiener, dass man in San Marco di Cavoti, ein kleines Dorf in Kampanien quasi mit diesen Elementen groß wird. Seine Eltern betrieben dort eine kleine Landwirtschaft, die Kontakte zur naheliegenden Molkerei ermöglichte und ihm zum Jobben verhalf.

Eine Location, die für ihn und für Laer ungeahnt schicksalsbestimmend war. Ein ehemaliger Dorfbewohner, und zu der Zeit schon sehr erfolgreicher Eismacher in Havixbeck brauchte Verstärkung, und suchte natürlich an der Quelle, wo Milch und Sahne floss.

„Er warb mich an und weil ich schon als 15-Jähriger in einer Eisdiele gejobbt hatte und Eis liebte, zögerte ich nicht lange.“ Die elterliche Landwirtschaft sei nichts für ihn gewesen, und so fuhr er 16-jährig, ganz alleine, mit nur einem Koffer per Zug nach Deutschland. Sein Chef, „er war wie ein väterlicher Freund für mich und brachte mir das Eis machen bei, außerdem ließ er mich experimentieren, was mich sehr motivierte, ich war sehr kreativ und wurde immer besser.“ Davon nahm natürlich sein Ziehvater Notiz und lud ihn zu einer Spazierfahrt ein. „Es war im September 1979, erst ging`s durch die Baumberge, dann kamen wir nach Laer.

In diesem kleinen Dorf zählten wir 15 Kneipen, da war mir klar: wo 15 Wirte existieren können, könnte mir auch eine Eisdiele gelingen, schließlich bot ich ein Produkt für die ganze Familie. Nicht einmal ein Jahr später, es war am 1. Mai 1980 war es so weit. Keine Werbung, keine Presse, nur gutes Wetter und. . . super Eis. „Anfangs hatte ich nur zwei Fenster, die sich zur Theke öffnen ließen, ich machte auf und es lief.“

Nervös, aufgeregt?. . .  „dafür war keine Zeit, irgendwann, ich erinnere mich noch genau, habe ich aufgesehen und der Vorplatz war voller Menschen, da war mir klar – ich bin akzeptiert, Laer mag mich. . . und na klar, mein Eis. Um 14 Uhr hatten wir aufgemacht, um 16 Uhr war nix mehr da, das ganze Eis war weg – Havixbeck musste mit einer Lieferung aushelfen.“

Geliebt wird er von den Laerern noch immer. Ob Familien, Kinder, Busfahrer, Radwanderer, bei gutem Wetter reicht die Schlange auch schon mal 20 Meter. Sein Erfolgsrezept? Auch das steht auf vier Säulen. „Du musst wissen, wie ein Dorf tickt. Ich komme ja selbst aus einem, solche Leute verstehen sich, da kannst du nicht einfach Tische rausstellen, das machst du nach und nach, du musst Hemmungen abbauen und Vertrauen gewinnen. Außerdem musst du deinen Job lieben und deine Produkte achten. Sahne, Milch und Eier, seien schließlich empfindliche Lebensmittel, „die spüren Klima und (Ver-)stimmungen“, weiß der passionierte Eismacher zu informieren, „auf schlechte Laune reagiert mein Eis sofort“.

Er weiß wovon er spricht, denn auch nach 38 Jahren ist er sich selbst noch ein treuer Kunde und schleckt täglich seine Portion. Aber ganz wichtig ist: „Die Familie muss hinter dir stehen, sie muss mitmachen und das ist nicht immer einfach, erst recht nicht in der Hochsaison, dann bist du rund um die Uhr an der Eismaschine. „Aber eigentlich“, und jetzt wird der 57-Jährige ernst, „wollte ich immer nur Kinder glücklich machen“. Diese Hürde war ein Leichtes, welches Kind geht schon alleine in ein Gasthaus und bestellt sich eine Cola, Milchshake oder Eis?- Keins. In einer Eisdiele aber ist jede Altersgruppe willkommen, und mit nur wenig Geld gibt´s schon was Leckeres auf die Hand, manchmal schon direkt nach der Schule.

Traurige Kinderaugen seien dem zweifachen Familienvater schon immer unerträglich gewesen, erst recht zum Saisonschluss, also beschloss er am letzten Tag der Saison das Eis an die Kinder einfach zu verschenken. Diesen Spaß gibt es heute nicht mehr. Aber das ist kein Grund zu Traurigkeit, das Saisonende ist nämlich abgeschafft, Salvatore macht durch, das ganze Jahr, er ist Laerer geworden.



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