Eine neue Stellle beantragt
„Wir sind auf Kante genäht“

Laer -

Die Aufgaben und Leistungen kommunaler Verwaltungen haben sich stark gewandelt. Jede Stadt- oder Gemeindeverwaltung, die effizient arbeiten will, muss flexibel sein und sich fortlaufend an die Bevölkerungsentwicklung anpassen. Doch dafür werden ausreichend Ressourcen benötigt, sprich Personal. Daran mangelt es offenbar im Laerer Rathaus.

Montag, 24.09.2018, 17:00 Uhr aktualisiert: 25.09.2018, 16:08 Uhr
Im Laerer Rathaus ist die Arbeitsbelastung für die Verwaltungsmitarbeiter kaum noch zu schaffen. Aus diesem Grund will die Kommune eine neue Stelle schaffen, um Engpässe zu vermeiden.
Im Laerer Rathaus ist die Arbeitsbelastung für die Verwaltungsmitarbeiter kaum noch zu schaffen. Aus diesem Grund will die Kommune eine neue Stelle schaffen, um Engpässe zu vermeiden. Foto: abi

Während der Beratung des gemeindlichen Stellenplans für 2019 schlug Maik ter Beek, Stellvertreter des Bürgermeisters, Alarm: „Wir sind auf Kante genäht.“

Trotz aller Bemühungen und Optimierung von Organisations- und Arbeitsprozessen befinde sich das Personal am Leistungslimit. „Es fehlen einfach Stunden“, machte ter Beek deutlich. Deshalb sieht der Entwurf des Stellenplans 2019 die Schaffung einer neuen Vollzeitstelle im Teil B „Tariflich Beschäftigte“ vor. Engpässe gibt es vor allem im Fachbereich 2 „Bürgerdienste, Soziales und Ordnende Verwaltung“.

Insbesondere im Arbeitsfeld „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“ sei das Arbeitsaufkommen gestiegen, so ter Beek. Derzeit würden alle Aufgaben ausschließlich durch die Fachbereichsleiterin wahrgenommen, die aber mit 30 Stunden pro Woche in Teilzeit arbeite. „Das lässt sich einfach nicht bewältigen und auch die anderen Mitarbeiter sind ausgelastet und können nicht immer einspringen“, schilderte ter Beek die Situation.

Besonders kritisch werde die Lage, wenn auch noch Vertretungen wegen Urlaub oder Krankheit anfielen. Außerdem sei zu bedenken, dass einige Aufgaben aus Sicherheitsgründen nicht von einer Person allein geleistet werden könnten, schon gar nicht von einer Frau. Dazu gehören zum Beispiel Hausbesuche bei männlichen Migranten, die Mitwirkung bei Zwangsräumungen oder Hausdurchsuchungen, die Unterbringung von psychisch Kranken und Obdachlosen.

Angesichts der angespannten Situation erscheint die Forderung nach einer einzigen neuen Stelle moderat. Damit würde die Zahl für den Bereich der Tarifbeschäftigten (Rathaus, Baubetriebshof, Grundschule) von aktuell 30,25 Stellen auf 31,25 Stellen steigen. Diese Personalquote ist im Vergleich zu anderen Kommunen niedrig.

„Laer liegt immer noch unter dem Mittelwert“, betonte ter Beek. Der liegt bei 4,58 Vollzeit-Stellen je 1000 Einwohner (Laer 4,21). Zur Errechnung der durchschnittlichen Personalquote werden die 128 NRW-Kommunen unter 25 000 Einwohner verglichen. Durch die neue Stelle würden laut Verwaltung Kosten von rund 50 000 Euro jährlich entstehen.

Unisono sprachen sich die Mitglieder im Haupt-und Finanzausschuss für die Erweiterung des Stellenplanes aus. „Es ist bedauerlich, dass unsere Verwaltung so schlecht besetzt ist und deshalb sind wir für die Aufstockung“, sagt CDU-Fraktionschefin Margarete Müller. „Das Ordnungsamt hat vielfältige Aufgaben und wir unterstützen die Einrichtung der zusätzlichen Stelle“, betonte auch Elke Schuchtmann-Fehmer (Grüne). Norbert Rikels, Fraktionsvorsitzender der SPD, brachte es auf den Punkt: „Die Lage ist eindeutig. Sparen ist nicht möglich, denn dann bleiben wichtige Aufgaben liegen.“

Auch die Freiwillige Feuerwehr hat Personalprobleme. Für die notwendige Inventarisierung der Geräte und Ausstattung fehlt es an Zeit. Deshalb will die Feuerwehr eine Stelle im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) einrichten. Dafür muss die Gemeinde beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben einen Antrag auf Anerkennung als Einsatzstelle des BFD stellen. Obwohl die Freiwilligen nur ein Taschengeld erhalten und der Bund Zuschüsse leistet, fallen für die Gemeinde Kosten für Sozialbeiträge an. „Wir müssen mit etwa 5500 Euro Eigenbelastung rechnen“, so Maik ter Beek. Der Ausschuss stimmte einmütig zu.

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