Laerer Hilfsprojekt „Fahrradwerkstatt“ schließt seine Türen
Kaum noch Bedarf an Leezen

Laer -

Es waren spannende Zeiten, als fünf Laerer Fahrradbegeisterte während der Flüchtlingskrise 2015 anfingen, gebrauchte Fahrräder für Flüchtlinge zu reparieren.Da aktuell weniger Flüchtlinge kommen, ist der Bedarf an Fahrräder kaum noch gegeben. Jetzt wird die Werkstatt eingestellt.

Dienstag, 02.10.2018, 17:00 Uhr aktualisiert: 05.10.2018, 15:44 Uhr
Haben 2015 mit der Reparatur von alten Fahrrädern für Flüchtlinge begonnen (h.v.l.): Manfred Kluthe, Manfred Litschmann, Karl Austerschulte und Dirk Steiner sowie sitzend: Martin Zimmer (l.) und Oliver Deitert..
Haben 2015 mit der Reparatur von alten Fahrrädern für Flüchtlinge begonnen (h.v.l.): Manfred Kluthe, Manfred Litschmann, Karl Austerschulte und Dirk Steiner sowie sitzend: Martin Zimmer (l.) und Oliver Deitert..

Es waren spannende Zeiten, als fünf Laerer Fahrradbegeisterte während der Flüchtlingskrise 2015 anfingen, gebrauchte Fahrräder für Flüchtlinge zu reparieren. Alles fing in dem Keller von Martin Zimmer an. Die gespendeten Fahrräder wurden von den Schraubern aufbereitet und die fahrtüchtigen Leezen an Flüchtlinge gegen ein kleines Geld abgegeben. Es wurde von Anfang an Wert darauf gelegt, dass die Fahrräder einen Preis haben, damit ein Werteverständnis bei den neuen Besitzern erzeugt wird.

Allerdings wurde der Platz schnell zu klein und es entstand die Idee, zusammen mit den Flüchtlingen die Räder zu reparieren. Es gelang mit Hilfe der Gemeinde eine kleine Garage zu bekommen. Zu dieser Zeit kamen bis zu 30 Flüchtlinge auf einmal. Einige halfen mit, zu schrauben, einige brauchten ein Fahrrad und andere sahen es als eine Möglichkeit, Kontakt zu knüpfen und Neuigkeiten untereinander auszutauschen.

Doch auch dieser Platz wurde irgendwann zu klein. Monate später fand man eine Lösung. Die alte Tankstelle und Fahrradwerkstatt Gersch am Klingenhagen konnten ebenfalls mit Hilfe der Gemeinde genutzt werden. Zwei Jahre lang wurde repariert mit und ohne Flüchtlinge. Es konnten viele gut erhaltene Fahrräder für einen kleinen Obolus verkauft werden.

Aktuell stehen die Kosten für die Werkstatt aber nicht mehr im Verhältnis zum Nutzen. Bislang konnten die Ehrenamtlichen nur an zwei Tagen für jeweils zwei Stunden Zeit für Reparaturen aufbringen. Auch ist der Bedarf gebrauchter Räder kaum noch vorhanden. Zudem kommen nur noch wenige Flüchtlinge in die Werkstatt, die ein Rad suchen, oder sich austauschen wollen, schreiben die Ehrenamtlichen in einem Pressetext.

Ein weiterer Grund liegt darin, dass die Fahrradschrauber um Martin Zimmer vergeblich gehofft hatten, dass das Reparieren nur der Anfang eines größeren sozialen Projektes sein würde. Die Hoffnung war, dass mit der Zeit andere Personenkreise und andere Angebote in einer Art Begegnungszentrum münden würden.

Insgesamt wurden 202 Fahrräder verkauft. Ein Teil des Erlöses wurde bereits in der Vergangenheit in Laer und in ein Hilfsprojekt in Afrika gespendet. Den noch verbleibenden Kassenstand von 3362,96 Euro möchten die Initiatoren nun wiederum nach Afrika spenden.

Für das Geld sollen dort Fahrräder für die Menschen vor Ort angeschafft werden. Die weiten Wege in afrikanischen Siedlungen machen es oft schwierig, eine Wegezeit ohne Auto zurückzulegen. Auch für die alltäglichen Dinge. Da ist ein Fahrrad eine große Hilfe, um besser den langen Schulweg zu meistern, Medikamente auszuliefern oder Waren zu transportieren.

Träger des Projektes ist die internationale Entwicklungsorganisation „World Bicycle Relief“ (WBR) mit Hauptsitz in Chicago. Sie leistet Hilfe zur Selbsthilfe.

Leser, die den Kassenbestand von 3362,96 Euro aufrunden wollen, können sich bei Martin Zimmer per E-Mail an martin.zimmer1@gmx.de melden. Die Fahrradschrauber sind für weitere Projekte ansprechbar, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Gebrauchte Fahrräder können noch bei Martin Zimmer abgegeben werden.

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