Schauspielerin aus Leidenschaft
Mit Herzblut von Rolle zu Rolle

Laer -

Claudia Kottke ist in ihrer Freizeit mit Leib und Seele Schauspielerin. Als solche schlüpft die 41-jährige Laererin auf der Billerbecker Freilichtbühne jede Saison in eine neue Rolle. Im jüngsten Stück „In 80 Tagen um die Welt“ hat die gebürtige Warendorferin eine Köchin namens „Mrs. Potts“ gespielt, die ihren exzentrischen Herrn auf seiner spannenden Reise durch zahlreiche Länder begleitet.

Mittwoch, 24.10.2018, 18:00 Uhr
Mit Diener James (André Stegemann) hat Köchin Mrs. Potts (Claudia Kottke) im Stück „in 80 Tagen um die Welt“ nur wenig zu tun, denn der verliert schon zu Anfang seinen Job. Für ihn folgt Diener Passepartout
Mit Diener James (André Stegemann) hat Köchin Mrs. Potts (Claudia Kottke) im Stück „in 80 Tagen um die Welt“ nur wenig zu tun, denn der verliert schon zu Anfang seinen Job. Für ihn folgt Diener Passepartout Foto: Carsten Kottke

Sie ist Mutter, Ehefrau und berufstätig. Doch ihre große Leidenschaft gehört der Bühne. Auf der steht Claudia Kottke jeden Sommer und zwar in Billerbeck. „Das sind von Laer aus doch nur elf Kilometer“, gibt die gebürtiger Warendorferin zu bedenken, dass der Weg zur Freilichtbühne im Kreis Coesfeld nicht weit ist. Dort hat die Diplompädagogin, die als Berufsvormund beim Verein Kreisel in Emsdetten arbeitet, ihre zweite Heimat gefunden. Jede Saison schlüpft die 41-Jährige in eine neue Rolle, was ihr besonderen Spaß macht.

„In 80 Tagen um die Welt“ mimte die ehemalige Marienschülerin die Köchin des Hauptdarstellers Phileas Fogg (Alexander Waltring) namens Mrs. Potts. Als solche begleitet ihren Herrn, der ein exzentrischer Engländer und Pünktlichkeitsfanatiker ist, auf seiner spannenden Reise durch zahlreiche Länder. Mit von der Partie ist auch sein Diener Passepartout (Lara Albert). „Das hat richtig Spaß gemacht“, resümiert die Akteurin nach zehn Aufführungen der Abenteuerkomödie nach Jules Verne, die jeweils freitags und samstags stattgefunden haben.

Ist dieser Einsatz gerade am Wochenende, wenn andere sich ausruhen können, nicht total anstrengend?“ Für Claudia Kottke nicht, denn sie spielt ebenso wie ihre Kollegen mit viel Herzblut und wahrem Engagement. „Ich kann herrlich abschalten und die manchmal sehr schweren Schicksale meiner Mündel vergessen“, begründet die Freundin von Rollenspielen ihre Motivation, immer wieder auf die Bühne zu steigen. Schließlich könne man nicht grübeln oder sich sorgen, wenn man seinen Text auswendig lerne oder spreche. Das erfordere eine Menge Konzentration, Disziplin und Durchhaltevermögen. Tugenden, die „Claudi“ – wie sie ihre Freunde liebevoll nennen – ausreichend hat.

Ohne die hätte die Frau, die sich um drei Kinder kümmert, vermutlich auch nicht sechs Spielsaisons in Folge durchgehalten. Seit 2013 steht die Amateurin jeden Sommer auf der Billerbecker Freilichtbühne. Ein Literaturkursus in der Schule hat ihr Interesse „an den Brettern, die die Welt bedeuten“ geweckt. Es folgte ein Einsatz beim Input-Theater im Kreativhaus in Münster.

Nach einer Familienpause verspürte die Mutter wieder Lust, zu spielen und bekundete ihr Interesse in einer Mail an die Freilichtbühne Billerbeck. Ein Glücksgriff, wie sich schnell herausstellte, denn die Theaterfreunde nahmen die „Neue“ freudig in ihre Reihen auf. Heute, sechs Jahre später, gilt die Laererin als alter Hase im Ensemble, was ihr bereits einige tolle Rollen beschert hat. So spielte die Diplompädagogin im Sommernachtstraum den Puck. „Das ist ein richtig fieser Möpp, der den anderen das Leben schwer macht“, beschreibt die Darstellerin den Charakter des komplett in schwarz gekleideten Wesens. Die Verwandlung in den Giftzwerg habe einige Zeit gedauert, erinnert sich die Akteurin an die lange Zeit in der Maske. Nur gut, dass ihr Mann Carsten alles in Bildern festgehalten hat. Als ihr größter Fan ist er offizieller Hausfotograf der Freilichtbühne geworden, die im Jahr insgesamt vier Stücke zum Besten gibt.

Und, welche Rolle hat ihr am meisten Spaß gemacht? Claudia Kottke muss gar nicht lange überlegen. „Die Amme in Robin Hood“, lautet ihre spontane Antwort. Die sei lustig gewesen, denn da hätte sie ständig hinter Lady Marian herrennen und sie betütteln müssen.

Mit „Trallala, aber ohne Schwulst“ geht es bei ihrem nächsten Einsatz zu. „Im Ring der Nibelungen“ unter der Regie von Johannes Lang verkörpert „Claudi“ die Frau des Göttervaters Wotan, Freyja. „Eine ziemlich wilde Geschichte von Macht, Gier, Liebe, Verrat und Inzest“, heißt es in der Vorankündigung der Freilichtbühne, die Wagners Ring in einer komprimierten Version von Alexander Liegl und Gabriele Rothmüller als eine verrückte Komödie mit Musik und viel Witz darbietet.

„Spaß wird das Ensemble in jedem Fall haben“, ist sich „Freyja“ sicher, die die gute Gemeinschaft im Verein, der insgesamt immerhin 650 Mitglieder zählt, besonders schätzt. 150 davon sind als Akteure auf der Bühne aktiv. Dass sie eine davon sein darf, macht Claudia Kottke stolz und glücklich zugleich, und sie hofft, dass das noch lange so bleibt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6142620?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686834%2F
Nachrichten-Ticker