Humorvolle Reise durch die Laerer Gastronomie in alter Zeit mit dem Heimatverein
„Half dick is weggschmieten Geld“

Laer -

In unseren Landen war schon früher alles mit amtlichen Vorschriften akribisch geregelt und schriftlich fixiert. Das erfuhren die Zuschauer des traditionellen Bildernachmittags, den der Heimatverein Laer wie Anfang jeden Jahres im Pfarrzentrum veranstaltete. Heinz Bröker und Klaus Bingel luden zu einer Zeitreise in die Vergangenheit ein. Die Mitglieder der Archivpflege und Fotogruppe sowie ihr Teamleiter Linus Stalbold präsentierten alte Aufnahmen gastlicher Stätten des Ewaldidorfes. Insgesamt 190 Fotos und Schriftstücke suchten die Männer dazu aus dem Archiv, das rund 37000 Fotos und Dokumente aus dem „alten Laer“ umfasst, zusammen.

Dienstag, 04.02.2020, 10:00 Uhr

Die Basismenge der gezeigten Bilder findet sich im Fotokalender 2020 des Heimatvereins wieder. Staunen gleich zu Anfang. Die Forscher förderten historische Definitionen vom Ende des 19. Jahrhunderts zutage, die erst einmal genau festlegten, welche Befugnisse gastliche Stätten haben. Unter dem Gattungsbegriff „Gasthaus“ ist eine Gastwirtschaft mit Fremdenbeherbergung und Ausspannung zu verstehen. „Ausspannung“ bedeutet die Möglichkeit, Pferde und Wagen von Reisenden unterzubringen. „Eine ‚Gastwirtschaft‘ war dem gegenüber eine Wirtschaft mit Fremdenbeherbergung, allerdings ohne Ausspannung. Beide Arten von Wirtschaften haben die Erlaubnis zum Ausschänken „geistiger Getränke jeder Art, „wenn nicht in der Konzession gegenteiliges vorbehalten ist“. Und dann gibt es noch die „Schankwirtschaft“ zur Verabfolgung von Getränken zum „Genusse auf der Stelle“.

Vorschriften zur Fremdenbeherbergungen gab es anno dazumal also bereits reichlich. „Ein mal wöchentlich ist das Stroh der Gästebetten zu wechseln“, zitierte Bröker. Ein Urinaltopf gehörte in jedes Zimmer und war alle zwei Tage zu leeren. Wie froh alle über den weitaus komfortableren Standard heutiger Beherbergungsbetriebe waren.

Dermaßen auf den Stand der Dinge gebracht, gab es für das Publikum ein Wiedersehen mit alten Wirtschaften und Laerer Originalen, die dort einst ihr Schnäpschen tranken. Ein Foto vom Landcafé Daßmann in Holthausen aus dem Jahr 1900 faszinierte ebenso wie eine historische Aufnahme der altdeutschen Schänke Smeddinck am Münsterdamm und ein Foto der Gaststätte Thüning hinter der Kirche. Zeitlose Sprüche wie zum Beispiel „Half dick is weggschmieten Geld“ („Halbbetrunken ist rausgeworfenes Geld“) hingen in vielen Kneipen an der Wand und waren wohl nicht ganz ernst gemeint.

Ratssitzungen wurden früher übrigens meistens in Gasthäusern abgehalten. Am 27. März (Freitag) wird der Gaststätten-Bildervortrag im „Haus Veltrup“ wiederholt. „Die Uhrzeit geben wir rechtzeitig bekannt“, kündigte Klaus Bingel an.

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