Unternehmernetzwerk hat eine Blitzumfrage zu den Auswirkungen der Corona-Krise gestartet
76 Prozent fühlen sich betroffen

Laer -

„Die Verzweiflung bei einigen ist sehr groß“, resümiert Dr. Reinhard Lülff, Vorsitzender des Unternehmernetzwerkes Laer, das jetzt eine Umfrage unter seinen Mitgliedern hinsichtlich der Auswirkungen der Corona-Krise vor Ort durchgeführt hat. 55 Fragebögen sind dabei zurückgeschickt worden. Dabei gaben 76 Prozent der befragten Unternehmer oder Inhaber von Geschäften an, von der Pandemie betroffen zu sein.

Mittwoch, 08.04.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 15:34 Uhr
Klemens Mormann, Dr. Reinhard Lülff und Karin Decker (v.l.) hoffen gemeinsam mit Bürgermeister-Stellvertreter Gerrit Thiemann, dass die Corona-Krise bald überwunden werden kann.
Klemens Mormann, Dr. Reinhard Lülff und Karin Decker (v.l.) hoffen gemeinsam mit Bürgermeister-Stellvertreter Gerrit Thiemann, dass die Corona-Krise bald überwunden werden kann. Foto: Marion Fenner

Einen Stimmungstest in Form einer Blitzumfrage hat das Unternehmernetzwerk Laer (UNL) jetzt unter seinen Mitgliedern durchgeführt. „Wir wollten wissen, wie sich die Corona-Krise konkret auf die Unternehmen in unserem Ort auswirkt“, sagte Dr. Reinhard Lülff, Vorsitzender der UNL und Vorsitzender der Geschäftsführung der Firma Welotec. 55 Fragebögen sind zurückgeschickt worden. Bei etwa 160 Mitgliedern sei das eine sehr gute Quote, findet Lülff. „Vor allem weil viele Unternehmer gerade in diesen Zeiten andere Sorgen haben, als einen Fragebogen auszufüllen“, ergänzt Klemens Mormann, Zweiter Vorsitzender der UNL und Geschäftsführer der Firma Vomo Leichtbautechnik. Im Beisein des stellvertretenden Bürgermeisters Gerrit Thiemann stellten Lülff, Mormann und Karin Decker, Inhaberin des Brautmodengeschäftes Seidenweiss und Vorstandsmitglied vom UNL die Ergebnisse der Umfrage vor.

76 Prozent der befragten Unternehmer oder Inhaber von Geschäften gaben an, von der Corona-Pandemie betroffen zu sein. 16 Prozent sagten, dass derzeit keine Einschätzung möglich sei.

Von einem extremen Rückgang des Umsatzes gehen 40 Prozent der Teilnehmer der Umfrage aus. Sie rechnen mit Einbußen von über 25 Prozent. 27 Prozent befürchten einen erheblichen Rückgang zwischen zehn und 25 Prozent des Umsatzes. Zwölf Prozent der Befragten vermuten, dass ihr Umsatz um bis zu zehn Prozent geringer ausfallen wird.

40 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass es in ihrem Betrieb Kurzarbeit geben werde, 41 Prozent haben schon Soforthilfen beantragt. Kredite von der KfW-Bank wollen dagegen nur sieben Prozent in Anspruch nehmen.

Gefragt wurde außerdem, wie die Unternehmen die Arbeit ihrer Hausbank bei der Bearbeitung und Bewilligung derartiger Kredite einschätzen. 14 Prozent antworteten mit „nicht gut“, sieben Prozent kreuzten „positiv“ an. 78 Prozent beurteilten die Arbeit als „neutral“. Das Verhalten der Banken, beziehungsweise die Zusammenarbeit bei den Themen Änderung des Kreditlimits sowie der Streckung von Zins- und Tilgungsraten beurteilten zwölf Prozent der Unternehmer mit nicht gut, 16 Prozent empfanden die Zusammenarbeit als positiv.

44 Prozent der Teilnehmer der Umfrage befürchten eine geringere Nachfrage nach ihren Produkten als eine Auswirkung der Corona-Pandemie auf ihre Geschäfte. 21 Prozent gehen davon aus, dass Krankheit von Mitarbeitern eine Auswirkung habe. 15 Prozent leiden unter dem Ausfall von Messen, 21 Prozent unter fehlenden Waren und Dienstleistungen. 20 Prozent der Befragten spüren Auswirkungen durch Schließung oder Reisebeschränkungen, 15 Prozent durch Liquiditätsengpässe.

Bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen von Gründen möglich. Gründe sind außerdem, dass Kunden keine fremden Menschen ins Haus lassen, die Sorge vor einer Schließung der eigenen Firma infolge von Infektionen oder Quarantäne-Anordnungen. Auch durch die Absage von Veranstaltungen sind einige Firmen betroffen.

Gefragt hat das UNL außerdem nach weiterem Informationsbedarf. Die Befragten würden sich vor allem mehr Informationen zu Lohnerstattung und Schadensersatz wünschen, ebenso zu dem Umgang mit Verdachtsfällen oder Infizierten im Betrieb. Auch bestehen Fragen zum Erstellen eines innerbetrieblichen Pandemieplans, zum Kurzarbeitergeld und zu allgemeinen Unterstützungsangeboten.

„Was brennt Ihnen in der Corona-Krise auf dem Herzen?“, lautete eine weitere Frage. Die Exit-Strategie von NRW, Aufbaupläne nach der Corona-Zeit oder auch, welche Lehren aus dieser Pandemie gezogen werden, waren einige Antworten. Viele wünschten sich ein baldiges und vor allem gute Ende der Krise. Andere hätten gerne einen klaren Zeitplan, wie es weitergeht. Es gab auch Forderungen nach einer Absenkung der Mehrwertsteuer von sieben Prozent für gastronomische Betriebe, den Wunsch nach mehr Respekt gegenüber Handwerkern und dem Einhalten des Sicherheitsabstandes. Auch mehr Testmöglichkeiten wünschen sich einige Unternehmer. Das Thema Kinderbetreuung bewegt die Geschäftsleute ebenfalls. Aber auch der Wunsch nach Gesundheit wurde formuliert.

„Was kann die Gemeinde tun“, fragte Thiemann. „Optimismus verbreiten“, sagte Lülff. „Die Verzweiflung bei einigen ist sehr groß“, erklärte Decker. Es gebe auch Unternehmen, die bereits Insolvenz angemeldet hätten.

Die Vorstandsmitglieder des UNL freuen sich, dass die Krise viele Geschäftsleute so kreativ gemacht habe. Aber alles werde über Online-Angebote nicht zu lösen sein. Der stellvertretende Bürgermeister wies noch einmal auf das ehrenamtliche Hilfsangebot des ehemaligen Bürgermeisters Detlev Prange hin, das bisher schon große Nachfrage erfahre.

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