Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die heimische Gastronomie
Krise macht erfinderisch

Laer -

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Gastronomen und Hoteliers auch in Laer arg gebeutelt. Um so glücklicher sind die Betroffenen, dass sie Mitte Mai wiedereröffnen durften. Allerdings haben es die Auflagen in sich. So sind die gebotenen Hygiene- und Abstandsregelungen strikt einzuhalten und ohne Maske geht es meistens auch nicht. Das zeigt ein Besuch bei den Lopergolos, die das „Al Camino“ betreiben.

Freitag, 12.06.2020, 18:43 Uhr aktualisiert: 14.06.2020, 16:50 Uhr
Tomaso und Martina Lopergolo (l.) zeigen dem Bürgermeister-Stellvertreter Gerrit Thiemann ihren umgestalteten Biergarten. Blumenkübel geben den Besuchern den Weg vor und trennen die Tische voneinander ab.
Tomaso und Martina Lopergolo (l.) zeigen dem Bürgermeister-Stellvertreter Gerrit Thiemann ihren umgestalteten Biergarten. Blumenkübel geben den Besuchern den Weg vor und trennen die Tische voneinander ab. Foto: Sabine Niestert

„Wie haben die Gastronomen und Hoteliers im Ewaldidorf den Stillstand ausgelöst durch die Corona-Pandemie überstanden, und wie geht es ihnen jetzt mit den Lockerungen?“ Das wollte der stellvertretende Bürgermeister und Geschäftsführer des Dorfmarketingvereins Laer, Gerrit Thiemann, wissen und hat dazu eine Umfrage gestartet. Für die WN hat er einen Besuch im „Al Camino“ am Klingenhagen 4 initiiert. Dort begrüßen Martina und Tomaso Lopergolo, die das Restaurant betreiben, und seit dem 14. Mai wieder geöffnet haben, ihre Interview-Gäste. Die Eheleute hoffen, dass sie inzwischen das Schlimmste hinter sich haben und demnächst wieder sonntags – wie vor dem Ausbruch – ausgebucht sind.

„Es ist schlimm, wenn man unverschuldet in eine Krise gerät und Schulden machen muss“, erklärt Martina Lopergolo, dass der dreimonatige Ausfall nicht ohne finanzielle Folgen für den Familienbetrieb geblieben ist.

Doch die Not hat die Lopergolos auch erfinderisch gemacht. So haben sie während der Zeit der Schließung ihren Außer-Haus-Verkauf ausgebaut und eigens eine Abhol-Station installiert. Dort reichen sie das bestellte Essen aus dem Fenster, um ihre Kunden und auch sich zu schützen. Schließlich ist die Hausherrin gesundheitlich vorbelastet und sorgt sich auch um die Gesundheit ihrer Familie. Die hält natürlich auch in der Krise fest zusammen.

Dass die Ausnahme-Situation ihnen einiges abgefordert hat, wird im Restaurant deutlich. Von den früher 60 Sitzplätzen sind nur noch 30 übrig geblieben, und die Tische stehen weit auseinander. Auf ihnen findet sich auch keine Deko, sondern nur ein Platzset statt der üblichen Speisekarte. Beim Gang durch das Restaurant herrscht Maskenpflicht.

„Ich erkläre den Kunden alles sofort, wenn sie hereinkommen“, erklärt Martina Lopergolo. Die dreifache Mutter führt die Gäste an einen kleinen Tisch, an dem sie sich erst mal an einem Spender der Hände desinfizieren und in eine Liste eintragen müssen. Auf die Toilette darf jeweils nur einer, was über die Schilder „frei“ oder „besetzt“ angezeigt wird.

Nach dieser Einführung, die fünf bis zehn Minuten dauern kann, werden die Besucher an ihre Tische geleitet. Das gilt auch für den Biergarten, der sich in ein buntes Blumenmeer verwandelt hat. Dort steht jeder Tisch separat, und der Weg ist durch die Anordnung der Blumenkübel vorgegeben.

„Man muss den Menschen die Angst nehmen“, erklärt die Hausherrin, die peinlich darauf achtet, dass auch im Thekenbereich und in der Küche Masken getragen werden. Die hat die Hausherrin selbst genäht. Überhaupt haben die Eheleute viel Kreativität an den Tag gelegt, um die Krise einigermaßen glimpflich zu überstehen und die über 50 Prozent weniger Gäste einigermaßen auffangen zu können.

„Der Außenverkauf ist inzwischen wieder ein wenig zurückgegangen“, bilanziert Tomaso Lopergolo, der sich mit seiner Frau freut, dass sie die Gäste jetzt wieder persönlich in ihrem Restaurant begrüßen können. Allerdings sei der Betrieb nach der Wiedereröffnung eher schleppend angelaufen, befürchtet das Ehepaar, dass die Menschen noch verunsichert sind. Sie hoffen natürlich, dass sich das schnell legt und ihr Platzierungs- und Reservierungsbuch bald wieder prall gefüllt ist.

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