Alfons Huckebrink und Gudula Ritz stellen ihr neuestes Buch „Unterwegs zum Selbstsein“ vor
Von den Gründen des Reisens

Laer-Holthausen -

„Chi n‘esce rinasce – Wer weggeht, wird wiedergeboren“, besagt ein verbreitetes sizilianisches Sprichwort. Darauf berufen sich Alfons Huckebrink und Dr. Gudula Ritz. Der Literaturkritiker und die Diplom-Psychologin haben ihr zweites gemeinsames Buch herausgegeben. Ihr Werk trägt den Titel „Unterwegs zum Selbstsein“ und befasst sich mit den Beweggründen des Reisens, die so vielfältig wie die Menschen sind.

Sonntag, 26.07.2020, 06:47 Uhr
Passend zur sommerlichen Reisezeit haben Dr. Gudula Ritz und Alfons Huckebrink ihr neuestes gemeinsames Buch „Unterwegs zum Selbstsein“ herausgegeben. Darin geht es um die vielfältigen Beweggründe des Reisens.
Passend zur sommerlichen Reisezeit haben Dr. Gudula Ritz und Alfons Huckebrink ihr neuestes gemeinsames Buch „Unterwegs zum Selbstsein“ herausgegeben. Darin geht es um die vielfältigen Beweggründe des Reisens.

Sie segeln, wandern und radeln gerne, sind aber auch für alles andere offen, was die Art des Urlaubmachens angeht. Kreuzfahrten, Pauschalreisen mit dem Flieger oder tagelanges Sonnenbaden am Strand reizen Dr. Gudula Ritz und Alfons Huckebrink zurzeit allerdings weniger. Doch die Di­plom-Psychologin und der Literaturkritiker schließen nicht aus, dass sich das einmal ändert, schließlich wechseln mit zunehmenden Alter auch die Vorlieben.

„Es ist wichtig, dass man seine eigenen Bedürfnisse kennt“, meinen die beiden Autoren, die gerade ihr neuestes Buch mit dem Titel „Unterwegs zum Selbstsein“ herausgegeben haben. Dabei geht es um die Beweggründe des Reisens, die so verschieden wie die Menschen sein können.

Nach ihrem Buch „Autor des eigenen Lebens“, das 2012 herauskam und Anleitung zur Selbstentwicklung gibt, handelt es sich um die zweite gemeinsame Publikation des Ehepaares, das seit drei Jahren in Holthausen wohnt. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, erklärt Gudula Ritz in einem Gespräch mit dieser Zeitung, zu dem ihr Mann und sie in den idyllischen kleinen Ortsteil von Laer eingeladen haben.

Im herrlich blühenden Garten kommen in den gemütlichen Schaukelstühlen unterm Sonnenschirm fast automatisch Urlaubsgefühle auf. Regungen, die die beiden Autoren nur allzugut kennen. Das hat sie auch motiviert, ihr zweites gemeinsames Werk in Angriff zu nehmen.

„Die Arbeit am Reisebuch ruhte zwischendurch immer wieder, zum einen, weil wir reisten, anstatt zu schreiben, und zum anderen, weil wir sesshaft wurden, uns ein Haus bauten, einen kleinen Garten gestalteten und bewirtschafteten“, heißt es im Vorwort. Beides ließe sich genießen und miteinander vereinbaren, und so lebe man seit Jahren in einer „Work-Life-Travel-Balance“, denn arbeiten möchte man schließlich auch noch, zeigen sich die Eheleute zufrieden. Gerade freuen sie sich wieder auf einen gemeinsamen Urlaub, den sie auf ihrer kleinen Segeljacht Calypso in der Nordsee verbringen werden. Segeln ist die große Leidenschaft von Gudula Ritz, die Psychologie, Ethnologie und Pädagogik in Münster studiert hat und heute als Beraterin und Expertin für Persönlichkeitsentwicklung sowie als Wissenschaftlerin arbeitet. Seit 30 Jahren ist die Buchautorin Lehrbeauftragte und Gastprofessorin an verschiedenen Universitäten und seit zehn Jahren Geschäftsführerin der Impart GmbH, einem Spin-Off der Universität Osnabrück.

„Segeln ist körperlich sehr anstrengend“, zeigt sich die Diplom-Psychologin glücklich, dass sie ihr Hobby mit dem Ehemann teilen kann. Immerhin liebt er die See, während sie auch die Berge sehr schätzt.

„Wir reisen aber auch zu Orten, die per Schiff einfach nicht zu erreichen sind“, erklärt Alfons Huckebrink. So steuerte das Duo beispielsweise auch Tansania, die Cóte d‘Opale, Usbekistan oder die Pyrenäen an.

Woran sie beim Reisen als Erstes denke, sei abhängig davon, in welcher Situation oder Stimmung sie sich gerade befände. Seien eher Neugier und Entdeckerfreude vorherrschend oder die unbestimmte Sehnsucht nach Anregung und Freiheit sowie die Flucht aus der Routine, nennt Gudula Ritz nur einige der zahlreichen Motive, die die Menschen bewegen, zu reisen. Natürlich könne auch nur der Wunsch bestehen, sich zu erholen und verwöhnen zu lassen oder neue Abenteuer zu bestehen.

„Reisen heißt auch Freiheit und Entdeckung von Möglichkeiten, die sich vom Bekannten abheben, bedeutet Begegnung oder Aufgehobensein in der Natur, sich überall auf dem Planeten zugehörig und zu Hause zu fühlen“, meint Alfons Huckebrink, für den auch das Schreiben „Woanderssein“ und Veränderung bedeutet.

Das Phänomen des Reisens könne aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven betrachtet werden und zwar der Soziologie, der Ethnologie, der Geschichtswissenschaft, der Ökologie, der Tourismuswissenschaft und der Psychologie. Bisher sei das Reisen wissenschaftlich wenig untersucht worden, möglicherweise , weil es vor allem als lustvolle Freizeitbeschäftigung mit Urlaub in Verbindung gebracht würde“, gibt der Literaturkritiker zu bedenken, der Mitveranstalter der Münsteraner Literaturmeisterschaften und Verfasser der Trilogie über die Kunstfigur Thomas Bitterschulte (wir berichteten) ist. Nicht nur die autobiografische oder biografische Aufmerksamkeit, zum Beispiel in Form von autografischem Schreiben, eröffne Wege zum Selbstsein und zu mehr Selbstgespür, auch das Reisen sei ein Königsweg dahin, meint der Mann des Jahrgangs 1953, der in Emsdetten geboren worden ist.

„Chi n´esce rinasce – Wer weggeht, wird wiedergeboren“, besagt ein verbreitetes sizilianisches Sprichwort. Eine Erfahrung, die die beiden Autoren jedem Reisenden wünschen, egal, für welche Art des Unterwegssein dieser sich entscheidet. Mit einigen der bedeutenden Reiseberichte in der Literaturgeschichte, mit verschiedenen philosophischen Ansätzen und Erklärungsmodellen aus der Psychologie versucht das Autorenpaar, das niemanden belehren will, zu klären, welche Motive dem Reisen zugrunde liegen.

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