Gottesdienste in Corona-Zeiten
Gartenstühle anstatt Kirchenbänke

Laer -

Die Gemeinde Heilige Brüder Ewaldi feiert derzeit ihre Gottesdienste wie viele andere Gemeinden draußen vor der Tür. Dazu wurde kurzerhand ein Anhänger angeschafft, auf dem rund 200 Stühle, zwei Biertische und ein Klavier gepackt sind. Dieser Anhänger wird dann vor jedem Gottesdienst zum jeweiligen Standort gezogen.

Dienstag, 22.09.2020, 16:18 Uhr
In Corona-Zeiten finden die Gottesdienste der kath. Pfarrgemeinde Hll. Brüder Ewaldi auch mal neben der Kirche in Holthausen oder wie hier auf der Fläche vor der Fünf-Wunden-Kapelle in Altenburg statt.
In Corona-Zeiten finden die Gottesdienste der kath. Pfarrgemeinde Hll. Brüder Ewaldi auch mal neben der Kirche in Holthausen oder wie hier auf der Fläche vor der Fünf-Wunden-Kapelle in Altenburg statt. Foto: pd

Was tun, wenn zu Gottesdiensten zwar bis zu 300 Teilnehmende wieder möglich sind, aber die üblichen Corona-Hygienevorschriften, die Steuerung des Zutritts und der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet sind? Die Gläubigen feiern einfach draußen. Denn dort gilt der Mindestabstand nicht, sofern die Rückverfolgbarkeit mit Sitzplan sichergestellt ist. Die Gemeinde Heilige Brüder Ewaldi ist dabei auch noch erfinderisch.

Noch vor der Corona-Pandemie hatte die Kirchengemeinde den Plan gefasst, unter dem Motto „Kirche auf dem Weg“ vor die Tür zu gehen. „Im Mai mussten wir jedoch überlegen: Wie kriegen wir das mit den Gottesdiensten wieder hin?“, berichtet Andreas Ullrich, Leitender Pfarrer in Laer, Holthausen und Beerlage.

Ein Mitglied des Kirchenvorstands besaß ausreichend Mobiliar, um Partys auszurichten. „200 Stühle, zwei Biertische und unser Klavier haben wir auf einen Anhänger gepackt und los ging es“, schildert Pfarrer Ullrich.

Samstagabends wird der Anhänger von einem Team aus Laer oder aus Holthausen am Pfarrhaus abgeholt und am jeweiligen Gottesdienstort aufgebaut. „Das regeln die Teams ehrenamtlich über ihre Smartphones, da bin ich gar nicht involviert“, so der Seelsorger weiter. Der Küster bringt dann die Mikrofonanlage und die Liturgiegefäße mit. Oft fänden sich Höfe, die genug Platz böten, in der Scheune oder auf einer Wiese, sagt der leitende Pfarrer und ergänzt: „Der Trend geht coronabedingt und auch wegen des guten Wetters zur Open-Air-Messe.“ Die finde dann auch mal neben der Kirche in Holthausen oder auf der Fläche vor der Fünf-Wunden-Kapelle in Altenburg statt.

Bereits im vergangenen Jahr konnte die Pfarrgemeinde üben. „In Holthausen musste unsere Kirche für eine Renovierung geschlossen werden, von daher waren ähnliche Überlegungen schon da.“

Gute Erfahrung hat der Pfarrer auch mit Trauerfeiern am Wohnort der Verstorbenen gemacht. „In einem Fall war die Großmutter mit über 90 verstorben, dann wurde dort auf dem Hof gefeiert. Alle hatten genug Platz und konnten Abstand halten.“ Die Kirche auf dem Anhänger wurde dann zu einer weiteren Familie gefahren, die eine Angehörige verloren hatte: „Die Familien konnten sich so gegenseitig trösten, da sie beide in einer ähnlichen Situation waren. Solche Begegnungen hält Kirche unter den Menschen lebendig“, sagt Pfarrer Ullrich, der bisher nur eine Hochzeit mit ähnlichen Begleitumständen absolviert hat. Taufen werden aktuell nicht wie vor Corona mit mehreren, sondern nur noch mit einzelnen Familien durchgeführt.

Dass der Altar der mobilen Kirche ein Biertisch ist, bedeckt mit einem sauberen Tischtuch, ist für Ullrich kein Problem. „Wichtig ist doch, dass Kirche zu den Menschen geht. Theologisch gesprochen ist Kirche da, wo die Menschen sind.“ Viele junge Leute und Familienväter hätten beim Aufbau mitgeholfen: „Ich treffe Leute, die sonst so nicht in die Kirche kommen.“

Zumindest bis zum kommenden Wochenende seien derartige Gottesdienste wegen des tollen Spätsommers noch möglich. Aber wie geht es weiter im kühlen Herbst oder im kalten und ungemütlichen Winter? Dann werden die Gottesdienste in den beiden Kirchen abgehalten. „Aktuell wird in Arbeitskreisen geplant, wie sie beispielsweise die Kinderkrippe in der Vorweihnachtszeit unter den Corona-Hygienevorschriften gestalten können. Im Gespräch ist, die so durchzuführen, wie aktuell die Kinderkommunion, also gruppenweise“, erläutert Pfarrer Andreas Ullrich und fügt hinzu: „Wegen der coronabedingten Beeinträchtigungen sprüht es nur so voller toller Ideen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7596826?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686834%2F
Nachrichten-Ticker