Jan Voß von Vomo und Schulhausmeister Guido Surmund haben eine Abluftkrake entwickelt
Innovation für die Grundschüler

Laer -

Um die Schüler- und Lehrerschaft besser gegen das Coronavirus zu schützen und den Präsenzunterricht möglichst lange aufrechterhalten zu können, hat die Gemeinde Laer als Schulträger rund 17 000 Euro in Abluftanlagen für die 13 Klassen der Werner-Rolevinck-Grundschule investiert. Diese hat Jan Voss, Geschäftsführer der Firma Vomo, gemeinsam mit dem Schulhausmeister Guido Surmund entwickelt.

Montag, 01.03.2021, 20:10 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 15:58 Uhr
Während einer Pressekonferenz, an der
Während einer Pressekonferenz, an der

Not macht bekanntlich erfinderisch und kreativ. So ist es auch bei der Gemeindeverwaltung und dem Rat. Gemeinsam suchten sie schon im vergangenen Jahr nach einer Möglichkeit, den Präsenzunterricht an der Werner-Rolevinck-Schule auch in Zeiten des Lockdowns möglichst lange aufrechtzuerhalten. Während der Dezember-Sitzung des neu gewählten Rates diskutierte man über die Anschaffung von Luftreinigungsgeräten. Dem lag ein Antrag der FDP zugrunde. Da diese Reinigungsgeräte aber nicht den Sauerstoffgehalt der Luft erhöhen, entschied sich der Rat für den Vorschlag der Verwaltung, Lüftungskraken in den Klassenräumen der zu installieren.

Auf die Alternative zu den klassischen mobilen Luftreinigungsgeräten war Matthias-Holger Reher bei seinen vorherigen Recherchen gestoßen. Der Leiter des Fachbereichs II, der nicht nur für Bürgerdienste, Soziales und ordnende Verwaltung, sondern auch für das Schulwesen zuständig ist, hatte von dieser alternativen Lösung des Max-Planck-Institutes gehört. Diesem zufolge konnte Dr. Frank Helleis feststellen, dass mit seinem System bis zu 90 Prozent der Aerosole reduziert werden konnten.

Ein Konzept, dass den Entscheidungsträgern sehr zusagte. Allerdings waren sich alle einig, dass man dieses noch verfeinern und auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden sollte. Deswegen nahm Bürgermeister Manfred Kluthe Kontakt zum heimischen Unternehmen Vomo Leichtbautechnik auf, dass mit der Gemeinde Laer diese einmalige Anlage entwickeln wollte. Da ihm eine wissenschaftliche Einschätzung des Vorhabens, einen eigenen Prototyp zu entwickeln, wichtig erschien, suchte der Gemeindechef auch das Gespräch mit der Fachhochschule Steinfurt.

Passend zum Schulstart in der vergangenen Woche wurden die Abluftanlagen in allen 13 Klassenräumen unter den Decken installiert und in Betrieb genommen. Ihre Vorteile liegen aus Sicht des Bürgermeisters auf der Hand. So werden die potenziell mit Coronaviren kontaminierten Aerosolo über Abluftschirme über den Kindern abgesaugt und nach draußen abgeführt.

Während eines Pressetermins, an dem auch die kommissarische Schulleiterin, Sylvia Beyer, und der stellvertretende Schulpfleg­schaftsvorsitzende, Dirk Voß, teilnahmen, lobte der Bürgermeister den Einsatz von Jan Voß, der viel Energie und Elan in die Konzeption gesteckt und immer mehr optimiert hat, bis der Prototyp in seiner jetzigen Version von allen Seiten für gut befunden wurde. Dabei hat der Geschäftsführer von Vomo eng mit Schulhausmeister Guido Surmund zusammengearbeitet. „Die Absaugstellen müssen auch nicht direkt über dem Kind angebracht sein“, erklärt Jan Voß. Bei der sogenannten Quellbelüftung unterstützen die Schüler den Effekt zusätzlich durch ihre aufsteigende Körperwärme den Auftrieb der Luft, die dann kontrolliert aus dem Raum befördert würde. Gleichzeitig werde über einen separaten Zuluftkanal permanent Frischluft zugeführt und die ganze Raumluft somit drei mal in der Stunde komplett ausgetauscht. Darüber freut sich die kommissarische Schulleiterin besonders, denn sie weiß, wie schnell nicht nur die Konzentration der Kinder, sondern auch der Lehrer sinkt, wenn die Luft im Klassenraum verbraucht ist. „Trotzdem werden wir natürlich weiter lüften und Masken tragen“, kündigt Sylvia Beyer an. An das Geräusch der Anlage hat sie sich bereits gewöhnt. Lauter wird diese, wenn sie in den Pausen auf Stufe zwei gestellt wird. Dann tauscht sie aber auch die doppelte Menge Luft aus. Damit erübrigen sich auch CO-Messgeräte (Ampeln), da die permanente Frischluftzufuhr für eine sauerstoffreiche und kohlendioxidarme Luft sorgt. Das bessere Raumklima fördert das Wohlbefinden, was auch an heißen Tagen eine Rolle spielen dürfte.

Bürgermeister Kluthe zeigt sich begeistert davon, dass keine Filter ausgetauscht werden müssen, was dem Hausmeister viel Arbeit und dem Schulträger Kosten erspart. „Wir haben damit eine Lösung gefunden, die über Jahre bestehen kann“, betont er, dass sich die Investition von rund 17 000 Euro für alle 13 Klassen in jedem Fall gelohnt hat.

Angetan vom Einsatz der Abluftkraken, die auf jeden Klassenraum individuell zugeschnitten sind, zeigt sich auch Elternvertreter Dirk Voß, der nicht nur die Funktionsweise lobt, sondern auch die Optik. Durch die helle Farbgebung würde der Raum nicht verdunkelt, meint er.

„Neben den Masken und dem Hygienekonzept können wir so die Sicherheit für unsere Kinder noch einmal erhöhen“, betont der Bürgermeister, der hofft, dass die Coronazahlen weiter heruntergehen. Die Innovation für den Nachwuchs, die idealerweise Frischluft und Aerosolabfuhr kombiniert, könnte dazu beitragen. „Vielleicht macht die Laerer Abluftkrake im wahrsten Sinne des Wortes Schule“, meint er abschließend. Eine Entwicklung, die auch der Firma Vomo gefallen dürfte.

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