Vorsätzliche Körperverletzung: 31 Jahre alter vierfacher Vater erhält erneut eine Bewährungsstrafe
Langzeitsuchttherapie als Rettungsanker

Laer -

Ein 31-jähriger Ochtruper musste sich am Dienstag wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung, Fahrens ohne Führerschein und Versicherungsschutz, unerlaubten Waffenbesitzes und Trunkenheit am Steuer vor dem Amtsgericht Steinfurt verantworten. Die ihm vorgeworfenen neun Taten soll der vierfache Familienvater im Zeitraum von Januar bis November vergangenen Jahres in Laer, Horstmar, Rheine, Ochtrup, Gronau-Epe und Steinfurt-Borghorst unter Bewährung begangen haben.

Dienstag, 09.03.2021, 18:36 Uhr aktualisiert: 09.03.2021, 18:40 Uhr

„Wie der Vater, so der Sohn“ heißt ein Sprichwort, das wohl in vielen Fällen zutrifft. So auch bei einem Ochtruper, der am Dienstag wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung, Fahrens ohne Führerschein und Versicherungsschutz, unerlaubten Waffenbesitzes und Trunkenheit am Steuer auf der Anklagebank des Amtsgerichts Steinfurt saß. Die ihm vorgeworfenen neun Taten soll der 31-Jährige im Zeitraum von Januar bis November vergangenen Jahres in Laer, Horstmar, Rheine, Ochtrup, Gronau-Epe und Steinfurt-Borghorst unter Bewährung begangen haben.

„Mein Vater ist seit mehr als 30 Jahren Alkoholiker und hat meine Mutter, meine beiden Geschwister und mich oft auch mit dem Rohrstock geschlagen“, schilderte der Beklagte seine schwere Kindheit. Seit seinem 13. Lebensjahr nehme er Rauschgift und Alkohol zu sich. Aktuell werde er stationär in einer Suchtklinik in Hörstel therapiert. „An vieles, was mir vorgeworfen wird, kann ich mich nicht mehr erinnern“, bestätigte der bereits wegen Betrugs, Drogenmissbrauchs, Trunkenheit im Verkehr, Fahrens ohne Führerschein und Versicherungsschutz vorbestrafte vierfache Vater, dass er während seiner Taten erheblich unter Alkohol- und Drogeneinfluss stand. Er gab alles zu, was in der Anklageschrift stand.

Die Trennung von seiner letzten Partnerin habe ihn endgültig aus der Bahn geworfen und sogar zu einem fehlgeschlagenen Selbstmordversuch getrieben, berichtete der jetzt obdachlose Mann. Angesichts der vielen Taten stellte das Gericht einige Verfahren ein. Urteilsrelevant war zunächst der tätliche Angriff auf eine Mitbewohnerin eines Mehrfamilienhauses in Laer. Die 30-Jährige wollte nachts den aufgebrachten und herumschreienden Angeklagten beruhigen. „Doch er hat mir die Brille vom Gesicht gerissen und auf den Kopf geschlagen“, berichtete die Zeugin. „Du bist so ein umgänglicher Mensch, wenn du keine Drogen genommen hast“, weinte die Laererin während ihrer Aussage.

Im Oktober erwischte ihn dann die Polizei mal wieder betrunken und unter Drogen stehend ohne Fahrerlaubnis und Versicherungsschutz am Steuer seines Mercedes-Benz. Darin fanden die Ordnungshüter nicht nur das als gestohlen gemeldete Nummernschild, sondern auch eine Schreckschusspistole. „Die gehörte meinem Vater. Ich wusste nicht, dass ich dafür einen Waffenschein benötigte“, erklärte der Angeklagte. Seine Bewährungshelferin lobte die Zusammenarbeit seit dem Antritt seiner Suchttherapie und bescheinigte ihrem Klienten eine gute Sozialprognose. Daraufhin rang sich der Staatsanwalt in seinem Plädoyer zu einer 14-monatigen Bewährungsstrafe durch. Der Verteidiger plädierte auf ein Jahr. „Ich möchte mein vorheriges Leben hinter mir lassen und Verantwortung für meine Kinder übernehmen“, lauteten die letzten Worte des Täters.

Die Richterin verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr auf Bewährung. Die kann widerrufen werden, wenn er seine heute anzutretende stationäre Langzeitsuchttherapie nicht durchhalten sollte.

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