Matthias Fraune wird am 18. April zum Diakon geweiht
„Da brennt doch was in Dir. . .“

Laer -

32 Jahre hat Matthias Fraune in der heimischen Verwaltung gearbeitet. Im November 2016 verließ er das Laerer Rathaus, um sich zum Priester und Krankenhausseelsorger ausbilden zu lassen. Am 18. April wird der 54-Jährige durch Bischof Dr. Felix Genn in Münster zum Diakon geweiht.

Freitag, 09.04.2021, 16:26 Uhr
Matthias Fraune wird am 18. April im münsterischen St.-Paulus-Dom zum Diakon geweiht. Die Priesterweihe des 54-Jährigen soll Pfingsten 2022 folgen.Foto: Bischöfliche Pressestelle/Achim Pohl
Matthias Fraune wird am 18. April im münsterischen St.-Paulus-Dom zum Diakon geweiht. Die Priesterweihe des 54-Jährigen soll Pfingsten 2022 folgen.Foto: Bischöfliche Pressestelle/Achim Pohl

Vier Tage nach seinem 50. Geburtstag klingelte bei Matthias Fraune das Telefon. Am anderen Ende der Leiter des münsterischen Priesterseminares mit einer klaren Aussage: „Kümmern Sie sich um einen Aufhebungsvertrag mit Ihrem jetzigen Arbeitgeber.“ Für den heute 54-Jährigen nahm sein Leben damit eine Wende – wieder einmal. Dieses Mal allerdings gewollt. Aus tiefster Überzeugung. Zusammen mit zwei weiteren Männern aus dem Bistum Münster wird der Laerer am 18. April (Sonntag) von Bischof Dr. Felix Genn im münsterischen St.-Paulus-Dom unter Corona-Bedingungen zum Diakon geweiht. Pfingsten 2022 soll die Priesterweihe folgen.

Mit seinen 54 Jahren ist Matthias Fraune der älteste in dem Trio der Priesteramtskandidaten. Dafür bringt er einiges an Lebenserfahrung mit. Seit seinem 13. Lebensjahr sitzt der Laerer im Rollstuhl: „Als Folge einer übermäßigen Gewebebildung nach einer Operation“, nennt er den Grund für seine Lähmung. Zwei Jahre war kein Schulbesuch möglich. Zu Hause hat er weitergelernt, um, als es gesundheitlich bei ihm wieder ging, weiter das Gymnasium in Borghorst zu besuchen.

Allerdings nur kurz, denn das Schulgebäude aus den 1960er Jahren war nicht behindertengerecht. Seine Mitschüler haben Matthias Fraune jeden Tag in die oben gelegenen Klassenräume getragen. Bis die Krankenkasse sich meldete: „Wenn dabei etwas passieren würde, wären wir nicht versichert“, erinnert er sich noch genau an den Satz, der ihn auf die Laerer Hauptschule brachte, die Fraune schließlich mit dem Realschulabschluss in der Tasche verließ.

Dann folgte die nächste Ernüchterung: „Ich fand keinen Ausbildungsplatz – und war ein Jahr arbeitslos.“ Eine Lehre zum Bürogehilfen bei der heimischen Gemeindeverwaltung konnte er anschließend nicht beenden: „Wegen meiner Krampfanfälle war es mir unmöglich, die Abschlussprüfung in Stenografie zu bestehen.“

Zweiter Anlauf: Die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten schloss der Azubi erfolgreich ab – und blieb danach – insgesamt 32 Jahre – bis zum November 2016 im Laerer Rathaus.

Während dieser Zeit hat ihn der Gedanke, Priester zu werden, nie wirklich losgelassen: „Freunde haben mich darin immer wieder bestärkt, indem sie gesagt haben: „Da brennt doch etwas in Dir. . . Du musst damit noch mal los!“ Während einer Romfahrt 2012 erzählte er dem heutigen Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp von seinem Wunsch. Dieser machte ihm Mut. In Matthias Fraune brodelte es weiter.

Erst 2016 fasste er sich erneut ein Herz und nahm Kontakt mit Winterkamp auf, der ihm den Kontakt zum Leiter des Priesterseminares vermittelte. Dann ging alles ziemlich schnell. Es folgten weitere Gespräche – bis schließlich der Anruf kam.

Matthias Fraune gab seine Ehrenämter im Laerer Heimatverein, beim DRK-Ortsverein und in seiner Heimatpfarrei Heilige Brüder Ewaldi auf, packte seine Sachen zusammen – und zog zum ersten Advent an den Domplatz in Münster. Wenig später startete er mit dem Theologiestudium im Würzburger Fernkurs. Da sich der Laerer in den zurückliegenden 30 Jahren schon selbst in theologischem Wissen fortgebildet hatte, wurde ihm dies angerechnet. Parallel nahm der 54-Jährige an einer Ausbildung zum Krankenhausseelsorger teil. Diese, so hofft Fraune, werde ihm in seinem Diakonat nützlich sein. Dafür wird er bis Januar 2022 in die Propsteigemeinde St. Remigius nach Borken ziehen. Anschließend geht es für die Vorbereitung auf die Priesterweihe zurück nach Münster.

Dass er als künftiger Pfarrer im Rollstuhl sitzt, sieht Fraune als sichtbares Zeichen für den Dienst an den Kranken und Armen. Ihm ist wichtig zu vermitteln, dass „es keine Menschen zweiter Klasse gibt.“ Weder mit Handicap, noch sonst, sagt der Laerer und kritisiert in diesem Zusammenhang die vom Vatikan untersagte Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: „Gottes Segen gilt jedem Menschen.“ Diese Botschaft möchte er weitergeben.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7908571?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686834%2F
Nachrichten-Ticker