Natur
Ein seltener Vogel

Metelen -

Ihre Rufe sind markant, ebenso der lange, rote Schnabel: Austernfischer werden immer öfter im Münsterland gesichtet. Jetzt hat sich ein Pärchen das begrünte Flachdach des St.-Sophien-Hauses ausgesucht, um dort ein Nest zu bauen. Mittlerweile ist das Junge flügge.

Freitag, 14.07.2017, 06:00 Uhr
Eigentlich an der Küste zu finden sind Austernfischer. Doch haben sie jetzt auch das Binnenland für sich entdeckt. Ein Brutpaar suchte sich das begrünte Flachdach des Sophienhauses für seinen Nestbau aus.
Eigentlich an der Küste zu finden sind Austernfischer. Doch haben sie jetzt auch das Binnenland für sich entdeckt. Ein Brutpaar suchte sich das begrünte Flachdach des Sophienhauses für seinen Nestbau aus. Foto: dpa

Den Bewohnern des St.-Sophien-Hauses unmittelbar an der Vechte ist das Geräusch nicht unbekannt. „Toc, toc, toc“ klopft der Gast an die Scheiben der Terrassentüren. Es ist ein Austernfischer mit seinem langen, roten Schnabel.

„Die sind seit gut fünf Wochen hier“, weiß der Hausmeister der Einrichtung, Dietmar Stening. Er hat die Vögel seither beobachtet, registriert, dass das Pärchen auf dem Flachdach des Gebäudes ein Nest gebaut hat und auch erfolgreich brütete. „Das Dach ist ja begrünt und bietet ihnen da wohl ideale Möglichkeiten zum Nistbau“, sagt Stening, der selber Jäger ist und sich in den vergangenen Wochen über die gefiederten Gäste schlau gemacht hat.

Wie groß das Gelege des Pärchens mit dem markanten schwarz-weißen Gefieder war, kann Stening nur vermuten. „Üblicherweise legen die vier bis fünf Eier“, hat er sich angelesen. Letztlich war allerdings nur ein einziges Junges auf dem Dach zu beobachten. „Gut möglich, dass Raubvögel die anderen entdeckt haben“, ist eine Vermutung des Hausmeisters.

Das (über)lebende Junge jedenfalls hat mittlerweile die Größe seiner Eltern erreicht und schickt sich an, das graue, tarnende Federkleid des Jungvogels abzulegen. Und das Kleine ist mittlerweile auch flügge geworden. Allerdings fehlt im noch die Eleganz der Eltern, wenn sich diese mit breit schwingenden Flügeln zu ihren Streifzügen an der Vechte aufmachen.

„Das Niedrigwasser wegen des Baus der Neuen Vechte dürfte sie angelockt haben“, vermutet der Hausmeister und Vogelfreund. So fanden die Vögel Nahrung – auch für das Jungtier – die sie mit dem langen Schnabel aus dem Fußgrund pickten. Stening wundert sich schon ein wenig, dass Vögel, die üblicherweise an der Küste leben, so weit im Binnenland vorkommen: „Das sind doch eigentlich Wattvögel.“

Elke Happe ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Biologischen Station Zwillbrock. Austernfischer-Sichtungen im Münsterland seien gar nicht so ungewöhnlich, erklärte sie auf Anfrage dieser Zeitung: „Das ist schon länger zu beobachten.“ Vor allem Flachdächer übten auf die Austernfischer offenbar eine hohe Attraktivität aus.

Unterstrichen wird letzteres durch ein Brutpaar, das im Vorjahr in Metelen auf dem Dach des Unternehmens Wheelabrator nistete und ebenfalls erfolgreich brütete. Kein Einzelfall also in der Vechtegemeinde.

Das Picken der Austernfischer an den Scheiben der Terrassentüren des Sophienhauses sei vermutlich eine Reaktion auf das Spiegelbild der Tiere im Glas, erläutert Elke Happe von der Biologischen Station. „Die Tiere versuchen so, Kontakt mit dem vermeintlichen Gegenüber aufzunehmen.“ Toc, toc, toc.

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