Spielgruppe
Auslaufmodell Spielgruppe

Metelen -

Die „Villa Kunterbunt“, eine private Spielgruppe, die von Tanja Alfert gemeinsam mit Eltern seit elf Jahren geführt wurde und in der sich 184 Kinder langsam vom Elternhaus lösten, hört auf. Grund sind immer mehr Angebote für kleine Kinder in den Kitas des Ortes.

Samstag, 15.07.2017, 06:00 Uhr
Tschüss Villa Kunterbunt! Tanja Alfert verabschiedet in dieser Woche die letzten Kinder ihrer privaten Spielgruppe, die sie sechs Jahre lang anbot.
Tschüss Villa Kunterbunt! Tanja Alfert verabschiedet in dieser Woche die letzten Kinder ihrer privaten Spielgruppe, die sie sechs Jahre lang anbot. Foto: Irmgard Tappe

Eigentlich war es ein Tag wie jeder andere in der Villa Kunterbunt. Trotzdem lag an diesem Morgen Abschiedsstimmung in der Luft. Die dreijährige Emma wusste auch warum. „Nur noch einmal Spielgruppe, dann ist Abschluss“, sagte sie.

„Ja, leider“, bedauerte Tanja Alfert. „Ich werde die Villa Kunterbunt schließen. Denn für das kommende Jahr liegen nur sieben Anmeldungen vor. Und das ist für mich nicht wirtschaftlich.“ In dieser Woche nahmen letztmals angehende Kindergartenkinder Abschied von ihrer Spielgruppe. Für jedes Kind hatte die Erzieherin eine Erinnerungsmappe gebastelt. Die überreichte sie ihren Schützlingen während der Abschiedsfeier auf dem Hof Wolbeck – als Andenken an die Zeit in der Villa Kunterbunt.

Anfang April 2006 hatte Tanja Alfert in den ehemaligen Büroräumen ihres Wohnhauses die Spielgruppe für Kleinkinder im Alter von anderthalb bis drei Jahren eingerichtet. Eltern, die ihren Nachwuchs in den ersten Lebensjahren noch nicht in eine Vollzeit-Kita geben wollten, schätzten dieses Angebot, das den Nachwuchs behutsam an die spätere Kita-Zeit heranführte. Gleichzeitig kamen die Kleinen mit Gleichaltrigen in Kontakt. Aus pädagogischer Sicht bewertet Alfert das als ideale Vorbereitung auf den Kindergarten.

184 Jungen und Mädchen hat sie innerhalb von elf Jahren betreut. Zwei Gruppen mit je acht Kindern waren bis vor einem Jahr stets voll ausgelastet. Die eine Gruppe kam montags und mittwochs, die andere dienstags und donnerstags jeweils für zweieinhalb Stunden am Morgen. Darüber hinaus gab es in Metelen noch eine weitere Loslösegruppe.

Was ist der Grund für diesen Wandel? „Die Kinder besuchen immer früher die Kitas. Das schlägt auch in Metelen zu Buche, seit dort in allen drei Einrichtungen U 2-Plätze angeboten werden“, vermutet Alfert. Diese Frühbetreuung sei natürlich eine gute Lösung, wenn beide Elternteile berufstätig seien – eine Situation, die im Laufe der vergangenen elf Jahre zugenommen habe.

Das wiederum führt dazu, dass für Kinder, die erst ab dem dritten Lebensjahr eine Kita besuchen, in der Wunsch-Einrichtung oftmals nichts mehr frei ist. Zwar besteht für diese Altersgruppe ein Anspruch auf einen Kitaplatz, aber die vorhandenen Plätze sind häufig durch nachrückende U 3-Kinder ausgeschöpft. Um sich den Besuch der Wunsch-Kita zu sichern, entscheiden sich viele Eltern, ihren Nachwuchs immer früher für die Kitas anzumelden. Eine Entwicklung, die nicht nur auf Metelen begrenzt ist.

Das führt gleichzeitig dazu, dass Spielgruppen zum Auslaufmodell werden. „Schade“, meint Tanja Alfert. Sofern es die äußeren Umstände zulassen, hat die Geborgenheit des Elternhauses ihrer Meinung nach in den ersten Lebensjahren eines Kindes einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert.

Es schwang schon eine gewisse Wehmut mit, als die Erzieherin an diesem Morgen durch die künftig verwaisten Gruppenräume der Villa Kunterbunt ging. „Ich habe mir das alles aus eigener Kraft aufgebaut. Von außen gab es keinerlei finanzielle Unterstützung“, erzählte sie.

Tatkräftig unterstützt wurde sie aber von den Eltern. Denn bei der Anzahl der zu betreuenden Kinder bedurfte es einer zusätzlichen Aufsichtsperson. Jede Familie, die das Angebot nutzte, brachte sich ein. Und dafür ist Alfert den engagierten Müttern, Vätern und Großeltern sehr dankbar. All das ist von nun an Vergangenheit. Für Tanja Alfert beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie wird voraussichtlich wieder ihre Arbeit als Erzieherin in einer Kindertageseinrichtung aufnehmen.

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