Friduwistraße
Trafo vor der Tür: „Der Kasten kommt zu dir“

Metelen -

Erst die Anliegerbeiträge für die Friduwistraße und demnächst auch noch für die Gronauer Straße und jetzt auch noch das: Eva-Maria Rose ärgert sich über die Aufstellung einer Trafostation vor ihrem Haus. Versorger Westnetz will eine benachbarte Einrichtung ersetzen.

Mittwoch, 26.07.2017, 06:00 Uhr
Eva-Maria Rose treibt die geplante Aufstellung einer Trafostation auf dem Bürgersteig direkt vor ihrer Haustür um. Sie schrieb an die Verwaltung und den Netzbetreiber. Westnetz hat bereits eine Trafostation an der Friduwistraße, die jedoch in den Gärten nur noch zu Fuß zugänglich ist.
Eva-Maria Rose treibt die geplante Aufstellung einer Trafostation auf dem Bürgersteig direkt vor ihrer Haustür um. Sie schrieb an die Verwaltung und den Netzbetreiber. Westnetz hat bereits eine Trafostation an der Friduwistraße, die jedoch in den Gärten nur noch zu Fuß zugänglich ist. Foto: Huge sive Huwe

„Ich wohne seit 51 Jahren hier und fühle mich wohl. Ich mag es, im Garten zu sitzen und kann mir einen anderen Ort zum Leben gar nicht vorstellen.“ Eva-Maria Rose ist mit dem Haus verwachsen, das den ebenso rustikalen wie gepflegten Charme der Wirtschaftswunderjahre ausstrahlt. Seit sieben Jahren verwitwet ist das Haus an der Friduwistraße auch der Ruhepol für die 71-Jährige.

Doch seit dem Frühjahr ist die Welt von Eva-Maria Rose ein ganz gehöriges Stück aus den Fugen geraten. Auf dem Küchentisch bilden Schriftstücke einen kleinen Haufen. Es sind handgeschriebenen Kopien von Briefen. Die Adressaten sind Amtspersonen und ein Versorgungsunternehmen: Bürgermeister, Bauamtsleiter, Westnetz.

„Ich habe es von einem Nachbarn erfahren und hielt das zunächst für einen Scherz“, sagt die Witwe. Gemeint war die Äußerung eines mittlerweile verstorbenen Anwohners, dass ein Trafokasten des Netzbetreibers Westnetz auf dem Bürgersteig vor ihrem Haus aufgestellt werden sollte. „Der hat gesagt ,Der Kasten kommt zu dir‘“, erinnert sich Eva-Maria Rose.

Als sie dann von einem anderen Nachbarn nochmals auf das Thema angesprochen wird, erkundigt sie sich genauer. Und als sie einen Plan sieht, erkennt sie das blaue Rechteck, das den Standort des Trafokastens markiert: Direkt vor dem Haus. Kein Scherz.

Ende Mai schickt sie erste Briefe ans Rathaus und an Westnetz, bekommt aber, wie sie berichtet, keine Antwort. Am 10. Juli hakt sie nach, setzt ein zweites Schreiben an die selben Adressaten auf. Auch darin wehrt sie sich dagegen, dass der Kasten direkt vor dem Haus aufgestellt wird.

„Ich bin doch eh schon mit 14 000 Euro beim Anliegerbeitrag für die Friduwistraße dabei“, ärgert sich Eva-Maria Rose. Und bereits jetzt ist absehbar, dass sie auch für den Ausbau der Gronauer Straße im kommenden Jahr tief in die Tasche greifen muss: „Das sind nochmals mehr als 30 000 Euro.“ Und als wäre das noch nicht genug, soll jetzt auch noch die Stromkiste vor die Tür.

Immerhin: die Gemeinde hat sich bei ihr gemeldet. „Ja, der Wessling war da. Und er hat auch angeboten, dass der Kasten einen halben Meter nach vorne versetzt wird, damit ich die Hecke noch schneiden lassen kann“, beschreibt die Witwe das Treffen mit dem Leiter des Bauamts.

Auch eine Alternative kam darin zur Sprache. „Die können den Stromkasten auch an die Gronauer Straße setzen, auf mein Grundstück. Der käme dann praktisch in die Hecke. Und dann wollen die das hintenrum bepflanzen, damit man das nicht mehr so sieht.“

Das kann und will sich die 71-Jährige nicht vorstellen. Drei Meter breit, 1,50 Meter tief und 1,70 Meter hoch ist in der Realität der Kasten. Wie solch eine Trafostation in der Realität aussieht, ist in Metelen beispielsweise an der Einmündung des Uesbecker Eschs in der Metelener Heide zu sehen. Oder auf dem Betriebsgelände von Westnetz an der B 70.

In dem Bürogebäude des Versorgers sitzen am Dienstagmorgen Martin Enning, der für die Versorgung im Bereich Metelen verantwortlich zeichnet und auch Bauamtsleiter Stefan Weßling am großen Konferenztisch. Außerdem ist eine Vertreterin der Presseabteilung von Westnetz zugegen. Das Thema ist dem Versorger offenbar wichtig – oder einfach nur peinlich?

Denn bereits im Vorgespräch stand die Frage im Raum, warum überhaupt eine neue Station gebraucht wird, wo doch nur gute 30 Meter entfernt seit mindestens 50 Jahren ein Trafogebäude des Versorgers steht.

Für die Gemeinde erklärt der Bauamtsleiter, dass den Anliegern im Rahmen der Bürgerinformation und auch in den Beratungen einer Arbeitsgemeinschaft, die für die Sanierung der Friduwi­straße gebildet wurde, sämtliche Vorhaben unter und in der Straße erläutert worden seien. „Da wurde auch die Station erklärt“, so Weßling. Auch Martin Enning vom Stromversorger ist sich sicher, dass im Vorfeld informiert wurde: „Das ist vom Planungsbüro in der Ausbauplanung festgehalten“, blickt er auf die Zeichnung.

Der Netzplaner erläutert ferner, dass im Zuge der Straßensanierung Versorgungsleitungen erneuert werden – wie später auch auf der Gronauer Straße. Zusammengeführt und gebündelt werden diese Stromleitungen dann auf dem Bürgersteig vor dem Haus Rose – dem Standort der neuen Kompaktstation. „Aufgrund neuer Technik können wir sie deutlich kleiner dimensionieren als in alter Technik“, erläutert Enning.

Genau solche ist in der alten Station einen guten Steinwurf vom Haus Rose entfernt zu sehen – theoretisch zumindest. Denn wer einen Zugang zu dem Bauwerk sucht, muss passen. Überall Gartenhecken und Tore. Dort, wo im Plan ein schmaler Weg zu der Station eingezeichnet ist, versperrt ein Tor den Zugang, das offenbar einem Anlieger, nicht aber der RWE gehört. „Der muss uns aber jederzeit Zugang gewähren“, erläutert Enning die ungewöhnliche Situation vor Ort: eine Trafostation, zu der es erst nach Öffnung eines privaten Tores Zugang gibt.

Ein Neubau an der Friduwistraße vor einigen Jahren verbaute Westnetz außerdem die letzte Chance, mit Fahrzeugen an die Station zu fahren. Warum der Versorger seinerzeit kein Veto einlegte, oder warum die Gemeinde ihn nicht darauf hinwies, dazu gibt es im Konferenzraum keine Antwort. Nur diese von Martin Enning: „Wir wussten schon seit längerem, dass wir hier was machen müssen.“

Macht Westnetz jetzt auch: Sämtliche unterirdischen Stromleitungen werden je nach Baufortschritt vom bisherigen alten Trafohaus abgeklemmt und an die neue Station angeschlossen.

Und das alte Trafogebäude, das mitten in Gartenanlagen liegt? „Das Grundstück gehört Westnetz und wird möglicherweise mal verkauft“, so Enning.

Der Netzplaner bringt schließlich noch ein Thema aufs Tapet, das aus Ingenieurssicht zusätzlich für den Standort am Haus Rose spreche: die Lastverteilung. Es sei aus technischer Sicht sinnvoll, die Trafostationen in möglichst gleichmäßigem Abständen voneinander aufzustellen. Und deshalb sei die Aufweitung des Bürgersteigs am Haus Rose gut für die Aufstellung geeignet. Im übrigen erlaube der Konzessionsvertrag mit der Gemeinde die Nutzung öffentlicher Flächen.

Bei den Nachbarn sei die Gemeinde ebenfalls schon vorstellig geworden, holte sich aber bei allen Anfragen Körbe ein, ergänzt Stefan Weßling vom Bauamt. Die Verärgerung der Witwe könne er nachvollziehen, sagt der Mann vom Amt, dem es wichtig ist, eine Lösung zu finden, mit der auch Eva-Maria Rose leben kann.

Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr. Die Bagger graben sich bereits von der Heeker Straße aus die Friduwistraße empor – Meter für Meter. Und in vier bis spätestens sechs Wochen soll die Kompaktstation aufgestellt werden . . .

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5034202?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686835%2F
Nachrichten-Ticker